• vom 30.05.2017, 08:38 Uhr

Ausbildung & Arbeitswelt

Update: 30.05.2017, 09:57 Uhr

Flüchtlinge

Programmieren gegen Arbeitslosigkeit




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Von Valentine Auer

  • Die Initiative "refugeescode" will Geflüchtete auf den österreichischen Arbeitsmarkt vorbereiten.

An zwei Wochentagen werden die Flüchtlinge unterrichtet.

An zwei Wochentagen werden die Flüchtlinge unterrichtet.© Benjamin Storck An zwei Wochentagen werden die Flüchtlinge unterrichtet.© Benjamin Storck

Wien. "O.k., setzt Euch alle hin! Wer hat die Hausaufgabe gemacht?", fragt ein Student der Technischen Universität (TU) eine Runde von rund 15 Erwachsenen. Heute leitet er den Unterricht - als Teil des Projektes "refugeescode - coding for integration" - eine Initiative, die Geflüchteten Programmieren lehrt, um sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Einer der Teilnehmer öffnet eine Datei namens "Easter Homework". Gemeinsam werden verschiedene Lösungswege der Aufgabenstellung besprochen, über Begriffe wie "arrays" und "loops" diskutiert. Der Kursleiter ist zufrieden.

Es ist Donnerstagabend. An zwei Wochentagen kommen rund 40 Flüchtlinge, die einen Programmier-Lehrgang besuchen, in die Technische Universität. Unterrichtet werden sie von Studierenden der TU Wien, die dafür drei ECTS-Punkte erhalten. Das Ziel: "Wir wollen, dass unsere Teilnehmer von null Vorkenntnissen zu einem Einsteigerjob kommen", erklärt Stefan Steinberger. Er ist Gründer und Leiter der Initiative. Mitunter motivierte ihn sein mangelndes technisches Know-how mit "refugeescode" zu starten: "Ich wollte immer eigene Projekte umsetzen, aber mir fehlten immer Leute mit technischem Wissen. Es scheiterte bei mir schon an der Umsetzung einer Website", sagt Steinberger.

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Doch nicht nur das Eigeninteresse des Gründers führte zur Entstehung von "refugeescode". Techniker und Diplomingenieure für Datenverarbeitung stehen auf der Liste der Mangelberufe. Dazu zählen auch Programmierer und Software-Entwickler. IT-Unternehmen leiden unter Fachkräftemangel, die Lösung ist bereits für viele die Suche nach Fachkräften im Ausland.

"Es gibt einen großen Bedarf an Menschen mit Programmierkenntnissen", schlussfolgert Steinbergers Kollege Alexander Hartveld. Und es gibt noch weitere Vorteile, wieso Flüchtlinge mit Programmierkenntnissen leichter in den heimischen Arbeitsmarkt vermittelt werden können: "Beim Programmieren braucht man nicht unbedingt ein Diplom, da es um Referenzen geht. Mit einem Portfolio sind die Chancen höher, eine Stelle zu erhalten. Deswegen können wir mit unseren Teilnehmern schneller in den Arbeitsmarkt. Außerdem sind die erworbenen Kenntnisse überall auf der Welt einsetzbar."

Zertifikat
nach fünf Monaten

Als Ausgangsbasis des Lehrplans dient dabei der Online-Harvard-Kurs "CS50". Schon nach fünf Monaten sollen die Teilnehmer nicht nur ein Zertifikat, sondern auch eigene Abschlussprojekte als Referenz herzeigen können. Um das zu schaffen, heißt es nicht nur zwei Mal in der Woche am Präsenzunterricht teilzunehmen, sondern auch von zu Hause zu arbeiten. Mithilfe eines Forums erhalten die Teilnehmer zusätzliche Unterstützung, erklärt Steinberger: "Auch im Forum haben die Leute Zugang zu qualifizierten Studierenden. Außerdem soll es nicht nur lernen, sondern auch Community sein. Das Verhältnis zwischen Vortragenden und Teilnehmern ist freundschaftlich."

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Dokument erstellt am 2017-05-30 08:42:06
Letzte ─nderung am 2017-05-30 09:57:33



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