Paris/Washington. Die Furcht vor sozialen Unruhen geht um: Angesichts der weltweit rasant steigenden Lebensmittelpreise wollen die führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) Maßnahme gegen drohende Hungerrevolten ergreifen. Sollte sich die Lage in den globalen Kornkammern USA und Russland weiter verschlechtern, soll das G-20-Forum für schnelle Koordination ( Rapid Response Forum) angerufen werden. Die Zeit drängt: Nach Rekord-Dürren und Ernteausfällen erklimmen die Preise für Agrarstoffe täglich neue Spitzenmarken.
Ein Preisanstieg bei Grundnahrungsmittel von bis zu 40 Prozent, Ernährungsengpässe und Hungerrevolten - es ist gerade einmal fünf Jahre her, als die letzte Nahrungskrise für soziale Unruhen in mehreren Teilen der Welt sorgte. Die Gruppe der G-20 will aus dieser Krise, die 2007 bis 2008 schwelte, gelernt haben - und baut angesichts der aktuellen Entwicklungen auf den Märkten für Agrarrohstoffe vor.
Droht neue Hungerkrise?
Das Rapid Response Forum wurde vergangenes Jahr auf Initiative Frankreichs eingerichtet und gilt als Konsequenz der von sozialen Unruhen begleiteten Lebensmittelkrise der Jahre 2007/08.
Auch derzeit deutet vieles darauf hin, dass sich eine neue Nahrungsmittelkrise einstellen könnte. Der Maispreis hat zum Wochenausklang ein Rekordhoch erreicht. Auf der heimischen Börse für Landwirtschaftliche Produkte in Wien wurde Premiumweizen am vergangenen Mittwoch mit bis zu 265 Euro pro Tonne um 35 Euro teurer notiert als ein Jahr davor.
Der von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) veröffentlichte Lebensmittel-Preisindex ist im Juli um sechs Prozent auf 213 Punkte gestiegen. Auch wenn das Barometer von seinem im Februar 2011 erreichten Höchststand von 238 Zählern deutlich entfernt bleibt, sind Entwicklungshelfer besorgt. Denn das aktuelle Niveau des FAO-Index liegt über dem der Ernährungskrise 2008. Damals war es weltweit zu Unruhen gekommen. "Es gibt viele Anzeichen dafür, dass die hohen Lebensmittelpreise in den kommenden Jahren anhalten werden", so die FAO.
Langfristiger Preisauftrieb
In den von Hunger geplagten Regionen der Welt werden Grundnahrungsmittel dadurch noch unerschwinglicher. Obwohl die jüngste Entwicklung vor allem vom Wetter bedingt ist, rechnen Experten auch langfristig mit weiterem Preisauftrieb. Der könnte dramatische Konsequenzen haben, warnen Hilfsorganisationen.