
Innsbruck. Die Gesamtschule ist für den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) - entgegen der offiziellen Linie seiner Partei - vorstellbar. Eine Gemeinsame Schule solle man "durchaus offensiv andenken - auch in Verbindung mit Ganztagsschule", wurde er in einer Vorabmeldung des am Donnerstag erscheinenden Nachrichtenmagazins "News" zitiert. Letztere solle zwar nicht verpflichtend sein, aber ausreichend angeboten werden.
"Ich kann mir eine gemeinsame Schule für alle durchaus vorstellen", meinte Platter. "Es muss aber in der Schule eine Differenzierung geben, damit sich die Kinder nach ihren persönlichen Fähigkeiten weiterentwickeln können", erklärte er in dem Interview.
In den Hauptschulen am Land sei es seit jeher so, dass alle Zehn-bis 14-jährigen Kinder gemeinsam in die Schule gehen, erklärte Platter. "Diese Kinder haben auch alle Chancen der Welt. Ich habe noch nie gehört, dass jemand, der in so eine gemeinsame Schule geht, später einen Nachteil hat, wenn er studieren will."
Grüne und SPÖ erfreut
Erfreut über Platters Ansichten haben sich am Mittwoch die Grünen und Wiens Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) gezeigt. "Es ist schön, dass sich die ÖVP bildungspolitisch langsam dem 21. Jahrhundert zuwendet und beginnt, ihre Uralt-Position zu überdenken", so Grünen-Bildungssprecher Harald Walser am Mittwoch in einer Aussendung. Allerdings müsse nun die Regierung endlich "Nägel mit Köpfen machen". Es nutze nichts, "dass man ab und zu in einzelnen Bundesländern bildungspolitische Luftblasen steigen lässt".
"Höchst erfreut" gab sich auch Oxonitsch in einer Stellungnahme gegenüber der APA: "Es ist erfreulich, dass innerhalb der ÖVP immer mehr Stimmen laut werden, die die Gemeinsame Schule befürworten. Die Gesamtschule weiter zu blockieren schadet der sinnvollen Weiterentwicklung des Bildungssystems." Er hoffe, dass sich "diese Stimmen der Vernunft" durchsetzen.