• vom 14.04.2015, 21:00 Uhr

Gesellschaft

Update: 15.04.2015, 11:08 Uhr

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Das Image der Tschetschenen




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Von Nour Khelifi

  • Der Obmann Adam Biseav vom Verein "Toleranz" möchte die tschetschenische Community in ein positiveres Licht rücken.

Tschetschenen haben sich längst in die Gesellschaft integriert - vor allem in Wien, wie etwa in Favoriten. - © Jenis

Tschetschenen haben sich längst in die Gesellschaft integriert - vor allem in Wien, wie etwa in Favoriten. © Jenis

Bisaev will das Bildungsangebot für österreichische Tschetschenen erweitern und verbessern.

Bisaev will das Bildungsangebot für österreichische Tschetschenen erweitern und verbessern.© Einzenberger Bisaev will das Bildungsangebot für österreichische Tschetschenen erweitern und verbessern.© Einzenberger

Wien. Für österreichische Tschetschenen sind die Lebensumstände alles andere als rosig, die Klischees reichen von "gewalttätigen Übergriffen", "unintegrierten Jugendlichen" bis zu den "Dschihadisten". "Diese Vorurteile tragen wir immer noch mit uns rum, weil sich eben niemand öffentlich zum Gegenteil bekennt", meint Adam Bisaev.

"Dass wir gewaltbereite Terroristen sind, spricht sich weltweit seit dem ersten tschetschenischen Krieg von 1994 bis 1996 herum." Bevor der Akademiker 2003 nach Österreich übersiedelte, war er als Ingenieur für Bauwesen sowie in der Stadtverwaltung von Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens, tätig. In Österreich fasste er mit der Gründung eines Karateklubs Fuß, jedoch sei der Sport "immer nur nebenberuflich" gewesen. "Seitdem ich hier lebe, beschäftige ich mich intensiv mit der tschetschenischen Community", erzählt Bisaev. Da er viel mit Jugendlichen zu tun hatte und hier Potenzial witterte, schloss er eine Ausbildung als Integrationscoach ab.


Der gebürtige Tschetschene ist Klubobmann von "Toleranz", ein Verein für Bildung, Erziehung und Kultur, sowie Präsident seines Kampfsportklubs "Austria Organization of Karate Kyokushinkaihan". Außerdem ist er auch Vorstandsmitglied der europäisch-tschetschenischen Gesellschaft.

Dass die Tschetschenen jahrelang passiv waren und sich medial nicht repräsentiert haben, sei Bisaev bewusst, die Schuld trage unter anderem auch die tschetschenische Community. Dennoch sei jetzt die Zeit gekommen, Gegenbeispiele zu zeigen. "Unzählige studieren, haben einen tollen Job, sind angepasst. Von denen hört oder liest man nie in den Medien", bemängelt er. Deswegen müsse man sich mehr engagieren und auf positiver Weise laut werden, damit in puncto Medien das Image der Tschetschenen gebessert werden kann.

Er nahm sich der tschetschenischen Gesellschaft in Österreich, speziell Wien, an und rief mit Gleichgesinnten den Verein "Toleranz" ins Leben. "Es sollte primär eine Ausbildungs- und Beratungsstelle für Jugendliche und deren Eltern sein", erklärt der Vater von drei Kindern. Dabei haben sich schon vor einigen Jahren tschetschenische Frauen zu einer Plattform zusammengeschlossen, mit dem Ziel, sich durch Deutschkurse und sozialem Engagement zu integrieren.

"Eine schwere Geburt"
Die Politik Tschetscheniens versuche man in "Toleranz" herauszuhalten, nur so könne der Verein existieren. "Wir sind eine gespaltene Community, für oder gegen Russland, Freund oder Feind. Es herrscht einfach konstantes Misstrauen", so Bisaev. Leicht war es nicht, sich als Verein für die tschetschenische Gesellschaft zu etablieren, denn "viele hätten Angst, dass diese Machtposition missbraucht werden könnte".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-04-14 18:23:07
Letzte ńnderung am 2015-04-15 11:08:56



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