• vom 04.11.2015, 18:40 Uhr

Gesellschaft

Update: 05.11.2015, 12:56 Uhr

Bosnien-Herzegowina

Zwischen Krieg und Integration




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Von Nedad Memić

  • Einst waren jugoslawische Kulturvereine in Österreich ein wichtiger Treffpunkt der Gastarbeiter, heute wollen nationale Vereine vom Balkan die Geschichte und Kultur der zahlreichen Diaspora bewahren. Ein Einblick in die Arbeit bosnischer Vereine.

Versuch eines Brückenschlages: Bei einer Großaktion in Wien konnten Interessierte bosnischen Kaffee aus der größten Kaffeekanne der Welt probieren. - © ZZI/Izeta Pargan

Versuch eines Brückenschlages: Bei einer Großaktion in Wien konnten Interessierte bosnischen Kaffee aus der größten Kaffeekanne der Welt probieren. © ZZI/Izeta Pargan

Wien. "Der hochgewachsene, bisweilen einem Urwaldriesen gleichende Bosniak, scherzweise auch mit französischer Endung ‚Bosnieur‘ genannt, war ein aus den einst zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörigen südslawischen Gebieten Bosniens und der Herzegowina stammender Verkäufer von Feuerzeugen, Pfeifenspitzen, Uhren, Uhrketten, Ringen, Halsbändern, türkischen Messern und Dolchen, die er gewöhnlich mit Riemen am Leib befestigten kistchenartigen, gefächerten Behälter unterhalb der Brust trug.

In malerischer Tracht, mit seinem dunkelroten, weithin bemerkbaren Türkenfez, mit blauer, oben weiter, unter enger Hose, mit buntem gesticktem Gürtel und braunroten Opanken stand er an belebten Straßenecken der Innenstadt und an den Pratereingängen oder ging dort gemächlich und unhörbar auf und ab." So beschreiben Mauriz Schuster und Hans Schikola einen Bosnier im k.u.k. Wien am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in ihrem kulturgeschichtlichen Wörterbuch des Altwienerischen.


Nach dem Zerfall der Donaumonarchie verschwindet auch der beschriebene Bosniak aus dem Wiener Stadtbild. Doch Bosnier und Herzegowiner bestimmen mittlerweile viele Wiener Straßenszenen. Heutzutage leben laut Medienservicestelle Neue Österrecher/innen rund 91.000 Menschen mit bosnisch-herzegowinischer Staatsbürgerschaft in Österreich, rund 206.000 haben bosnisch-herzegowinischen Migrationshintergrund. In Wien leben gleichzeitig mehr als 43.000 Personen mit Geburtsland Bosnien-Herzegowina und rund 20.000 Menschen, die eine bosnisch-herzegowinische Staatsbürgerschaft besitzen. Damit ist die bosnische Community eine der stärksten Zuwanderercommunitys Österreichs. Die jüngste Vergangenheit ihres Heimatlandes lief an der bosnischen Community in Österreich keineswegs spurlos vorbei.

Ein Großteil der heute in Österreich lebenden Bosnier kam als Kriegsflüchtlinge: Rund 90.000 Menschen flohen von 1992 bis 1995 nach Österreich, mehr als 60.000 von ihnen wählten Österreich nach dem Krieg als Mittelpunkt ihres Lebensinteresses und blieben hier. In den Aktivitäten einiger bosnischer Vereine ist die Aufarbeitung der Kriegsereignisse in Bosnien-Herzegowina deshalb ein wichtiges Anliegen.

Das in Linz tätige Zentrum der zeitgemäßen Initiativen ZZI versteht sich als Kultur- und Wissenschaftsnetzwerk zwischen Österreich und Bosnien-Herzegowina. Obmann Damir Saracevic betont die Brückenbaufunktion seines Vereins: "Wir möchten auf wissenschaftlicher Basis eine Kulturbrücke zwischen Österreich und Bosnien-Herzegowina schlagen und eine Kultur des Miteinanders promoten". Das Thema Krieg und Frieden schreibt das ZZI groß: "Wir arbeiten die bosnisch-herzegowinische Kriegsvergangenheit wissenschaftlich auf und tragen damit auch zum Friedensaufbau im Land bei", sagt Saracevic. Die Themen Srebrenica und Versöhnung stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten des Vereins "Srebrenica - Wien".

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Dokument erstellt am 2015-11-04 18:44:04
Letzte ─nderung am 2015-11-05 12:56:12



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