• vom 13.04.2012, 16:31 Uhr

Uni aktuell

  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gekündigter Salzburger Biologe: "Es war kein Plagiat"



Salzburg. Robert Schwarzenbacher, jener Molekularbiologe, der am 22. März von der Universität Salzburg wegen angeblicher Fälschung von Forschungsergebnissen gekündigt worden ist und dagegen gerichtlich vorgeht, hat am Freitag im Gespräch mit der APA die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stark relativiert. Dass man bei Entdecken eines derartigen Fehlers gleich an die Öffentlichkeit gehe, sei "vollkommen unüblich" und ziele in Richtung wissenschaftlicher Zerstörung: "Das macht man unter Kollegen anders. Es war kein Plagiat und keine Fälschung, sondern ein punktueller Fehler, für den ich mich entschuldigt habe."

Inhaltlich kann der gebürtige Pinzgauer unter Hinweis auf das laufende Verfahren beim Arbeits- und Sozialgericht kaum Stellung nehmen. "Bei der mir von der Universität Salzburg vorgeworfenen Manipulation handelt es sich um eine fehlerhafte molekulare Struktur, die als Teil einer Publikation erschienen ist", erklärte er. Die inhaltlichen Schlussfolgerungen der Publikation würden aber unverändert bleiben. Die betroffene Struktur sei in der öffentlichen Protein-Datenbank hinterlegt und zugänglich gewesen, "das heißt, der Fehler wurde nicht vertuscht, da er der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Diskussion gestellt wurde. Als der Fehler bekannt wurde, habe ich die Verantwortung übernommen, die Struktur unverzüglich zurückgezogen und mich für den Vorfall entschuldigt", so Schwarzenbacher.

In wissenschaftlichen Kreisen sei es üblich, dass man einen Kollegen bei Entdecken eines Fehlers darauf aufmerksam mache. Werde dieser dann korrigiert, sei die Sache erledigt. Der Wissenschafter:"Man hat mir nie die Möglichkeit gegeben, darauf zu reagieren, sondern hat es sofort an die große Glocke gehängt."

Die Kündigung von der Universität Salzburg steht für den Forscher in keiner Relation zu seinen Leistungen für die Hochschule: Er habe in den vergangenen sechs Jahren 2,5 Millionen Euro an Forschungsgeldern an die Uni Salzburg gebracht, darunter ein Marie Curie Excellence Grant über 1,7 Mio. Euro. Die nun kritisierte Arbeit sei nur eine seiner 92 wissenschaftlichen Publikationen - acht davon seien internationale Top-Publikationen.

Ärger über Aussagen Schmidingers
Aussagen des Rektors Heinrich Schmidinger im ORF - er ist auch Vorsitzender der Rektorenkonferenz in Österreich -, wonach eine universitäre Zukunft für Schwarzenbacher nun nahezu unmöglich sei, bezeichnete der Biologe als "Riesenschaden in ganz Österreich und Europa". Vor allem ärgert ihn auch, dass die Vorwürfe vor Abschluss des laufenden Verfahrens bereits an die Öffentlichkeit gedrungen sind.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte laut Medienberichten der österreichische Kristallograph Bernhard Rupp, der in den USA lehrt. Er schickte seine Einwände an die Zeitschrift "Acta Crystallographica Section F". Außerdem wurde auch die Universität Salzburg über den Fehler informiert, woraufhin der Rektor die Kündigung aussprach.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-13 16:33:12


Werbung




Beliebte Inhalte



An der Existenz des Bauriesen hängen Tausende Jobs. Die Alpine selbst beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter (zu gleichen Teilen im In- und Ausland). - APAweb/BARBARA GINDL
  • Geschäftsführung strebt Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung an
  • weiter

Neun Menschen erzielen die besten Resultate bei geringstem Aufwand. - corbis
  • Forscher untersuchten das Verhalten von Naturschützern in China.
  • weiter

 - APA (Neumayr/MMV) Ein Unwetter hat am Dienstagabend eine Mure verursacht, die den historischen Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt...weiter

Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheitsökonom und Publizist.
  • Alle wissen es: Die Ausbildung für Jungärzte - Turnus genannt - ist schlecht. Turnusärzte sind Systemerhalter, mehr nicht...
  • weiter

Bernd Wiegand konnte es nur falsch machen. Er hatte keine andere Chance. Bernd Wiegand - das ist der Oberbürgermeister von Halle an der Saale...weiter

Kindergarten ab eins und Ganztagsschule: für Brandsteidl die beste Lösung. - Radule Bozinovic/KOSMO
  • Stadtschulratspräsidentin hält Trennung von deutsch- und nichtdeutschsprachigen Kindern für wenig sinnvoll.
  • weiter

Veganes Urgestein Chen Huang versorgt Wiens Veganer mit dem Nötigsten. - Mazak
  • Wien ist Stadt mit höchster Dichte an veganen und vegetarischen Restaurants.
  • weiter

Die US-Geheimdienste lesen mit. - © Andrea Danti - Fotolia.com
  • Unter Barack Obama wurde das Programm noch ausgeweitet.
  • weiter





Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk.

Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt. 18.6.2013: Heute herrscht in Österreich wieder Badewetter: Über 35 Grad Celsius werden erwartet.

Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück. Ein frömmelnder Heuchler schleicht sich in das Vertrauen eines alten Patriarchen und versucht, sich alles anzueignen, was diesem teuer ist: Frau, Haus und Tochter. Abgespielt hatte sich das Ganze in der Wohnküche eines Landhauses, auf den Brettern des Akademietheaters. Im Bild: Gert Voss (r.) als "Orgon", Edith Clever (m.) als "Dorine" und Adina Vetter als "Marianne".

Werbung