
Washington. (hes) Einem Journalisten aus Jamaika war IWF-Chefin Christine Lagarde am Donnerstag besonders dankbar: "Ihre Frage zeigt, dass der Währungsfonds nicht ausschließlich damit beschäftigt ist, Geld für die Eurozone aufzustellen." Auch der (wesentlich kleinere) Topf für die ärmeren Länder müsse dringend aufgestockt werden, fügte die Französin hinzu.
Ihre Antwort zeigt den Konflikt der Institution: Viele der (nach dem Beitritt des Südsudan) 188 Mitgliedstaaten fragen sich, ob es Aufgabe des Fonds sein darf, dem reichen Europa aus seiner Krise zu helfen. Die größten Kreditnehmer sind nämlich Griechenland, Portugal und Irland.
Deshalb kommt auch die geplante Aufstockung der IWF-Ressourcen um geplante 400 Milliarden Dollar nur schleppend voran. Vor allem große Schwellenländer haben bisher ausgelassen. Bis Donnerstag hat Lagarde nur 320 Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen Staatskrisen eingesammelt. Der Großteil des neuen Geldes stammt aus Europa selbst (siehe Kasten).
Besonders strikt lehnt Kanada die Aufstockung der IWF-Mittel ab: Europa selbst müsse noch viel mehr leisten als es bisher getan habe, sagte Finanzminister Jim Flaherty. Unter den G20, den führenden Industrie- und Schwellenländern, gebe es "derzeit keinen Konsens", dass der IWF eine größere Feuermauer gegen die Eurokrise bauen müsse. Der mexikanische Finanzminister José Antonio Meade, derzeit auch G20-Vorsitzender, zeigte sich hingegen zuversichtlich, dass es einen Deal über mehr IWF-Geld geben wird.
Mühsame IWF-Reformen
Der mächtigste IWF-Anteilseigner, die USA, weigert sich, einen Beitrag zu leisten. Im Wahljahr würde es US-Präsident Barack Obama negativ angelastet, wenn er Geld für Europa bereitstellt. "Der IWF erhält keine Spenden", betonte Lagarde, "sondern Kredite, die er seinerseits vergeben kann und wofür Zinsen gezahlt werden. Kein Land hat jemals beim IWF Geld verloren."
US-Finanzminister Timothy Geithner hatte sich zuvor zumindest nicht mehr gegen eine Aufstockung der IWF-Finanzen ausgesprochen. Und er fordert auch nicht mehr, dass die Eurozone selbst ihre Rettungsschirme vergrößern muss. Das ist bereits erfolgt - wenngleich die Euro-Feuermauer "noch etwas zu wünschen übrig lässt", so Lagarde.
Mit Zögern begegnet Großbritannien der IWF-Aufmunitionierung. Das britische Parlament hätte zwar bis zu 10 Milliarden Pfund (etwa 16 Milliarden Dollar) freigegeben. Finanzminister George Osborne tut sich aber schwer, zuhause strenge Sparmaßnahmen zu verkünden und in Washington große Versprechen abzuliefern.
Lagarde sagte, sie erwarte bei der IWF-Frühjahrstagung am Wochenende Reformfortschritte: Bis zur Jahrestagung sollen die großen Schwellenländer wie China mehr Stimmrechte erhalten - vor allem die Europäer müssen dafür voraussichtlich Abstriche machen.
Wissen: Der IWF
Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde 1945 als multilaterale Organisation gegründet, um die Stabilität des Währungssystems zu garantieren. Dafür greift er Staaten in Finanznöten mit Hilfskrediten unter die Arme – mit strikten Auflagen, die in der Vergangenheit oft für Kritik gesorgt haben.
Im Zuge der globalen Finanzkrise hatten die G20-Staaten im April 2009 beschlossen, die IWF-Ressourcen von 250 auf 750 Milliarden Dollar zu verdreifachen. Bei der jüngsten Aufstockung hat die Eurozone 200 Milliarden US-Dollar zugesagt, Japan will 60, Schweden 10, Norwegen etwas mehr als 9, Polen 8, Dänemark 7 und die Schweiz mit einigen anderen 26 Milliarden beisteuern. Mit der Euro-Schuldenkrise verschärft sich aber der Konflikt zwischen den Wirtschaftsblöcken. Die großen Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien fordern ohnehin seit Jahren mehr Einfluss. Größtes Mitglied sind mit 16,7 Prozent der Stimmrechte die USA, die EU-27-Staaten kommen aber gemeinsam auf 32 Prozent.