Brüssel. Bankmanager sollen nicht durch falsche Anreize verleitet werden, übermäßiges Risiko einzugehen: Darüber herrscht in der EU Einigkeit - nicht aber, wie das verhindert werden soll. "Ich denke zum Beispiel über die interessante Idee nach, dass das höchste Gehalt in einer Bank ein bestimmtes Verhältnis zum niedrigsten Lohn dort nicht übersteigen darf", sagte EU-Kommissar Michel Barnier im Februar. Konkrete Gesetzesvorschläge ist er aber schuldig geblieben.
Das dauert einigen EU-Parlamentariern zu lange. Sie wollen verhindern, dass Banker exzessive Risiken eingehen, um höhere Boni ausbezahlt zu bekommen. Ein Großteil der Bezahlung von Bankmanagern hängt nämlich davon ab, ob Geschäftsziele erreicht werden - das ergab ein soeben veröffentlichter Bericht der Europäischen Bankenaufsicht (EBA).
Demnach machen die an Bank-Manager ausgeschütteten Boni im EU-Durchschnitt 122 Prozent des Grundgehalts aus. Im Extremfall betrug der Wert der variablen Bestandteile sogar 429 Prozent für Führungskräfte und 940 Prozent für andere Mitarbeiter: Einzelne Bankangestellte erhielten also zehn Mal mehr an Bonuszahlungen als ihr Fixgehalt ausmacht. Laut EBA variiert obendrein die Einschätzung, ob eine Person in potenziell riskante Bankgeschäfte involviert ist, von Land zu Land massiv.
Othmar Karas (VP), Vizepräsident und Berichterstatter des EU-Parlaments zur Finanzmarktregulierung, schlägt vor, dass die EU die Boni im Zuge der Umsetzung von Basel III (siehe Kasten) strenger regelt. Ihm schwebt dabei ein Faktor "eins zu eins" für Fixum und Bonus vor. Die Chance, dass der Kompromiss im Parlament Zustimmung findet, sei gut, sagt Daniel Köster, Sprecher der EVP-Fraktion. Bei früheren Gelegenheiten hatte Karas noch von einem Bonusdeckel bei 200 Prozent gesprochen. Grüne und SP-Abgeordnete hatten für 50 Prozent als Maximum plädiert. Einen absoluten Deckel der Bezüge, den einige vorgeschlagen hatten, hält Köster für unrealistisch.
An den hohen Gagen für Top-Banker wird sich somit kaum etwas ändern, weil künftig einfach das Fixeinkommen erhöht wird. Das ist allerdings gegenüber den Shareholdern einer Bank schwieriger zu argumentieren als ein erfolgsabhängiges Honorar. Für den vom Gesetzgeber intendierten Lenkungseffekt - die Risikovermeidung - ist die absolute Höhe der Gage ohnehin nicht relevant.