
Athen/Wien. (hes/reu/apa) Heureka! Fast in letzter Sekunde konnte Griechenland offenbar doch noch die Kurve kratzen und eine chaotische Staatspleite verhindern. "Wir sind sehr dicht davor, die Sache abzuschließen", hieß es am Freitag aus Verhandlerkreisen in Athen. Seit Monaten ringt die griechische Regierung mit ihren privaten Gläubigern um einen Schuldenschnitt. Für die Banken, Versicherer und anderen Investoren leitet der Weltbankenverband IIF die Verhandlungen. Die Finanzwirtschaft soll auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichten und so helfen, den Schuldenberg von an die 350 Milliarden Euro (etwa 205 Milliarden bei privaten Gläubigern) um rund 100 Milliarden zu reduzieren.
Das ist die Voraussetzung, damit die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) das nächste Hilfspaket im Ausmaß von 130 Milliarden Euro schnüren können. Ohne dieses Geld würde schon im März ein ungeordneter Bankrott drohen, weil Athen die dann fälligen Staatsanleihen im Wert von 14,5 Milliarden Euro nicht zurückzahlen könnte.
Wie ein Banker der Nachrichtenagentur Reuters sagte, werden die Gläubiger im Rahmen eines Anleihentausches auf 65 bis 70 Prozent ihrer Ansprüche verzichten müssen. Dabei sind die gesamten Verluste aus den geringeren Zinsen über die Anleihenlaufzeit einkalkuliert. Der neue Bond werde vermutlich eine Laufzeit von 30 Jahren und einen Tilgungsaufschub von zehn Jahren haben. Die Zinsen sollen bei 3,5 Prozent beginnen, im Laufe der Jahre schrittweise steigen und im Durchschnitt im Bereich von vier Prozent liegen.
Noch für Freitagabend wurde eine vorläufige Einigung erwartet, über technische Details sollte über das Wochenende weiter verhandelt werden. Eine Einigung ist nötig, damit die Finanzminister der Eurozone bei ihrem Treffen am Montag darüber beraten können. Freitagmittag hatte bereits eine Telefonkonferenz mit Vertretern der Eurozone stattgefunden.
Ziehen alle Gläubiger mit?
An der Börse wurden die Nachrichten über den kurz bevorstehenden Abschluss mit Zurückhaltung aufgenommen. In den vergangenen Monaten schien eine Einigung mehrmals in greifbarer Nähe. Die Anleger seien deshalb vorsichtig, sagten Händler.
Offen ist überdies noch die Frage, wie viele Gläubiger bei der Einigung mitziehen. Einige der Investoren - vor allem große Hedgefonds - hatten angekündigt, die Sache aussitzen oder notfalls vor Gericht anfechten zu wollen, um ihre gesamten Forderungen ausbezahlt zu bekommen.