• vom 28.09.2015, 22:00 Uhr

Gesellschaft

Update: 29.09.2015, 13:01 Uhr

Integration

Einbürgerung beschleunigt laut Studie Integration




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  • Am Fallbeispiel Schweiz zeigt sich Wissenschaftern zufolge, welch positive Effekte die Verleihung der Staatsbürgerschaft hat.

Wien/Zürich. Wer eingebürgert wird, integriert sich schneller und besser in die Gesellschaft: Das ist das Ergebnis einer am Montag präsentierten Studie der Universitäten Zürich, Stanford und Mannheim. Laut den Forschern zeige sich die schnellere Integration von Eingebürgerten über alle untersuchten Gruppen hinweg - von gut bis hin zu schlecht ausgebildeten Menschen.

Besonders Migranten aus der Türkei und aus Ex-Jugoslawien - sie zählen zu marginalisierten Migrantengruppen - würden von der Einbürgerung in der Schweiz besonders stark profitieren. Grundlage der Studie ist der Datensatz von lokalen Volksabstimmungen über Einbürgerungsgesuche in deutsch-schweizer Gemeinden von 1970 bis 2003.

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Von den Gesuchstellern wählten die Wissenschafter 768 Personen aus, deren Einbürgerungsgesuche entweder knapp angenommen oder knapp abgelehnt worden waren. Die Gesuchsteller unterschieden sich kaum in Alter, Geschlecht, Herkunft oder Aufenthaltsdauer in der Schweiz.

"Reine Glückssache"
"Für Migranten, die nur ein paar Ja-Stimmen auseinanderliegen, war es letztlich reine Glückssache, ob sie die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten oder nicht", wird Mit-Autor Jens Hainmueller von der Universität Stanford in der Studie zitiert.

Die Wissenschafter befragten die betroffenen Personen per Telefon über diverse Themen - unter anderem zu ihrem Wissen über Schweizer Politik und ihrer politischen Partizipation. Die Befragung zeigte, dass die seit mehr als 15 Jahren Eingebürgerten sozial und politisch viel besser integriert sind als jene, deren Gesuch damals abgelehnt wurde.

Eingebürgerte verfügten beispielsweise über ein politisches Wissen, welches vergleichbar war mit jenem von gebürtigen Schweizern. Knapp Abgelehnte hingegen blieben politisch marginalisiert, heißt es in der Studie.

Bei den letzten nationalen Wahlen sei zudem die Wahlbeteiligung der untersuchten Eingebürgerten bei 58 Prozent gelegen. Dies sei bemerkenswert, zumal die Beteiligung der gebürtigen Schweizer, die den Pass seit ihrer Geburt besitzen, bei 52 Prozent gelegen habe.

Je früher, desto besser
Die positiven Effekte der Einbürgerung seien umso größer, je früher sich jemand einbürgern lasse, wird der Co-Autor Dominik Hangartner zitiert, Politikwissenschaftler an der Universität Zürich und an der London School of Economics.

Mit zwölf Jahren Aufenthaltsdauer dauere es in der Schweiz im europäischen Vergleich lange, bis sich ein Immigrant einbürgern lassen könne. "Unsere Studie zeigt, dass sich eine gewisse Reduktion positiv auf die Integration und damit für die gesamte Bevölkerung auswirken könnte", so Hangartner.

Die Wissenschafter publizierten ihre Ergebnisse in den Fachzeitschriften "Proceedings of the National Academy of Sciences" und den "SSRN Working Paper Series".




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-09-28 18:32:05
Letzte nderung am 2015-09-29 13:01:06



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