• vom 12.01.2017, 08:47 Uhr

Uni

Update: 12.01.2017, 08:53 Uhr

Ausbildung

Kern setzt in "Plan A" auf Studienplatzfinanzierung




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Von WZ Online, APA

  • Der VSStÖ ortete in der Forderung einen "deutlichen Angriff auf den offenen und freien Hochschulzugang".

Wien. SPÖ-Chef Christian Kern legte parallel zu seiner Grundsatzrede am 11. Jänner in Wels auch ein knapp 150-seitiges Arbeitsprogramm vor. Das "Plan A" genannte Papier beinhaltet einen innerparteilichen Tabubruch, was die Uni-Politik angeht. Der Kanzler setzt auf eine Studienplatzfinanzierung, was in letzter Konsequenz eine Ausweitung der Zugangsbeschränkungen bedeutet.

Insgesamt will Kern zwar die Uni-Budgets deutlich erhöhen, doch gibt er ein "klares Bekenntnis", "zukunftsträchtige Studienfächer besser zu finanzieren und auszubauen". Damit gemeint sind vor allem Fächer aus Technik, Naturwissenschaften und Informatik.

Ausbau der Forschungsquote

Ein Bekenntnis gibt der Kanzler zum Ausbau der Forschungsquote ab. Diese soll um gleich 0,66 Prozent auf 3,76 Prozent steigen. Ein Drittel des Zuwachses soll von der öffentlichen Hand kommen, der Rest von Privaten, wobei etwa eine Erhöhung der Forschungsprämie hilfreich sein soll.

Bildung beginnt für den SPÖ-Chef im Kindergarten. Dementsprechend will er, dass schon dort Kinder mit Bauklötzen erste Erfahrungen mit Programmieraufgaben machen. In der Volksschule soll es dann eine "digitale Grundbildung" geben. Im fünften Schuljahr wird den Kindern nach Vorstellung Kerns ein Tablet zur Verfügung gestellt, im neunten dann auch noch ein Laptop.

Einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz soll es nach dem Geschmack des Kanzlers bereits ab dem ersten Lebensjahr geben. In einem ersten Ausbau-Schritt empfiehlt Kern ein zweites Gratis-Kindergartenjahr.

"Chancen-Index" für Schulen

In den Schulen setzt der Regierungschef im wesentlichen auf das jüngst koalitionär vereinbarte Paket, speziell auf einen "Chancen-Index", über den Schulen mit ungünstigen Voraussetzungen mehr Mittel erhalten. Darüber hinaus tritt der Kanzler dafür ein, dass die Arbeit an herausfordernden Standorten Voraussetzung für das (spätere) Erreichen leitender Positionen im Schulwesen sein soll. Zudem soll es auch finanzielle Anreize für Lehrer geben, sich an entsprechenden Schulen zu engagieren.

Einige Goodies enthält das Papier für Lehrlinge. Sie sollen den Führerschein und vier Wochen (Auslands-)Sprachaufenthalt gratis erhalten. Fachhochschulen sollen mit dem Ziel gefördert werden, Lehrlinge mit Abschluss aufzunehmen.

Kritik des VSStÖ

Umgehende Kritik ist ausgerechnet aus den eigenen Reihen gekommen: Der VSStÖ (Verband Sozialistischer Student_innen) ortete in der Forderung nach einer Studienplatzfinanzierung einen "deutlichen Angriff auf den offenen und freien Hochschulzugang". Die SPÖ verabschiede sich damit "de facto vom freien Hochschulzugang", schrieb der VSStÖ in einer Aussendung, die noch während des knapp zweistündigen Auftritts des SPÖ-Chefs veröffentlicht wurde.

Der freie Hochschulzugang stelle eine "Errungenschaft der Kreisky Ära" dar, "von der auch Kern selbst noch als Student profitiert hat und diese nun mit Füßen tritt", so die Kritik. Erfreulich sei indes, dass viele langjährige VSStÖ-Forderungen "endlich in der SPÖ Beachtung finden", etwa ein verstärktes digitales Orientierungsangebot während der Schulzeit und Bestrebungen, den Hochschulzugang für Lehrlinge zu erleichtern.

Ausgaben im Bereich von 8,5 Milliarden Euro

Was die Finanzierung des Kern-Papiers - in dem zahlreiche Themen von Arbeitsmarkt über Migration bis Mietrecht angesprochen werden - angeht, spricht der Kanzler selbst von Ausgaben im Bereich von 8,5 Milliarden Euro. Über Einsparungen, "gerechte Steuern" und Konjunktureffekte soll aber mit 8,7 Milliarden sogar ein Überschuss erzielt werden.

Gestaltet ist der "Plan A" als offenes Konzept. Das heißt, Rückmeldungen sind erwünscht, Verbesserungsvorschläge willkommen. Dass sich nicht alles sofort und schon gar nicht in einer Koalition umsetzen lassen wird, stellt Kern klar. Von einem Wahlprogramm will der SPÖ-Chef nicht sprechen, aber angesichts der Breite des Papiers ist davon auszugehen, dass man wohl mit dem Papier in einen allfälligen Urnengang 2017 ziehen würde.

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Schlagwörter

Ausbildung, Christian Kern

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-01-12 08:50:51
Letzte ─nderung am 2017-01-12 08:53:03



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