Wien. (fib) Die Koalitionsparteien scheinen sich kurz vor Schulbeginn bei den bildungspolitischen Fronten freier Hochschulzugang (bisher SPÖ-Mantra) und Gesamtschule (bisher ÖVP-No-Go) aufeinander zu zubewegen.
Bei den Universitäten erwärmt sich nach SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl auch der steirische Landeshauptmann Franz Voves für Zugangsregelungen: "Da bröckelt einiges", sagte er in einer Pressekonferenz am Freitag. Das Aus des freien Hochschulzugangs ist für ihn aber nur bei gleichbleibenden Studienplätzen denkbar. Diese will auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle erhalten, der sich gegenüber der "Wiener Zeitung" über die neuen Töne des Koalitionspartners erfreut zeigt. Auch SPÖ-Geschäftsführerin Laura Rudas lenkte im Ö1-Interview am Freitag ein: "Wir haben immer gesagt, dass wir gesprächsbereit sind was die Studienplatzfinanzierung betrifft, wenn es mehr Kapazitäten gibt". Töchterle will die schrittweise Einführung der Studienplatzfinanzierung ab 2014. Insbesondere stark nachgefragte Studienrichtungen würden diese brauchen, um Qualität in Lehre und Forschung zu heben.
Immer mehr ÖVP-Politiker sind für die Gesamtschule
Im Gegenzug bewegt sich die ÖVP beim Thema Gesamtschule: Die Mehrheit jener, die sich noch nicht zu Wort melden "können, dürfen oder trauen", sei für die gemeinsame Schule der Sechs- bis 14-Jährigen, so Andreas Schnider am Freitag. Der ehemalige steirische ÖVP-Bundesrat und Leiter der Kommission zur neuen Lehrerausbildung sagte: Immer mehr Spitzenleute in der ÖVP würden sich eine solche Schule wünschen.
Vor wenigen Tagen hatte sich bereits der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter für die gemeinsame Schule ausgesprochen, am Freitag sagte auch Hermann Schützenhöfer, er könne sich eine gemeinsame Schule vorstellen. Bedingung: Sachfragen sollten geklärt werden und die Regierung ihre "Bestemmhaltungen" aufgeben. Schnider sagte, er hoffe, dass seine Partei endlich in Richtung Umsetzung der Gesamtschule gehen wird. Er habe aber "keine falschen Visionen, dass das von heute auf morgen geht".
Mit der Neuen Mittelschule, die bis 2018/19 die Hauptschule ersetzen soll, gebe es aber immerhin schon ein System, auf dem man dabei aufsetzen könne. Wichtig sei, dass die ÖVP das Thema nicht nur sporadisch vor Schulbeginn anspreche, sondern nun mit der Umsetzung begonnen werde.