Berlin

Nach Ansicht von Sarkozy muss die Euro-Zone schnell stabilisiert werden: "Die Lage ist sehr angespannt." Merkel will sich von Ratingagenturen, die Deutschland, Frankreich und anderen Euro-Ländern Herabstufungen ihrer Kreditwürdigkeit angedroht haben, nicht unter Druck setzen lassen: "Furcht ist nicht das Motiv meiner politischen Tätigkeit", sagte die CDU-Chefin am Montag.
Frankreich plant laut Sarkozy, die Mehrwertsteuer von derzeit 19,6 Prozent (Österreich: 20 Prozent) zu erhöhen. Diese Pläne existieren in Frankreich zwar schon seit Jahren, doch kurz vor dem ersten Durchgang der Präsidentenwahl will Sarkozy nun aktiv werden. Unter dem Schlagwort "soziale Mehrwertsteuer (TVA sociale)" könnte der (krisenfeste) Konsum stärker mit Steuern belastet werden, um gleichzeitig den Faktor Arbeit von den in Frankreich hohen Sozialabgaben zu entlasten. Unternehmen sollen dadurch an der Abwanderung gehindert werden. "Wir müssen aufhören, industriell blutleer zu werden", sagte Sarkozy daher auch bei der Pressekonferenz. Das Argument gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer: Als indirekte Steuer würde sie auch die sozial Schwachen treffen.
Turbo für den dauerhaften Euro-Rettungsschirm
Die Verhandlungen über den von Deutschland und Frankreich angestoßenen "Fiskalpakt" kommen laut Merkel gut voran. Die angestrebten Schuldenbremsen könnten bereits am 30. Jänner auf dem Gipfel in Brüssel, spätestens aber im März vereinbart werden. Der Fiskalpakt soll die Euro-Länder sowie weitere EU-Staaten zu mehr Haushaltsdisziplin verpflichten. Großbritannien zieht als bisher einziges EU-Land nicht mit.
Neben dem akuten Euro-Krisenmanagement wollen Deutschland und Frankreich der EU-Kommission bald Vorschläge für mehr Wachstum und Beschäftigung in Europa vorlegen. Sarkozy sagte, die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa müssten kleiner werden. Merkel und der französische Präsident unterstrichen nach ihrem gut zweistündigen Treffen im Kanzleramt, wie stark die deutsch-französische Achse sei. "Es gibt keine Zukunft für Europa, wenn Deutschland und Frankreich sich nicht einig sind", sagte Sarkozy.
Zur Finanzierung des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM deuten sich rasche Beschlüsse an. "Hier sind Deutschland und Frankreich bereit - natürlich in Absprache mit den anderen Ländern -, zu überprüfen, inwieweit wir die Kapitaleinzahlungen in bestimmter Weise beschleunigen können", so Merkel. Der ESM soll um ein Jahr vorgezogen werden. Deutschland muss knapp 22 Milliarden des benötigten Grundkapitals von 80 Milliarden Euro schultern. Bisher ist geplant, den deutschen Anteil in fünf Raten zu zahlen. Merkel und Sarkozy erhöhten auch den Druck auf Griechenland. Die Verhandlungen mit den Gläubigern müssen vorangetrieben werden. Merkel unterstrich aber, dass Griechenland ein Euro-Mitglied bleiben solle.