• vom 10.05.2017, 16:48 Uhr

Uni

Update: 10.05.2017, 22:14 Uhr

AG-Skandal

Fakultät verurteilt Vorfälle aufs Schärfste




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Von WZ Online, APA

  • Nach den Worten von Dekan Paul Oberhammer zieht nun die AG Konsequenzen.

Der Falter berichtet groß über die "Scherze" der Arbeitsgemeinschaft, Paul Oberhammer ist entsetzt. - © Falter-Titelblatt / Huger, copyright holder: Paul Oberhammer - CC 4.0

Der Falter berichtet groß über die "Scherze" der Arbeitsgemeinschaft, Paul Oberhammer ist entsetzt. © Falter-Titelblatt / Huger, copyright holder: Paul Oberhammer - CC 4.0

Wien. Mit Bestürzung hat der Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien, Paul Oberhammer, auf Berichte über geheime Chat-Gruppen der AktionsGemeinschaft (AG) am Juridicum reagiert, in denen antisemitische und menschenverachtende Witze ausgetauscht wurden. In einer Stellungnahme fordert er, dass Beteiligte und Mitwisser nicht mehr in Studentenvertretung und Beratung tätig sein dürfen.

Leider handle es sich hierbei nicht um einzelne "schwarze Schafe", sondern offenbar um eine größere Gruppe von AG-Jus-Funktionären. Kritik übt Oberhammer auch an der Reaktion der AG Jus auf ihrer Homepage. Diese zeige noch jetzt mangelndes Einsichtsvermögen, indem sie "diese menschenverachtenden Exzesse" in einer Stellungnahme als "schwarzer Humor" bzw. "Dummheit" bezeichnet und beklagt, die Screenshots seien "aus dem Zusammenhang einer Diskussion gerissen" worden, um der AG Jus bei der bevorstehende ÖH-Wahl zu schaden.

"Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien verurteilt dieses Verhalten auf das Schärfste", heißt es auf der Homepage des Juridicums, wo, wie Oberhammer betont, einst viele Studenten und Professoren Opfer des NS-Terrors geworden seien. Die Vorfälle in der AG Jus würden eine Geisteshaltung zeigen, die den Studierenden und Mitarbeitern fremd sei.

JusAG: Keine Konsequenzen

Auf der Homepage der JusAG findet sich an die oben angesprochene Stellungnahme in nachgereihter Position. Über persönliche oder organisatorische Konsequenzen wird nicht gesagt.

Tiefer in der Site wird ein Termin angekündigt, der für die Poster der antisemitischen Beiträge interessant sein könnte: Am 18. Mai organisiert man eine Exkursion in Straflandesgericht.

 Die Verantwortlichen halten sich bedeckt

Information

Es schmerzt, dass solche Untaten am Juridicum möglich sind. Hier zeigt sich eine Geisteshaltung, die unseren Studierenden, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen fremd ist. Viele unserer Studierenden und Professoren sind Opfer des NS-Terrors geworden. Heute ist das Juridicum ein Ort großer Diversität, und wir freuen uns darüber. In Forschung und Lehre ist viel geleistet worden, um das NS-Unrecht verständlich und sichtbar zu machen.
Aus der Stellungnahme von Rektor Paul Oberhammer,

Die HochschülerInnenschaft (ÖH) der Uni Wien hat unterdessen in einer Aussendung kritisiert, dass entgegen einer Ankündigung der AG-Spitze die Beteiligten bisher nicht zurückgetreten seien. Weder bei der Wahlkommission noch bei der Universitätsvertretung seien Rücktrittserklärungen eingegangen.

Es müssten alle Beteiligten ausfindig gemacht werden, "keiner und keine von ihnen darf weiterhin eine Funktion innerhalb der ÖH bekleiden", so die Forderung.

Update: Spitzenkandidatin der AG reagiert

Am Mittwochabend kam schließlich doch Bewegung in die AG. die bundesweite Spitzenkandidatin Silvia Grohmann verurteilt die "Vorkommnisse" rund um geheime Chat-Gruppen der AktionsGemeinschaft am Juridicum scharf. Solche "furchtbaren Inhalte" würden "nicht toleriert". Bisher seien 17 Beteiligte aus der AG Jus und aus der Fakultätsvertretung ausgeschlossen und bei weiteren Verdächtigen die Mitgliedschaft ruhend gestellt worden.

Man wolle eine "lückenlose Aufklärung sicherstellen" - und auch, "dass wir konsequent sämtliche Beteiligten ausschließen können". Bei allen Personen, bei denen auch nur ansatzweise der Verdacht bestehe, sei die Mitgliedschaft in der AG Jus ruhend gestellt bis sie den Verdacht entkräftet haben, erläuterte Grohmannin einer Aussendung.

Von den Beteiligten seien zudem Verzichtserklärungen für ihr AG Mandat - das sie mit der bevorstehenden Wahl bekommen könnten - gefordert worden, auch weitere Mitglieder hätten eine solche abgegeben. Von der Liste könnten sie nicht mehr gestrichen werden, die Frist dafür ist abgelaufen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-10 16:50:15
Letzte nderung am 2017-05-10 22:14:30



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