• vom 20.06.2016, 18:10 Uhr

Gesellschaft

Update: 21.06.2016, 14:01 Uhr

Islamische Glaubensgemeinschaft

"Ein Präsident für alle Muslime"




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Von Werner Reisinger

  • Ibrahim Olgun ist neuer Präsident der IGGiÖ. Trotz interner Streitigkeiten weckt der Generationenwechsel Hoffnungen.

NEUER VORSITZENDER DER ISLAMISCHE GLAUBENSGEMEINSCHAFT: IBRAHIM OLGUN

© APA/IGGI... NEUER VORSITZENDER DER ISLAMISCHE GLAUBENSGEMEINSCHAFT: IBRAHIM OLGUN© APA/IGGI...

Wien. Für Außenstehende machte die Islamische Glaubengemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) in den vergangenen Tagen und Wochen mitunter einen chaotischen Eindruck. Eigentlich hätte vergangenen Sonntag doch noch kein neuer Präsident gewählt werden sollen. Wie schon einige Male zuvor war auch der Termin am 19. Juni abgesagt worden. Der alte Präsident Fuat Sanac wollte sich mit seiner Entscheidung über eine erneute Kandidatur bis zum letzten Tag Zeit lassen. Vergangenen Samstag aber warf Sanac dann doch das Handtuch - dem Vernehmen nach wollte er sich auf keine Kampfabstimmung gegen seinen Herausforderer Ibrahim Olgun einlassen.

Und so kam es vergangenen Sonntag dann doch zur Wahl. Wobei die Entscheidung für Olgun mangels Gegenkandidaten eher eine Kür denn eine Wahl war. Wer ist der Neue an der Spitze der Vertretung der Muslime in Österreich?


Junge wollen Veränderung
Ibrahim Olgun, geboren 1987 in Mistelbach in Niederösterreich, studierte nach der Matura in Ankara Theologie. Seit 2013 ist der Sohn türkischer Gastarbeiter bei Atib engagiert, zuerst als Integrationsbeauftragter, dann als Fachinspektor für den Religionsunterricht in Wien. Atib, der Dachverband der türkisch-islamischen Religionsvereine in Europa, steht bekanntermaßen der türkischen Religionsbehörde Diyanet nahe.

Die türkische Religionsbehörde hält die Verbände in Europa an der kurzen Leine. Das geistige und kulturelle Leben in Europa wird größtenteils straff von der Türkei aus organisiert. Bis vor kurzem wurden Imame nicht nur in der Türkei ausgebildet, sondern auch aus dem Ausland finanziert - dieser Praxis soll nun mit dem neuen Islamgesetz ein Riegel vorgeschoben werden. Die Wahl von Olgun wird in der IGGiÖ nun als Signal der Erneuerung gedeutet. Vor allem junge Muslime können mit den verkrusteten Strukturen in der Glaubensgemeinschaft nichts anfangen und wenden sich ab. Dieser Entwicklung will nun Olgun entgegenwirken.

Er wisse aus eigener Erfahrung, wie es sei, in Österreich aufzuwachsen und nach der eigenen Identität zu suchen, sagt Olgun. Er sieht sich als Brückenbauer zwischen Muslimen und autochthonen Österreichern wie auch zwischen den Generationen, er wolle ein Präsident aller Muslime sein. Ob ihm das gelingen wird, hänge nicht nur von ihm persönlich, sondern auch von Atib und Diyanet ab, ist aus dem Umfeld der IGGiÖ zu hören.

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Dokument erstellt am 2016-06-20 18:14:05
Letzte nderung am 2016-06-21 14:01:21



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