
Athen. (wak) Am 17. Juni wird in Griechenland noch einmal gewählt. Und vielleicht "werden die Wähler diesmal mehr durch Angst motiviert sein, als durch Wut", hofft die griechische Professorin für Ökonomie, Miranda Xafa, die in den 90ern Beraterin der griechischen Regierung war.
Athen hat bei den Wahlen dem Sparkurs und den Großparteien eine Abfuhr erteilt. Für Xafa wenig verwunderlich: Man habe in Griechenland die Einschnitte ständig auf die Troika geschoben – den Internationalen Währungsfonds, die Europäischen Zentralbank und die EU, die den Status der Reformen in Griechenland überprüfen.
"Die Politiker haben gesagt, wir mögen die Reformen ja auch nicht. Das ist schlechte Politik" und habe den Griechen suggeriert es ginge auch ohne Reformen, meint Xafa bei einer Diskussion des Joint Vienna Institute, eine volkswirtschaftliche Ausbildungsstätte in Wien, die unter anderem vom Internationalen Währungsfonds getragen wird. "Jetzt ist Griechenland das einzige Land der Welt, wo sogar 80-Jährigen die Pension gekürzt wird, weil die Reformen nicht früh genug angegangen worden sind. Seit die Krise begonnen hat, haben eine Million Menschen im Privatsektor in Griechenland ihren Job verloren. Niemand im öffentlichen Sektor hat seinen Job verloren, obwohl dort das Problem seinen Ursprung genommen hat." Die Regierung habe nicht genug an die Notwendigkeit der strukturellen Veränderungen geglaubt. Neuwahlen könnten das ändern. Erst dann werde man sehen, ob Griechenland wieder pleite wird, oder zur Drachme zurückkehrt.
Die Ratingagentur Fitch hatte am Donnerstag die Bonität Griechenlands von "B-" auf "CCC" gesenkt. Damit sieht die Ratingagentur ein substanzielles Ausfallrisiko. Ein möglicher Austritt aus der Euro-Zone würde wohl einen Kreditausfall nach sich ziehen. Und das, obwohl in dieser Woche erstmals bekannt wurde, dass die griechische Wirtschaft zu Jahresbeginn 2012 das erste Mal seit dem Absturz 2009 gewachsen ist.
"Notfallsszenarien" seitens der EU-Kommission
Doch das beruhigt weder den Markt noch die Politiker. Am Freitag erklärte erstmals ein Mitglied der EU-Kommission, EU-Handelskommissar Karel de Gucht, dass an Notfallszenarien für den Fall eines Euro-Austritts des verschuldeten Landes gearbeitet werde. Ein Sprecher der EU-Kommission dementierte zwar prompt: "Die EU-Kommission bestreitet, dass sie an einem Austritts-Szenario für Griechenland arbeitet. Sie will, dass Griechenland im Euroraum bleibt." Das deutsche Finanzministerium betonte aber erneut, es werde keine Nachverhandlungen mit den Griechen über vereinbarte Reformen und Hilfsprogramme geben.