Brüssel.

Angeschoben hat den Sinneswandel, dass die Wachstumsaussichten nun auch für die großen EU-Kernländer sinken. Mittlerweile verliert sogar die deutsche Konjunkturlokomotive an Dampf. Im zweiten Quartal habe sich das Wachstum mehr als halbiert, warnt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Wuchs die Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn noch um 0,5 Prozent, waren es zuletzt voraussichtlich nur noch 0,2 Prozent.
Der Grund: "Die Krise im Euroraum dürfte die Exporte merklich dämpfen und zu einer wieder zunehmenden Zurückhaltung bei der inländischen Nachfrage beitragen", sagte DIW-Experte Ferdinand Fichtner. "Die Menschen in Deutschland werden wegen der Krise wieder nervöser. Das schwächt die Konsum- und Investitionsausgaben."
Immerhin könnte sich die Weltkonjunktur in der zweiten Jahreshälfte erholen, wenn die Notenbanken in den großen Schwellenländern ihre Geldpolitik lockern und die Regierungen gegensteuern. Die Exporte dürften dann wieder stärker zum Wachstum beitragen. Das sind auch gute Nachrichten für Österreich, dessen Wirtschaft als wichtiger Zulieferer für die deutsche Industrie im Windschatten mitfährt.
Paris investiert - und spart
In Frankreich hatte Präsident François Hollande das Thema Wachstum ganz oben auf seiner Wahlkampf-Agenda. Das ist auch dringend nötig: Das Land dürfte heuer knapp an der Rezession vorbeischrammen. Das Statistikamt Insee prognostiziert aktuell ein Wachstum um 0,4 Prozent - 2011 betrug das Plus noch 1,7 Prozent. Auch rechnen die Experten nicht mit einer Entspannung am Arbeitsmarkt. Insee erwartet heuer einen Verlust von rund 25.000 Stellen - die Arbeitslosenquote würde so von 10 auf 10,3 Prozent steigen.
Die neue Regierung in Paris muss einerseits Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen beschließen, um die Budgetziele zu erreichen. Gleichzeitig wollen die Sozialisten das Wachstum ankurbeln und den Konsum stärken. Dazu hebt die Regierung den Mindestlohn geringfügig an - um 18 Cent auf 9,40 Euro.