• vom 26.11.2015, 17:49 Uhr

Gesellschaft

Update: 26.11.2015, 18:23 Uhr

Antiziganismus

Antiziganismus hautnah




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Von Jerome Segal

  • Rassistische Übergriffe häufen sich. Das belegt auch der aktuelle Antiziganismusbericht - eine Analyse.

Das Team des Vereins Romano Centro hat am Donnerstag seinen zweiten Bericht präsentiert. - © Segal

Das Team des Vereins Romano Centro hat am Donnerstag seinen zweiten Bericht präsentiert. © Segal

Wien. Rassistische Übergriffe gab es im Jahr 2015 in Europa wieder genug. Egal, ob in Wien oder Paris, egal ob Juden oder Muslime, Minderheiten werden angegriffen. Am 9. Jänner wurden in Paris vier Menschen ermordet - einfach, weil sie Juden waren. Über das Jahr hinweg wurden Muslime angegriffen, Moscheen und Friedhöfe geschändet oder beschmiert. Seit Ende des Sommers macht sich wachsender Hass gegen Flüchtlinge bemerkbar. Nicht so sehr gegen die Steuerflüchtlinge, die den europäischen Staaten wirklich schaden, sondern gegen Syrer, Iraker oder Afghanis. Gegen jene, die ihr gesamtes Hab und Gut in Plastiksäcke packen, aus Kriegsgebieten fliehen und um Asyl ansuchen möchten.

Während über diese Vorfälle laufend berichtet wird, gibt es jedoch eine Art der Diskriminierung, die medial und gesellschaftlich vernachlässigt wird: der Antiziganismus, also der Hass gegen Roma und Sinti. Seit 1991 bietet der Verein "Romano Centro" Unterstützung in Wien für Betroffene von Diskriminierung an und setzt sich gegen Antiziganismus ein. Das Team dieses Vereins hat am Donnerstag den zweiten Bericht zu Antiziganismus in Österreich unter dem Titel "Antiziganismus in Österreich. Falldokumentation 2013-2015" vorgestellt. Darin werden 61 Fälle ausführlich dokumentiert.


Hohe Dunkelziffer
Obwohl im ersten Bericht vor zwei Jahren 82 Fälle verzeichnet wurden, lässt sich daraus nicht schließen, dass Antiziganismus in Österreich sinken würde. Der erste Bericht umfasst nämlich einen größeren Zeitraum. Außerdem: "Wenn man Antiziganismus im Internet betrachten würde, könnte man problemlos 100 weitere Fälle dokumentieren", erklärt Ferdinand Koller, pädagogischer Leiter bei "Romano Centro".

Auf 30 Seiten werden alle Fälle in zehn Kategorien unterteilt, darunter Medien, rechte Medien, Politik, Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, Internet, Polizei, öffentlicher Raum, Bildung und Arbeitswelt.

Unter "rechte Medien" werden darin verschiedene FPÖ-nahe Organe verstanden. Es ist eine Bezeichnung, die vielleicht etwas unglücklich gewählt wurde, denn es handelt sich einfach nur um rechtsextreme Zeitungen und Zeitschriften. So wird in der freiheitlichen Zeitung "Aula" (6/2104) ein Leserbrief veröffentlicht, der die Frage stellt, ob Roma nicht "genetisch bedingt arbeitsscheu" seien.

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Dokument erstellt am 2015-11-26 17:53:05
Letzte ─nderung am 2015-11-26 18:23:06



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