• vom 27.09.2012, 15:22 Uhr

Schule aktuell

Update: 27.09.2012, 17:07 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Geringe Korrelation zwischen Lesekompetenz und Deutschnote

Jeder fünfte "Risikoschüler" erhält beim Wiener Lesetest gute Note




DPAweb / Oliver Berg DPAweb / Oliver Berg

Wien. Jeder fünfte Wiener Volksschüler hat im Abschlusszeugnis der vierten Klasse 2012 ein "Sehr Gut" (drei Prozent) oder "Gut" (17 Prozent) im Fach Deutsch, Lesen, Schreiben erhalten, obwohl er massive Probleme beim Lesen hat. Das zeigt eine Detailauswertung der Ergebnisse des Wiener Lesetests, die am Donnerstag beim "Wiener Lesesymposium" vorgestellt wurde. Die Note umfasse zwar mehr als nur die Lesefähigkeiten, Lehrer mögen aber die Unterschiede zwischen dem Ergebnis des Tests und der Beurteilung hinterfragen, so Rupert Corazza, Leseexperte des Wiener Stadtschulrats. "Da werden wir in nächster Zeit genau hinschauen, weil mit der Note auch Berechtigungen (für den AHS-Besuch, Anm.) verbunden sind."

Insgesamt wurden 21 Prozent der Kinder in der vierten Klasse Volksschule in die Gruppe jener eingeordnet, die ein sehr geringes Leseverständnis haben. Ein "Nicht Genügend" im Zeugnis im Fach Deutsch bekam in dieser Gruppe jedoch nur etwas mehr als ein Prozent, 37 Prozent erhielten ein "Genügend" und der größte Teil der Schüler (41 Prozent) ein "Befriedigend".

Angesichts dieser Ergebnisse wurde im Stadtschulrat der Zusammenhang zwischen Lesetestergebnissen und Deutsch-Noten näher angesehen, wobei Bandbreiten definiert wurden, innerhalb derer eine Note als "unauffällig" angesehen werden kann. Dabei zeigte sich, dass in jeder achten Klasse mehr als 40 Prozent der Beurteilungen als "auffällig" einzustufen sind. So haben zehn Prozent der Schüler deutlich weniger Punkte erreicht als der Durchschnitt aller Schüler, aber ein "Sehr Gut" im Zeugnis. Gleichzeitig haben fünf Prozent der Schüler mit einem Vierer im Zeugnis ein besseres Ergebnis geliefert als der Wiener Durchschnitt. Und von den 37 Schülern, die ein "Nicht Genügend" erhalten haben, sind laut Lesetest 33 Prozent keine Risikoschüler.

Eine Sonderauswertung durch das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das den Test für den Stadtschulrat konzipiert hat, zeigt außerdem auf der achten Schulstufe (4. Klasse AHS-Unterstufe bzw. Hauptschule, Neue Mittelschule etc.) massive Unterschiede bei den Leseleistungen nach Schultyp: So fallen an den AHS 61 Prozent in jene Gruppe, die sehr gut lesen kann, 34 Prozent in die Gruppe der guten Leser und fünf Prozent in die der "Risikoschüler". An den Hauptschulen und ähnlichen Schulformen machen die "Risikoschüler" hingegen mit 48 Prozent die größte Gruppe aus, 41 Prozent sind gute Leser und nur elf Prozent sind sehr gute Leser. "Das ist ein Ergebnis, das man in etwa erwarten darf. Das ist eine natürliche Folge unseres Schulsystems", kommentierte Bifie-Direktor Günter Haider das Ergebnis.

Außerdem präsentierte Haider Detail-Ergebnisse der internationalen Bildungsvergleichsstudie PIRLS 2006 zu den Lesefähigkeiten von Volksschülern: Demnach haben bei gleicher Lesekompetenz Kinder von Akademikern eine doppelt so hohe Chance, ein "Sehr Gut" im Abschlusszeugnis zu erhalten wie Kinder von Lehrlingen oder Pflichtschulabsolventen. Und selbst wenn sie die gleichen Noten erhalten, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in eine AHS übertreten, sehr unterschiedlich: Während sie bei Akademikerkindern mit "Sehr Gut" in Deutsch und Mathematik bei 80 Prozent liegt, sind es bei Arbeiterkindern mit gleichen Noten nur 50 Prozent.

