• vom 04.07.2017, 17:00 Uhr

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Update: 04.07.2017, 17:22 Uhr

Unibudget

Schrödingers Katze lebt




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Von Brigitte Pechar

  • Oliver Vitouch, Vorsitzender der Rektoren, sieht die Unis auf dem Weg zu Zugangsregelungen.



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;© Fotolia/EtiAmmos ;© Fotolia/EtiAmmos

Wien. Die SPÖ hat vergangenen Mittwoch im Nationalrat gemeinsam mit den Grünen und der FPÖ die Erhöhung des Universitätsbudgets für die Leistungsperiode 2019 bis 2021 um 1,35 Milliarden Euro auf 11 Milliarden Euro beschlossen - gegen den Willen des Noch-Koalitionspartners. Im ursprünglichen Plan des ÖVP-geführten Wissenschaftsministeriums war vorgesehen, dass von der Budgeterhöhung 510 Millionen Euro für den Einstieg in die Studienplatzfinanzierung aufzuwenden sind. Dieser zweite Teil ist jetzt nur eine Zielbestimmung. Die "Wiener Zeitung" sprach mit Oliver Vitouch, dem Präsidenten der Universitätenkonferenz, über die Zukunft der Universitäten.

"Wiener Zeitung":Freuen Sie sich darüber, dass die Budgeterhöhung doch noch beschlossen wurde?

Information

Oliver Vitouch (46)
Der Psychologe und Kognitionswissenschafter ist seit Oktober 2012 Rektor der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, seit Juni 2016 Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz.

Oliver Vitouch: Der 28. Juni ist tatsächlich ein Freudentag und geradezu ein historischer Tag für die 21 österreichischen Universitäten, weil wir damit Planungssicherheit gewonnen haben, weil die vorhandene Dynamik weiterhin genützt werden kann und weil eine Zukunftsvorsorge getroffen wurde.



Was verstehen Sie unter der "vorhandenen Dynamik"?

Momentan gibt es eine große Zahl an innovativen Projekten in den Entwicklungsplanungen, die aber nur dann umgesetzt werden können, wenn man die finanziellen Mittel dafür auch sichergestellt bekommt. Viele Länder in Europa und auch in Asien legen derzeit ein hohes Tempo vor, was Investitionen in den Universitätssektor anbelangt. Es geht jetzt für Österreich darum, hier nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Der 28. Juni war also ein Freudentag für die Unis.

Jetzt sind die Weichen gestellt dafür, dass man den in den letzten Jahren entstandenen Schwung mitnehmen und etwas daraus machen kann.

Das politische Streitthema kreist jetzt darum, was tatsächlich beschlossen worden ist und was das bedeutet.

Aus meiner Sicht ist die Sache im positiven Sinn aufgegleist, weil der erste große Schritt getan ist und weil das Bewusstsein dafür geschaffen ist, dass weitere konsequente Änderungen im Sinne einer sanften Systemumstellung erfolgen müssen. Man könnte auch pessimistisch sagen, das Geld ist jetzt da, aber die Systemumstellung ist in Wirklichkeit nicht gewollt. Andererseits: Wenn man das nicht wollte, hätte man das nicht mit Zielkatalog und Umsetzung bis 30. Jänner 2018 hineingeschrieben. Jetzt steht eben "Lenkungsmaßnahmen" und nicht explizit Zugangsregelungen im Gesetz. Und ich habe auch von Bundeskanzler Kern noch am 28. Juni das Signal bekommen, dass das Vorhaben so, wie es im Regierungsprogramm steht, aus seiner Sicht umgesetzt werden soll.

Es gibt den einen oder anderen politischen Streit, wie das Finanzierungsmodell jetzt genau aussieht, wie die Zugangsregelungen beschaffen sein sollen, wie eine bessere soziale Durchmischung gelingt und auch wie die Verteilung zwischen den verschiedenen Universitätsstädten ist. Aber ich bin zuversichtlich, dass man das will und auch tun wird.

Das heißt, es wurde nicht nur das Budget erhöht, sondern es wurde ein Systemwechsel eingeleitet.

Ganz genau so. Aus meiner Sicht kann man sagen, Sisyphos ist arbeitslos und Schrödingers Katze lebt. So richtig quicklebendig wird sie werden, wenn die Mittel ab 2019 zu wirken beginnen.

Bundeskanzler Kern hat erklärt, die SPÖ habe das von der ÖVP vorgelegte Konzept nicht annehmen können, weil es unausgereift gewesen sei. Außerdem gebe es noch immer keinen Hochschulplan, den das Wissenschaftsministerium schon längst hätte vorlegen sollen.

Den österreichischen Universitätsentwicklungsplan gab es bisher nur als Konzeptpapier. Im Ministerialentwurf, den die ÖVP vorgelegt hatte (der aber nicht beschlossen wurde, Anm.), ist von einem Universitätsentwicklungsplan die Rede, der mit den autonomen Entwicklungsplänen der Universitäten zu einem abgestimmten Hochschulplan führen soll.

Aber einen wirklichen Rahmen, wo alle Beteiligten an einem Strang ziehen und klar ist, wohin die Reise gehen soll, gibt es nicht. Es geht offenbar darum - so würde ich die Kanzlerworte interpretieren -, dass er sich eine abgestimmtere Planung vorstellt, wie es im tertiären Sektor weitergehen soll. Was können die Fachhochschulen? Was können die Universitäten? Wie können wir einen Spitzensektor und gleichzeitig die Massenakademisierung in einer ebenso effizienten wie vernünftigen Art und Weise sicherstellen?

Das sind Fragen, die sich in einem vertrauensvollen koalitionären Klima sicher besser behandeln lassen als nach dem Ausrufen von Neuwahlen. Das Zutrauen war nach dem 10. Mai sicher nicht mehr so ausgeprägt, und zusammen mit dem hohen Zeitdruck hat das dann dazu geführt, dass die Vollform der Studienplatzfinanzierung nicht beschlossen werden konnte, sondern diese Zwei-Schritt-Variante daraus geworden ist.

Sind damit auch Studiengebühren vom Tisch? Diese hätten keinen Einfluss auf die Unistruktur, sondern brächten einfach mehr Geld.

Studiengebühren können grundsätzlich immer zum Thema werden. In der Debatte zum Uni-Budget und zur Studienplatzfinanzierung haben sie aber keine Rolle gespielt. Es gilt auch bei den Slogans zum freien und offenen Hochschulzugang zu unterscheiden. Denn "frei" stellt ja auf die Gebühren ab. Studiengebühren sind aber nicht mehrheitsfähig, und sie hängen mit einer Studienplatzfinanzierung auch nicht zusammen.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-04 16:21:09
Letzte Änderung am 2017-07-04 17:22:33



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