
Wien. Mehr Studenten und mehr Studienabschlüsse nimmt - das prognostiziert die Statistik Austria. Demnach soll die Zahl der Abschlüsse bis 2017/18 von aktuell 45.000 auf 52.000 ansteigen und bis 2029/30 bei rund 53.000 pro Jahr stagnieren.
Die Zunahme führen die Statistiker auf den starken Anstieg der erfolgreich abgeschlossenen Bachelor- und Masterstudien zurück. Während bereits jeder zweite männliche Bachelor-Absolvent auch einen Master-Abschluss erlangt, folgt jedoch bei den Studentinnen nur auf jeden dritten Bachelor-Abschluss ein weiterführender Master-Titel.
Studentinnen werden laut der Prognose mindestens 35 Prozent mehr Erstabschlüsse als ihre männlichen Kollegen erlangen - doch dies ist vor allem auf ihre Überpräsenz bei Erstabschlüssen, also Titeln nach Bachelor- oder Diplomstudien, zurückzuführen. Während Männer nach zuletzt 13.800 (2009/10) bis 2029/30 etwa 15.300 Erstabschlüsse jährlich erreichen werden, übertreffen Frauen diese Werte stets um 5.100 bis 5.600 Abschlüsse.
Bei den Folgestudien wird sich der Vorsprung männlicher Studenten ausweiten
Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich bei den Folgestudien: Bis 2019/20 wird sich der Vorsprung männlicher Studierender allein im Master-Bereich von aktuell rund 300 Mehr-Abschlüssen gegenüber Frauen auf etwa 570 ausweiten. Laut Statistikern lässt sich das geringfügig durch das Bachelor-Studium an Pädagogischen Hochschulen (PH) erklären, "das überwiegend von Frauen absolviert wird und dem üblicherweise kein Folgestudium angeschlossen wird". Das könnte sich in Zukunft ändern, forciert Unterrichtsministerin Claudia Schmied doch die Master-Ausbildung für Lehramtsstudien. Bei Doktoratsstudien wird sich der Männerüberhang von derzeit mehr als 300 (2008/09) auf etwa 200 Doktorate einpendeln.
Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) kritisiert jedenfalls die das Abnehmen des Frauenanteils pro Karrierestufe, das "seine Wurzeln also schon in der Phase der Bildung" hat. Zugangsbeschränkungen bei Übertritten von Bachelor zu Master oder Master zu Doktorat würden insbesondere Frauen benachteiligen, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle solle seinen Hochschulplan daher auf "gleichstellungspolitische Fragen prüfen", so die ÖH am Donnerstag.
Früchte getragen haben scheinbar auch noch nicht die Initiativen der jüngeren Vergangenheit von Politik und Wirtschaft, verstärkt junge Mädchen und Frauen für naturwissenschaftliche und technische Fächer zu begeistern. Wie die Hochschulprognose weiter zeigt, nehmen die Erstabschlüsse in MINT-Studien (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) bis 2029/30 zwar "nennenswert" zu.
Kaum Frauen studieren Naturwissenschaften, nur Frauenanteil über 40 Prozent
Der Bereich bleibt aber eine Männerdomäne: Mit Ausnahme der Biowissenschaften liegt der Frauenanteil in keinem der Fächer über 40 Prozent, in Informatik sowie Ingenieurwesen und Ausbildungen für technische Berufe bleibt der Anteil sogar unter 20 Prozent. Besonders beliebt unter Studentinnen sind stattdessen die Bildungsfelder Lehrerausbildung und Erziehungswissenschaft, Geisteswissenschaften, Biowissenschaften sowie Gesundheits- und Sozialwesen. Hier liegt der Anteil jeweils über 70 Prozent.
Der Ausspruch "das geht sich nicht aus" ist universell einsetzbar und trifft auch auf die Koalitionsverhandlungen nach der ÖH-Wahl zu...weiter