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Update: 19.06.2015, 16:15 Uhr

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Österreichische Erbschaftslehre




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Von Bettina Figl

  • WU-Rekor Badelt: "Mehr soziale Durchmischung an Unis durch Zugangsregeln, Studiengebühren und Gesamtschule."

Stanislav Jenis

Stanislav Jenis Stanislav Jenis

Wien. Wird Bildung in Österreich doch nicht vererbt? Ist es um die soziale Durchmischung an den Hochschulen gar nicht so schlecht bestellt? Diese Fragen wirft die kürzlich präsentierte Eurostudent-Studie auf. Diese besagt, dass in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wenige Studierende aus Akademikerhaushalten kommen. Demnach hat nur ein Drittel der Studierenden Eltern mit Hochschulabschluss - in Deutschland sind es fast dreimal so viele.

"Hier wurden falsche Zahlen verglichen"

Information

Zugangsregeln wurden in Österreich infolge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2005 eingeführt. Die AK-Studie untersucht die soziale Zusammensetzung der Studienanfänger beziehungsweise der Studenten vor und nach der Implementierung und zeigt, dass mit den eingeführten Zugangsregeln in Medizin, Veterinärmedizin, Psychologie, Publizistik und Biologie der Anteil von Akademikerkindern angestiegen ist. Die 2013 eingeführten "neuen" Zugangsbeschränkungen in Architektur, Biologie, Pharmazie, Informatik und Wirtschaftswissenschaften wurden noch nicht berücksichtigt. Eine Evaluierung des IHS war zuletzt jedoch zum Schluss gekommen, dass sich die soziale Zusammensetzung der Studienanfänger nicht verändert hat.

Für die Eurostudent-Studie wurde die Studierenden-Sozialerhebung 2011, Beobachtungszeitraum 1990/91 bis 2010/11.

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Doch der Vergleich hinkt: 20 Prozent der deutschen Akademiker gelten in Österreich nicht als Akademiker, da sie "nur" eine Lehre mit Meistertitel absolviert haben. Insgesamt leben in Österreich weniger Akademiker, die Zahlen müssen daher in Relation betrachtet werden. "Hier ist die falsche Zahl zum Vergleich herangezogen worden", sagt Jakob Hartl vom Institut für Höhere Studien (IHS).

Sein Fazit: "Die soziale Reproduktion über die letzten 25 Jahre ist ungebrochen. Die bildungsferne Schicht ist an den österreichischen Hochschulen nach wie vor unterrepräsentiert, die der Akademiker stark überrepräsentiert." Die Chancen auf ein Hochschulstudium sind in Österreich rund dreimal so hoch, wenn die Eltern einen Hochschulabschluss oder die Matura haben.

Mehr Akademikerkinder nach Zugangsregeln

Wie sich Zugangsregeln auf die soziale Zusammensetzung an den Unis auswirken, hat eine Studie der Arbeiterkammer Wien untersucht. Die AK-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass seit der Einführung von Zugangsregeln die Zahl der Akademikerkinder an den Unis gestiegen ist.

Hier wurden "die falschen Fragen gestellt", meint Christoph Badelt, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien: "Es ist nicht relevant, wer zum Studium zugelassen wird, sondern wer das Studium absolviert. Es ist empirisch belegt, dass sozial Schwächere im Laufe des Studiums eher herausfallen." Der WU-Rektor vermutet, die Arbeiterkammer wollte mit der Studie Stimmung gegen neue Zugangsregeln machen, die Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) derzeit mit der SPÖ verhandelt.

Alte Studie, neu präsentiert

Tatsächlich fragt man sich, warum die Studie, die bereits 2013 konzipiert und 2014 fertiggestellt wurde, ausgerechnet jetzt präsentiert wurde? Die Studie sei bereits vorgestellt, anlässlich der AK-Tagung lediglich nochmals präsentiert worden, sagt Studienautorin Anna Palienko. Den Vorwurf des politischen Taktierens weist sie zurück.

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Dokument erstellt am 2015-06-19 15:44:08
Letzte nderung am 2015-06-19 16:15:08



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