Der Wiener Lesetest wurde im Schuljahr 2012 zum zweiten Mal unter allen Schülern der vierten bzw. achten Schulstufe durchgeführt. Beim zweiten Durchgang lag die Zahl der Risikoschüler an den Volksschulen bei rund 20,5 Prozent (2011: 23,7 Prozent). Innerhalb dieser Gruppe wurde noch einmal unterschieden: Mehr als halbiert hat sich mit 3,9 Prozent die Zahl jener Schüler, die intensiven Förderbedarf haben (2011: 10,6 Prozent), 16,6 Prozent haben "normalen" Förderbedarf (2011: 13,1 Prozent). Ähnlich sieht es in der vierten Klasse Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe aus: Die Gruppe der allerschlechtesten Leser hat sich fast halbiert und liegt nun bei 3,7 Prozent (2011: 6,9 Prozent). 18 Prozent haben "normalen" Förderbedarf (2011: 12,3 Prozent), 3,5 Prozent "etwas Förderbedarf" (2011: 9,5 Prozent). Überhaupt keinen Förderbedarf weisen 74,8 Prozent auf (2011: 71,2 Prozent).




Schlagwörter

Lesetest

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-27 15:23:17
Letzte Änderung am 2012-09-27 17:07:32


Beliebte Inhalte



  • Wie man Schüler mit Sprachdefiziten fördert, sollen Direktoren entscheiden.
  • weiter

Alt und Neu wurden bei der nun komplett fertiggestellten Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik in der Sensengasse in Wien-Alsergrund vereint. - Harald A. Jahn
  • Mehr als eine Milliarde Euro wird
  • in 42 Uni-Großprojekte investiert.
  • weiter

Verlieren die jungen Schwarzen ihre Mehrheit am Juridicum? Am Dienstag war das noch unklar. - apa
  • SPÖ, Grüne und FPÖ wollen Rückkehr zur Direktwahl.
  • weiter

Im Kindergarten werden grundlegende Kenntnisse, soziales Verhalten und lebenspraktische Fähigkeiten vermittelt. - apaWeb / dpa - Jens Büttner
  • Übergänge und Brüche im Bildungssystem als Thema eines Workshops
  • weiter

Das Medizinstudium in Graz - im Bild ein Aufnahmetest in der Stadthalle der steirischen Landeshauptstadt - ist Gegenstand des jüngsten aufsehenerregenden OGH-Urteils. - apa/Silvia Schober
  • OGH-Urteil spricht Ex-Studenten Schadenersatz für Studienverzögerung zu.
  • weiter

Alle Lehrer werden Master. Auch Volksschullehrer müssen länger studieren. - apa/Georg Hochmuth
  • Alle Sekundarlehrer erhalten dieselbe Ausbildung; Mobilität wird erhöht.
  • weiter

Der Ausspruch "das geht sich nicht aus" ist universell einsetzbar und trifft auch auf die Koalitionsverhandlungen nach der ÖH-Wahl zu...weiter

Der Universität zurechenbar ist eine Verlängerung der Studienzeit insbesondere dann, wenn diese durch Rückstellung bei der Anmeldung zu einer Lehrveranstaltung erfolgt - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Urteil könnte künftigen Studienwerbern auf den Kopf fallen.
  • weiter

Auch wenn Teilergebnisse gefeiert wurden, das Gesamtergebnis verursacht bei den meisten Fraktionen eher Katerstimmung. - APAweb / Herbert Neubauer
  • Mandatsgewinne vor allem für kleiner Gruppierungen
  • TU Graz schaffte Auszählung nicht
  • weiter

Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat am Dienstag vor dem Ministerrat angekündigt, beim Lehrerdienstrecht "intensiv weiterverhandeln" zu wollen. - APAweb/Techt
  • Unterrichtsministerin will sich von Koalitionspartner nicht verunsichern lassen.
  • weiter




Werbung




Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers. Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

"Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Werbung