Wien. Was macht ein Bundespräsident den ganzen Tag? "Rumsitzen, Papiere ausfüllen und regieren", fällt Sarah und Elias dazu ein. Ganz genau erfahren es die beiden Elfjährigen sowie rund 300 weitere Kinder bei der Kinderuni Wien 2012. Unter tosendem "Uni-Applaus" eröffnete Bundespräsident Heinz Fischer die zehnte Ausgabe der Veranstaltung mit einer Vorlesung zum Thema "Tagesablauf des Bundespräsidenten" am Montag im Hörsaal C2 im Alten AKH.
Die Punkte "Regierung angeloben", "Gesetzgebungsprozess überwachen" und "auf die Einhaltung der Verfassung schauen" sind jedoch schnell abgehakt. Vielmehr interessiert die Kinder warum der Bundespräsident keine Krone trägt ("Wie soll man ihn denn dann erkennen?"), wie viel er verdient (Fischer: Steht im Gesetz) - und was für ein Handy er hat. Die Frage bringt Fischer ein wenig ins Straucheln, zusammen mit den Kindern kann er sich immerhin auf "Blackberry" festlegen.
Dann erfahren die Kinder noch, dass Fischer in ihrem Alter lieber Lokomotivführer als Bundespräsident werden wollte, dass sein Lieblingsfach Turnen war und er in einer Limousine fährt. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, bereitwillig geht der Bundespräsident auch auf Zwischenrufer ein, wenn das Fragesystem per Zettel mal nicht so gut funktioniert. Dann stellt er Gegenfragen, per farbigem Zettel wird über Musik, Sport und Politik abgestimmt - ganz wie im Parlament. In der dritten Reihe weiß sogar jemand, wie der österreichische Außenminister heißt. Erst beim chinesischen Präsidenten kapitulieren die Kinder.
Japanische Touristengruppen
Dann kommen auch die Schwierigkeiten des Präsidentenalltags zur Sprache. Nerven die vielen Fotografen nicht? "Es geht", sagt Fischer. Viel schlimmer seien die japanischen Touristengruppen, die immer gleich zu fünfzigst über ihn herfielen. Gelächter bei den Kindern. Auch mit den Geschichten über seine eigenen Kinder und Enkeln kann Fischer punkten. Wie sei er eigentlich Bundespräsident geworden? "Ich hab mich beworben", erklärt Fischer, "und dann wurde ich gewählt." So einfach kann Politik sein. Eine Stunde, viele Autogramme und Fotos - "hierher, Herr Bundespräsident, hierher!" - später ist Fischer sichtlich zufrieden mit dem regen Interesse.
Aber war die Vorlesung auch überzeugend? "Lieber würde ich was mit Kindern machen", sagt Anna. Lukas weiß ohnehin schon, dass er Wissenschafter werden will. Nur eine der Sieben- bis Zwölfjährigen überlegt: "So ein schönes Haus, die tollen Lampen und Teppiche." Zumindest die Hofburg als Büro hat also Eindruck hinterlassen. "Lustig war er", urteilt Abdullah, "Bundespräsident, warum nicht?"
Etwa 4.500 Kinder besuchen 2012 die zehnte Auflage der Kinderuni Wien. 500 Vorlesungen stehen zur Auswahl. Jedes Kind kann dabei acht Vorlesungen oder Seminare und zwei Workshops besuchen. Die Kinderuni Wien läuft noch bis 21. Juli, wobei vor Ort die Möglichkeit besteht, sich noch für Restplätze anzumelden.
Der Ausspruch "das geht sich nicht aus" ist universell einsetzbar und trifft auch auf die Koalitionsverhandlungen nach der ÖH-Wahl zu...weiter