• vom 02.06.2011, 16:47 Uhr

Konjunktur

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Nach der Jahrhundert-Katastrophe in Fukushima steuert die gesamte Branche in eine ungewisse Zukunft

Atomfirmen vor Finanz-Super-GAU



Die Havarie im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi stellt die weltweite Atomwirtschaft massiv in Frage. Foto: epa

Die Havarie im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi stellt die weltweite Atomwirtschaft massiv in Frage. Foto: epa Die Havarie im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi stellt die weltweite Atomwirtschaft massiv in Frage. Foto: epa

Russland und Chinabauten um die Wette

Die Aussichten haben sich jedoch seit 11. März abrupt eingetrübt, was zum Beispiel die deutschen Energie-Giganten E.On und RWE spüren: Auf Grund des von den Aufsichtsbehörden verhängten AKW-Moratoriums mussten in Deutschland sieben ältere der 17 Meiler vom Netz genommen werden. Kanzlerin Angela Merkel plädiert vehement für einen Ausstieg aus der Atomenergie mit Zieldatum 2022. Die Schweizer zeigen sich seit kurzem ebenfalls entschlossen, schrittweise auf die Kernenergie zu pfeifen. Das bedeutet für die deutschen AKW-Betreiber, dass sie sich anderweitig umsehen müssen.

E.On, in Deutschland und Schweden mit neun AKW präsent, wozu noch zwölf Minderheitsbeteiligungen kommen, will in Finnland ein riesiges Kernkraftwerk bauen, an dem das Unternehmen zu 34 Prozent beteiligt wäre. Zudem erhofft man sich viel vom Atomprogramm in Großbritannien: Horizon Nuclear Power Ltd, ein 50:50-Joint-venture mit RWE, will an den Standorten Wylfa und Oldbury tätig werden. Der erste Block könnte 2020 in Betrieb gehen.

Alle hoffen, dass die Regierungen nicht kneifen und (wie Tschechien oder die Slowakei) unbeirrbar auf Atom-Linie bleiben oder (wie Polen oder die Türkei) auf diese einschwenken. Trotzdem ist der Weltmarkt, auch für AKW-Errichter wie Westinghouse, Mitsubishi, Framatome & Co., enger und schwieriger geworden. Beispiel: Erst im Jänner haben sich RWE, GDF Suez und die spanische Iberdrola vom Ausbau des rumänischen AKW Cernavoda wegen finanzieller Unsicherheiten infolge der Krise zurückgezogen. Die RWE-Bosse versuchen es lieber in den Niederlanden, wo sie mit dem dortigen Versorger Delta das Atom-Kraftwerk Borssele betreiben und auf Folgeaufträge hoffen. Die französische GDF Suez hingegen, als Kernkraft-Newcomer nur in Belgien engagiert, spitzt auf Märkte wie Brasilien, Chile, Polen, Türkei und Saudi-Arabien.

Die besten Aussichten sind jedenfalls nicht im Westen zu orten - in den USA etwa ist nur ein AKW in Bau und kein einziges in Planung. Eine strahlende Zukunft verspricht der Osten, speziell Asien. Die Russen bauen trotz Fukushima-Schock wie wild drauflos und wollen den Anteil von Atomstrom im Energiemix binnen zehn Jahren von knapp 20 auf 30 Prozent hochschrauben. Neue Player entstehen in Indien und Südkorea, wo etliche Atom-Meiler aus dem Boden gestampft werden und noch mehr geplant sind.

Am meisten geben jedoch die Chinesen Gas, weil ihnen Atommüll offenbar ebenso gleichgültig ist wie eine etwaige Kernschmelze: Die führenden staatlichen AKW-Betreiber, die State Grid Corportation of China und die China Southern Power Grid Company, ziehen im Eiltempo 26 Reaktoren hoch. Die Volksrepublik, die bisher mit 14 Meilern das Auslangen fand, plant bereits weitere 28 Projekte, womit sie auf gutem Weg zur führenden Atom-Nation der Welt ist.

Grafik: Länder mit Atomkraftwerken

+++ Dossier: AKW-Katastrophe Fukushima



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-06-02 16:47:06
Letzte Änderung am 2011-06-02 16:47:00


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