• vom 24.05.2012, 18:50 Uhr

Konjunktur

Update: 24.05.2012, 19:26 Uhr
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Unsicherheit lässt Wirtschaftsindikatoren einbrechen

Deutschlands Konjunktur lahmt



  • Berlin legt sehr starke Wachstumszahlen für erstes Quartal vor.
  • Erste Signale auf Abschwächung des Tempos.

Die Schuldenkrise schlägt jetzt auch der deutschen Wirtschaft gehörig auf die Stimmung. - © dpa/Oliver Berg

Die Schuldenkrise schlägt jetzt auch der deutschen Wirtschaft gehörig auf die Stimmung. © dpa/Oliver Berg

Brüssel/Wien. Jetzt drohen sich die letzten Anker der europäischen Wirtschaft zu lichten: Deutschland hat bisher die Konjunktur der rezessionsgefährdeten Eurozone fast im Alleingang getragen: Im ersten Quartal ist die Wirtschaft gegenüber dem Schlussquartal 2011 um 0,5 Prozent gewachsen - und das, obwohl Investitionen in Maschinen und Gebäude bereits zurückgingen. Boomende Exporte in die Schwellenländer und kauffreudige Verbraucher ließen das Bruttoinlandsprodukt kräftig steigen.

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Doch das könnte sich demnächst ändern: Viel beachtete wirtschaftliche Frühindikatoren sind viel massiver eingebrochen, als die Experten erwartet hätten. Der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts, für den an die 7000 Manager befragt werden, zeigte den stärksten Stimmungseinbruch seit Sommer 2011. Damals waren Spanien und Italien ins Visier der Märkte geraten. Für den Stimmungsschwenk macht Ifo-Experte Klaus Wohlrabe die Politwirren in Griechenland und die deutsch-französischen Querelen rund um die Lösung der Eurokrise verantwortlich.

"Der Rückgang war stärker als erwartet", kommentiert Katrin Löhken vom Investmenthaus Sal. Oppenheim. Sie hat aber Hoffnung, "dass wir ab dem zweiten Halbjahr in Deutschland eine Aufwärtsbewegung bekommen. Ganz abkoppeln kann sich die deutsche Wirtschaft nicht von den schwächelnden Euro-Partnern". Dass der Abschwung der Peripheriestaaten auf die Kernländer Deutschland und Frankreich überzugreifen droht, zeigen auch aktuelle Daten des Markit-Institutes: Demnach habe die Wirtschaft in der Eurozone im Mai einen weiteren Rückschlag erlebt. Sowohl die Industrie als auch die Dienstleister verbuchten schwächere Geschäfte. Alle Indizes lagen unterhalb der Wachstumsschwelle - und obendrein unter den Prognosen.

Dutzende Wachstumsideen
Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), hat 50 langfristige Reformvorschläge erarbeitet, wie die EU Wachstum erzeugen könnte, ohne übergroße Kosten für das Budget zu verursachen - etwa mit dem Austausch von südosteuropäischen Fachkräften gegen österreichisches Unternehmer-Know-how. Im Gegenzug für 1000 Facharbeiter sollten sich österreichische Firmen an griechischen Unternehmensgründungen beteiligen.

Als kurzfristige Wachstumshilfen fordert Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl die Wiedereinführung einer Investitionszuwachsprämie, eine Verdreifachung der jährlichen Ausgaben für die thermische Sanierung und die Förderung von Unternehmensgründungen über einen Investitionsfreibetrag. "Ohne Wachstum keine Budgetsanierung", so Leitl.

Entgegen der ÖVP-Position tritt Leitl für eine vergemeinschaftete Staatsfinanzierung über Eurobonds ein. Damit könnte Europa die "Spekulation in die Schranken weisen" und über einen "Liquiditätsbonus" jedes Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag an Zinszahlungen sparen, sagt Leitl. "Dass Österreich dabei draufzahlen würde, möchte ich nicht so stehen lassen." Die - momentan historisch niedrigen Zinsen - könnten mit Eurobonds noch niedriger sein, wenn Österreich reformiere und sich fiskalisch am Riemen reiße.

Leitl befürwortet zwar gemeinsame Anleihen, will dabei aber "strenge Auflagen". Die solidesten Länder sollten für ihre Schulden die geringsten Zinsen zahlen (ein Prozent), jene, die die Kriterien nicht erfüllten, sollen zwar mehr Zinsen zahlen (drei Prozent), würden aber immer noch von den gemeinsamen Anleihen profitieren.

Eurobonds kämen langfristig billiger, nur in der Übergangsphase wären sie teurer, ist Wifo-Chef Karl Aiginger überzeugt.

Parteienstreit um Eurobonds
Nach dem EU-Sondergipfel in Brüssel ist die österreichische Politdiskussion über Eurobonds neu aufgekocht. Nachdem sich Kanzler Werner Faymann für eine Debatte über Anleihen aller Eurostaaten ausgesprochen und diese als "mittel- bis langfristiges Thema" bezeichnet hatte, reagierten alle anderen Parteien mit Ausnahme der Grünen ablehnend.

"Für eine Vergemeinschaftung von Schulden stehe ich nicht zur Verfügung", sagt Vizekanzler Michael Spindelegger: "Es kann jetzt nicht sein, dass andere Länder, die die Konsolidierung noch vor sich haben, sich an jenen abputzen, die diese schon gemacht haben." Auch FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache und BZÖ-Chef Josef Bucher bekräftigten ihre strikte Ablehnung der gemeinsamen Kreditaufnahme.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-24 18:56:23
Letzte Änderung am 2012-05-24 19:26:58


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