• vom 23.01.2012, 17:49 Uhr

Gesellschaft

Update: 23.01.2012, 17:50 Uhr

Islam

Wollen wir "Islam-Vorreiter" sein?




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Von Stefan Beig

  • Österreichs Anerkennung des Islam ist eine Chance, meinen Entscheidungsträger, doch es gibt auch Skepsis
  • Neues Dialogforum soll laut Sebastian Kurz die Islam-Debatte versachlichen.

Österreichischer Islam am Beginn des 21. Jahrhunderts: eine Visualisierung der zukünftig ersten steirischen Moschee von dem Grazer GSP Architektur-Büro. - © APA/KARL HEINZ PUTZ

Österreichischer Islam am Beginn des 21. Jahrhunderts: eine Visualisierung der zukünftig ersten steirischen Moschee von dem Grazer GSP Architektur-Büro. © APA/KARL HEINZ PUTZ

Sebastian Kurz und Fuat Sanac starten das Dialogforum.

Sebastian Kurz und Fuat Sanac starten das Dialogforum.© APA/HERBERT NEUBAUER Sebastian Kurz und Fuat Sanac starten das Dialogforum.© APA/HERBERT NEUBAUER

Wien. Es wird ein intensives "Islam-Jahr". Integrationsstaatssekretar Sebastian Kurz und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) Fuat Sanac haben am Montag ein "Dialogforum Islam" gestartet, das sich gesellschaftspolitischen Fragen - nicht theologischen, wie Kurz betont - stellen wird. "Integration und Identität", "Wertefragen" oder "Geschlechterrollen" gehören zu den Themen von sieben dafür eingerichteten Arbeitsgruppen. Die bereits begonnenen Gespräche zwischen Integrationsstaatssekretariat und IGGiÖ sowie anderen muslimischen Vertretern sollen dadurch institutionalisiert werden.

Das Ziel ist eine "Versachlichung" der Islam-Debatte, erklärte Kurz. Eigentlich hätte Österreich aufgrund seiner Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft einmal eine Vorreiter-Rolle gehabt, doch Umfragen wie die 2010 herausgebrachte Imas-Studie belegten heute eine starke Islam-Skepsis in Teilen der Bevölkerung. 54 Prozent der Befragten bejahten etwa, dass der Islam "eine Bedrohung für den Westen und unsere gewohnte Lebensweise" sei.

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Die Ursache für die Zunahme islamfeindlicher Strömungen sieht der Wiener Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell vor allem in der Politik der FPÖ. "Die FPÖ hat einen radikalen Schwenk von einer anti-kirchlichen Position in der Vergangenheit hin zu einer fundamentalistisch-christlichen vollzogen, die gegen den Islam und alle Migranten gerichtet ist, die zu diesem Glauben stehen und ihn behalten wollen", betont er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Zur Entemotionalisierung müssten vor allem "die Parteien in der Mitte" beitragen, indem sie sich deutlich zu Wort melden: "Wer schweigt, wird leicht als zustimmend interpretiert." Es müsse klargestellt werden, dass die Religionsfreiheit für alle in gleicher Weise gilt und Minderheiten vor Angriffen geschützt werden.

Auch die Medien, denen sich einer der Arbeitskreise widmet, nimmt Hausjell in die Pflicht. Journalisten müssten ihr Wissen erweitern: "Weiterbildung tut gut." Jene Medien, die sich mittlerweile thematisch, nicht nur anlassbezogen, mit dem Islam befassen, würden zur Versachlichung und Differenzierung beitragen. "Andernorts wird eine sehr plakative Vorstellung vom Islam präsentiert." Dabei sei es im Falle Österreich sehr leicht deutlich zu machen, dass "der Islam zu unserem Kulturkreis gehört, da er bereits 1912 anerkannt wurde."

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Schlagwörter

Islam, Muslime, Fuat Sanac

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Dokument erstellt am 2012-01-23 17:02:07
Letzte ─nderung am 2012-01-23 17:50:04



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