• vom 12.11.2014, 15:09 Uhr

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Update: 12.11.2014, 16:05 Uhr

Selfies

"Layouter des Todes"




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Von Bettina Figl

  • Im Islamischen Staat sind Bilder verboten, dennoch bedienen sich die IS-Terroristen neuer Medien und machen Selfies.

Kein klassisches Selfie, aber dennoch in Fotopose: Junge Männer in Bagdad. - © Foto: Oghanna/Corbis

Kein klassisches Selfie, aber dennoch in Fotopose: Junge Männer in Bagdad. © Foto: Oghanna/Corbis

"Die Selbststilisierung der IS ist nach Westen ausgerichtet und unterläuft die Propaganda, die in den westlichen Medien den Feind erkennt", sagt Rámon Reichert.

"Die Selbststilisierung der IS ist nach Westen ausgerichtet und unterläuft die Propaganda, die in den westlichen Medien den Feind erkennt", sagt Rámon Reichert.© privat (Selfie) "Die Selbststilisierung der IS ist nach Westen ausgerichtet und unterläuft die Propaganda, die in den westlichen Medien den Feind erkennt", sagt Rámon Reichert.© privat (Selfie)

Wien. US-Schauspielerin Kirsten Dunst posiert mit zwei jungen Frauen für ein Selfie. Als Dunst fragt, ob die vermeintlichen Fans auch etwas von ihr wissen, ihr eine Frage stellen wollen, sagen diese nur: "Kannst du mich taggen?" Die Kernaussage des Kurzfilmes: Das Selfie stehe sinnbildlich für eine Generation selbstverliebter, egozentrischer Menschen. Inwiefern dieses in den Medien oft kolportierte Bild der Realität entspricht, wird in "Selfies. Eine Kultur- und Mediengeschichte der Selbstdarstellung", einer aktuellen Lehrveranstaltung der Uni Wien, behandelt. Der Schreyvogelsaal in der Wiener Hofburg ist bis auf den letzten Platz gefüllt, in dem Seminar am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft wird eifrig diskutiert. Im Interview mit der "Wiener Zeitung" sagt Medientheoretiker und Lehrveranstaltungsleiter Rámon Reichert, das Selfie sei mehr als nur narzisstisch motiviert, und beschreibt, wie sich IS-Kämpfer trotz Bilderverbots dieses neue Medium zunutze machen.

"Wiener Zeitung": Reicht das Thema Selfies aus, um eine ganze Vorlesungsreihe dazu zu gestalten?

Information

Das Selfie ist ein Selbstporträt, bei der eine oder mehrere Personen auf Armlänge aus der eigenen Hand fotografiert werden. Taggen ist eine Markierung und erhöht die Sichtbarkeit in den sozialen Medien.

Rámon Reichert
(geb. 1966) ist Kultur- und Medientheoretiker und ist am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Uni Wien als Gastprofessor tätig, wo er in diesem Semester die Lehrveranstaltung "Selfies. Eine Kultur- und Mediengeschichte der Selbstdarstellung" leitet. Seit 2014 leitet er die Masterstudiengänge "Data Studies" und "Cross Media" an der Donau-Uni Krems.


Rámon Reichert: Wenn man nur in der Gegenwart bleiben würde, würde es sich schnell erschöpfen, doch Selbstporträts gehen auf eine Tradition zurück, die sich bis in die Antike zurückverfolgen lässt, wenn wir an die Mumienporträts aus römischer Zeit denken. In der Blütezeit der italienischen Renaissance wurde dem Porträt die Bedeutung eines Charakterbildes gegeben. Diese Bildkultur war eng geknüpft an den Aufstieg des Individuums. Auch städtische Adelsfamilien und Herrschaftshäuser waren Auftraggeber, nicht mehr nur die Kirche.

Ist das Hauptmotiv für das Selbstporträt – damals wie heute – also nicht vorrangig der Narzissmus?

Nein, das Selbstporträt diente zur Standesrepräsentation und überlieferte bilddokumentarische Formen der charakterlichen Evidenz der dargestellten Personen. Die mediale Berichterstattung der Gegenwart hingegen assoziiert mit dem Selfie vorrangig "Narzissmus" und versucht damit das jugendkulturelle Bildhandeln abschätzig zu verurteilen. Es heißt dann, das Selfie stehe stellvertretend für eine selbstverliebte Generation, die vor allem über Selbstbilder kommuniziert.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-11-12 15:10:18
Letzte ─nderung am 2014-11-12 16:05:02



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