• vom 22.06.2017, 14:32 Uhr

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Update: 23.06.2017, 19:48 Uhr

TU Wien

"Die Durchfallquote in Mechanik war immer hoch"




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Von Bettina Figl

  • Kurt Matyas, Vize-Rektor für Lehre, über notwendige Verbesserungen an der Technischen Universität.

Kurt Matyas, Vizerektor für Lehre an der TU Wien. 

Kurt Matyas, Vizerektor für Lehre an der TU Wien. © Raimund Appel Kurt Matyas, Vizerektor für Lehre an der TU Wien. © Raimund Appel

"Wiener Zeitung": Können Sie bestätigen, dass im Fach Mechanik 97 Prozent der Studierenden durchfallen?

Kurt Matyas: Nein. Diese Zahl bezieht sich auf einen Zwischentest einer Übung. Mir wurde gesagt, in diesem Fall sei etwas schief gelaufen. Es wird einen Ersatztest geben.

Information

Kurt Matyas (Jg. 1963) ist seit 2015 Vizerektor für Studium und Lehre an der TU Wien. Zuvor war er Studiendekan der Fakultät für Maschinenwesen und Betriebswissenschaften. Er hat Maschinenbau und Betriebswissenschaften an der TU Wien studiert.

Wie hoch sind die Durchfallquoten in der Mechanik insgesamt?

Keine 80 oder 90 Prozent, aber auch wenn ich sage 60 Prozent, sieht das nicht gut aus. Wir haben freien Uni-Zugang. Die Fachhochschulen haben Aufnahmetests, und viele die diese nicht schaffen, scheitern dann bei uns. Ich bin mein Amt mit dem Ziel angetreten, die Bedingungen für Studierende und Lehrende zu verbessern, aber Rahmenbedingungen wie die Personaldecke kann ich nicht ändern. Der Aufwand in der Lehre ist sehr groß: Die Zahl der Studierenden hat sich seit 2004 fast verdoppelt, das Personal hat sich verringert.

Studierende berichten von Verschlechterungen im Studium. Ist Mechanik eine Knock-Out Prüfung?

Ich kenne die Situation als ehemaliger Institutsdekan sehr gut, und bin selbst Maschinenbau-Absolvent. Schon zu meiner Zeit war die Durchfallquote hoch.

Welche Maßnahmen zur Verbesserung haben Sie gesetzt?

Neu eintretende Lehrende müssen zur Didaktik-Schulung, bevor sie unterrichten dürfen. Wir sind früher ins kalte Wasser gestoßen worden. Das Hochschuldidaktikprogramm ist aber leider noch nicht allen bekannt. Es gibt Mathematik-Auffrischungskurse, wir sehen hier erste Erfolge. Es gibt Evaluierungen und seit heuer den "Best Teaching Award", einer unserer Mechanik-Professoren wurde ausgezeichnet. Tutoren lernen in kleineren Gruppen mit den Studierenden.

Trotzdem brauchen viele Nachhilfe. Ein Studierender hat ein Nachhilfeinstitut gegründet, das gut geht.

Es ist verständlich, dass man sich vor der Prüfung zusätzlich vorbereitet. Aber vielleicht ist es ein systematisches Problem: Schaffen wir es nicht, den Stoff den Studierenden gut genug beizubringen? Wenn ich an meine Zeit zurückdenke: Außer in der Mechanik hatte ich in keinem Fach Schwierigkeiten. Ich kam von der AHS, mir hätte es gut getan, wenn mir jemand den Stoff zusätzlich erklärt.

Wie oft sind Sie zur Mechanik-Prüfung angetreten?

Viermal. Damals gab es nur vier Antritte, heute gibt es fünf.

Die Studierenden wünschen sich mehr Zeit als 45 Minuten und Prüfungsbögen im A3-Format. Das wäre doch einfach umzusetzen?

Ja, das denke ich auch. Mehr Zeit für die Prüfung ist durchaus machbar. Dass es A3-Blätter geben soll, habe ich schon im Vorjahr angeregt, da wurde mir gesagt, es werde geprüft, ob das machbar sei. Ich weiß nicht, was daraus geworden ist.

Studierende kritisieren, dass nur ein Vorzeichenfehler reicht, um bei der Prüfung durchzufallen. Man bekomme keine Punkte für den richtigen Gedankengang.

Wenn das tatsächlich so ist, dann ist das verbesserungswürdig. Vom Institut wurde mir versichert, dass Folgefehler berücksichtigt werden.

TU-Rektorin Seidler sagte in einem Interview, an der TU würden "nur die Härtesten durchkommen".

Ja, man muss dran bleiben. Später wird es von den Firmen honoriert, wenn man sich durchkämpfen musste. Maschinenbau-Absolventen steigen mit sehr hohen Gehältern ein.

Verstehen Sie den Frust der Studierenden, die bis zu fünf Jahre für eine Prüfung lernen?

Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Die Dinge haben sich bisher nur marginal geändert, da können wir noch mehr bewegen. Die Korrekturen dauern etwa viel zu lange, das geht gar nicht. Studierende haben den gesetzlichen Anspruch auf Prüfungsergebnisse innerhalb von vier Wochen. Ich sehe es nicht negativ, dass die Studierenden nun medial auf sich aufmerksam machen. Das ist ihre Form, ihren Protest auszudrücken.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-22 14:34:13
Letzte ńnderung am 2017-06-23 19:48:46



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