• vom 04.08.2016, 12:36 Uhr

Gesellschaft

Update: 04.08.2016, 13:22 Uhr

Integration

Studie: Kürzere Asylverfahren - Bessere Jobchancen




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Von WZ Online, APA

  • Wissenschaftlich belegt, was schon bisher vermutet worden ist.

Wien/Zürich. Es ist keine wirklich überraschende Erkenntnis und doch gerade in der heutigen Zeit wichtig hervorzuheben. Menschen flüchten oder migrieren nicht in andere Länder, um tatenlos im Flüchtlingsheim, Container oder Zeltlager herumzusitzen. Viele sind durch die Wartezeit frustriert. Vor allem, wenn sie Jahre andauert.

Eine von Schweizer Wissenschaftern im Magazin "Science Advances" publizierte Studie belegt nun: Je kürzer Asylverfahren dauern, desto eher haben die Betroffenen die Chance, eine Beschäftigung zu finden. Die Reduktion der Dauer des Verfahrens um ein Jahr erhöht die Jobchancen um 20 Prozent.

Die wissenschaftliche Untersuchung wurde vom Schweizer Forschungsfons (SNSF) unterstützt. Dominik Hangartner von der Universität Zürich und von der London School of Economics und seine Co-Autoren haben die Daten des staatlichen Schweizer Sekretariats für Migration (SEM) analysiert. Obwohl Asylwerber in der Schweiz bereits während der Wartezeit auf die Entscheidung über ihren Status arbeiten dürfen (nach drei bis sechs Monaten; Anm.), gibt es demnach trotzdem einen Einfluss der Dauer der Unsicherheit auf die Wahrscheinlichkeit einer angemeldeten Beschäftigung.

"Stärke des Effekts der Wartezeit ist bemerkenswert"

"Die Wahrscheinlichkeit, einen Job zu finden, fiel um ein Fünftel - von 23 auf 18 Prozent - wenn die Asylwerber die positive Entscheidung über ihren Antrag erst am Ende des dritten statt schon am Ende des zweiten Jahres erhielten", fasste Hangartner die Ergebnisse zusammen. "Die Stärke des Effekts (der Dauer der Wartezeit; Anm.) ist bemerkenswert. Wir können mit Sicherheit annehmen, dass sie umso mehr entmutigt werden, je länger sie warten müssen." Die Wissenschafter achteten bei ihren Analysen sehr darauf, dass Ausbildungsstatus und andere Charakteristika der Asylwerber, deren Daten sie auswerteten, keinen Einfluss auf die Resultate hatten. Es hätte ja sein können, dass jene, welche eher eine Arbeit bekamen, wegen besserer Sprachkenntnisse etc. bevorzugt waren.

Wissenschafter hoffen auf Änderung der Politik

Die Autoren wollen mit ihrer Studie eine Evidenz-basierte Politik in Fragen von Migration, Flüchtlingen und Asylwerbern propagieren. "Unser Ergebnis wurde von manchen Menschen erwartet. Aber Spekulationen sind das eine. Das Wissen um die Größe des Effekts und die Möglichkeit, die wirtschaftlichen Kosten und möglichen Einsparungen der Änderung einer Politik zu berechnen, ist etwas ganz Anderes", stellten die Wissenschafter fest.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-08-04 13:08:05
Letzte nderung am 2016-08-04 13:22:26



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