Wien. Die ÖH Uni Wien hat einen neuen, privaten Betreiber für den Kindergarten am Standort Altes AKH gefunden. Der Verein "wachsen_werden_sein" befinde sich in Gründung und habe mit seinem "studiengerechten Konzept" überzeugt, hieß es mitte Mai in einer Aussendung. Eine demokratische Mitgestaltung durch die Eltern werde weiterhin möglich sein, gleichzeitig sei aber das Ableisten von Diensten im Verein nicht mehr Voraussetzung für die Aufnahme. Der Neustart erfolgt per Oktober.
Streit um Studentenkindergarten am Wiener Uni-Campus
Zuvor war ein seit mehreren Jahren köchelnder Konflikt zwischen der ÖH der Universität Wien und dem Verein StudentInnenkinder rund um die Platzvergabe im elternverwalteten Studentenkindergarten im Alten AKH eskaliert. In Medienberichten äußeret der Verein die Befürchtung einer Schließung der Einrichtung am Uni-Campus durch die ÖH bis Herbst. Die sieht ihre Anliegen jedoch falsch dargelegt - und Studenten bei der Vergabe der Hortplätze benachteiligt. "Unser Ziel ist es, dass auch im Herbst eine Kinderbetreuungseinrichtung für sozial benachteiligte Studierende besteht", heißt es vonseiten der ÖH gegenüber der APA - wenn nötig jedoch mit einem anderen Trägerverein.
Das älteste selbstverwaltete Kindertagesheim Österreichs
Hintergrund: 1972 als Betreuungseinrichtung für Kinder von Studierenden gegründet, umfasst das älteste von Eltern selbstverwaltete Kindertagesheim Österreichs heute zwei Kindergarten-und eine Hortgruppe. 67 Kinder werden hier betreut, 24 davon sind Volksschulkinder im Hort. Die Vergabe der Kindergartenplätze erfolgt direkt über die ÖH Uni Wien, die dem Verein jährlich 30.000 Euro zuschießt, während die Uni die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und die Stadt Wien den Betrieb ermöglicht.
Während die Kindergartenplätze ausschließlich an Kinder von Studierenden geht, stößt sich die ÖH an den im Frühjahr 2011 vom Verein formulierten Kriterien zur Hortplatzvergabe. Diese wiegen laut ÖH Elternengagement und den Faktor, ob bereits ein Geschwisterkind in der Einrichtung ist, schwerer als das Kriterium der studierenden Eltern. Vor allem alleinerziehende Studenten würden dabei nicht berücksichtigt. "Die ÖH Uni Wien ist den Studierenden verpflichtet", betont die HochschülerInnenschaft in einer Stellungnahme, "Verein und Studieninteressen" hätten sich nach beinahe 40 Jahren nun "auseinanderentwickelt".
"Konkret sind im Wintersemester zum wiederholten Male Eltern zu uns gekommen, weil von fünf freigewordenen Hortplätzen vier an Nicht-Studierende vergeben wurden", so Kübra Atasoy (Verband Sozialistischer Student_innen, VSStÖ) vom ÖH-Uni-Wien-Vorsitzteam zur APA. Der Verein soll daraufhin seinen Mitgliedern nahegelegt haben, sich nachträglich zu inskribieren. Nach gescheiterten Gesprächen zur "problematischen Vergabepraxis" wandte sich die ÖH Uni Wien in einem Schreiben an die betroffenen Eltern und legte ihnen nahe, sich gegebenenfalls nach anderen Hortplätzen umzusehen.
Der Verein reagierte mit einem "SOS-Auruf", wonach die Betreuungsplätze und elf Arbeitsplätze in Gefahr stehen, und äußerte öffentlich Kritik an dem "Ultimatum". Mit dem Gang an die Presse sieht nun wiederum die ÖH das bereits angeschlagene Vertrauensverhältnis weiter belastet. Demnächst sei ein Meditationsgespräch angesetzt, bis März wünscht sich Atasoy eine Lösung. "Wenn es keine Einigung geben sollte", sagt sie, "ist es möglich, an dem selben Standort einen Kindergarten unter unseren Kriterien mit einem anderen Verein fortzuführen." Denn "keine Kinderbetreuung dort zu haben, können wir nicht verantworten".
Die Uni Wien gibt gegenüber der APA an, derzeit "keine aktive Rolle" in der Diskussion zu spielen. Man habe Interesse an der baldigen Klärung der Situation und stehe weiterhin für eine "sinnvolle Raumnutzung" und zur "Uridee, Plätze für Studierende anzubieten". Ewig zu diskutieren mache keinen Sinn, "dann muss man überlegen, ob es eine dritte oder vierte Lösung gibt", so eine Uni-Sprecherin. Die oppositionelle AktionsGemeinschaft (AG) der Uni Wien wirft dem Vorsitzteam aus VSStÖ, Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) und Kommunistischem StudentInnenverband - Linke Liste (KSV-LiLi) indes in einer Aussendung "politische Opportunität" bei der Platzvergabe vor. Ultimaten seien der "verfehlte Weg" zu einer konstruktiven Lösung.
Der Ausspruch "das geht sich nicht aus" ist universell einsetzbar und trifft auch auf die Koalitionsverhandlungen nach der ÖH-Wahl zu...weiter