• vom 22.02.2017, 18:07 Uhr

Gesellschaft

Update: 23.02.2017, 11:52 Uhr

Sag's Multi

Do you speak Deutsch?




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Von Alexander Maurer

  • Das Finale des mehrsprachigen Rhetorikwettbewerbs "Sag’s Multi!" hat am Mittwoch in Wien begonnen.

Jacqueline Kappel debattiert in der Endrunde des Redewettbewerbs "Sag’s Multi!" auf Deutsch und Englisch um den Sieg. - © Niko Havranek

Jacqueline Kappel debattiert in der Endrunde des Redewettbewerbs "Sag’s Multi!" auf Deutsch und Englisch um den Sieg. © Niko Havranek

Wien. "But we are only one small fraction of humanity. There are so many people who do not have this possibility. Mein sehr verehrtes Publikum! Malala setze sich für ihre Träume und Ziele ein, weil für sie eines klar ist: Wissen bereichert." Jaqueline Kappel steht am Pult der Vienna Businessschool am Hamerlingplatz in der Josefstadt und geht mit ihrer Rede in den Endspurt. Sie hat schon zum fünften Mal ihre Präsentationssprache gewechselt. Die 17-jährige Schülerin aus Mödling hat sich aber nicht verlesen oder ist nervös. Im Gegenteil, ihre linguistischen Hüpfer werden vom Publikum goutiert und aufmerksam verfolgt. Denn sie befindet sich in der ersten Endrunde des mehrsprachigen Redewettbewerbs "Sag’s Multi!", die am Mittwoch in der Donaumetropole abgehalten wurde.

50 Sprachen vertreten

Der mehrsprachige Redewettbewerb für Schüler findet dieses Jahr bereits zum achten Mal statt. Im vergangenen Jahr nahmen 491 Schüler aus allen Bundesländern teil, die neben Deutsch 41 unterschiedliche Sprachen beherrschen. Heuer sind es mittlerweile 50 Sprachen. Zur Anmeldung berechtigt sind alle mehrsprachigen Schüler ab der siebten Schulstufe, egal ob Hauptschule, Fachschule, Gymnasium oder Neue Mittelschule. Wer Deutsch und eine weitere Sprache beherrscht, ist dabei.

Die Liste der Zweitsprachen der Schüler liest sich wie eine Weltkarte. Spanisch, Tschechisch, Russisch, Arabisch, Kurdisch, Farsi, das afghanische Pashto, Hindi, Ukrainisch, Hebräisch, Französisch, das philippinische Tagalog, Italienisch, Armenisch und Chinesisch sind unter anderem vertreten. Veranstaltet wird der Redewettbewerb vom Verein Wirtschaft für Integration. Dessen Obleute, Georg Kraft-Kinz und Ali Rahimi sehen die Veranstaltung vor allem als Signal für "Weltoffenheit und das Engagement von wachen, jungen Menschen."

Auch der Geschäftsführer des Vereins, Peter Wesely, bricht eine Lanze für die Mehrsprachigkeit. "Wer neben Deutsch noch eine weitere Fremdsprache beherrscht, verfügt über ein Riesenplus." Neben dem persönlichen Horizont stärken derartige Fähigkeiten auch die Gesellschaft sowie die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes, so Wesely.

Lautes Denken

568 Schüler aus 140 Schulen in ganz Österreich wurden von ihren Schulen für die diesjährige Teilnahme am Wettbewerb nominiert. 104 von ihnen haben sich in neun Regionalrunden für die Finalteilnahme am rhetorischen Wettstreit qualifiziert. 16 Sprachen haben es in die Endrunde geschafft, darunter das persische Dari, Dänisch, Estnisch, Serbisch, Spanisch, Türkisch und Ungarisch. Die diesjährige Veranstaltung steht unter dem Leitthema "Think out loud!". Alle Teilnehmer können für ihren Redebeitrag aus fünf Unterkategorien wählen, beispielsweise "Das war aber schon immer so?!", "Zwischen Angst und Mut" oder "Deine Meinung, meine Meinung - wo treffen wir uns?". Der Inhalt der Reden selbst ist dann den Schülern überlassen.

Jacqueline Kappel hat sich für ein Zitat der pakistanischen Kinderrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai entscheiden: "Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern." Wichtig ist aber, dass während des Vortrags zwischen Deutsch und einer zweiten Sprache, wobei es egal ist, welche, gewechselt wird. Je öfters, desto besser, wer nicht einfach nur seine Rede hintereinander in zwei Sprachen vorträgt, sondern oft alterniert, bekommt von der Jury mehr Punkte. Auch Jaqueline Kappel hat sich für die schwierigere Variante entschieden, wobei sie sehr auf die Ausgewogenheit der einzelnen Sprachblöcke geachtet hat.

Großer Schatz

Auch Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky saß bei der ersten Endrunde im Publikum. Für ihn stellt Mehrsprachigkeit einen "großen Schatz und eine große Bereicherung für jeden Menschen" dar. Mehrsprachigkeit sei das Aushängeschild jeder modernen Großstadt. Für die Teilnehmer des Rhetorikwettbewerbs sei bereits jetzt Realität, was der Bildungsstadtrat als sein Ziel für ganz Wien sieht. Denn jedes Kind in Wien solle in Zukunft neben Deutsch mindestens zwei weitere Sprachen erlernen. Dies fördere nicht nur Kreativität, sondern verbessere auch die Chancen am Arbeitsmarkt, so Czernohorszky.

Integrationsstaatssekretärin Muna Duzdar, die dem Redewettbewerb ebenfalls beiwohnte, zeigt sich von dem Projekt begeistert. "Mehrsprachigkeit ist für mich eine große Bereicherung, die in unserer Gesellschaft und Wirtschaft von großer Bedeutung ist. Ich bin selbst mehrsprachig aufgewachsen und habe davon sehr profitiert", so Duzdar.

Die Schüler haben noch bis Anfang März die Gelegenheit, einander in multilingualer Rhetorik zu übertrumpfen. Die 15 Gewinner werden am 14. März bei der Preisverleihung im Festsaal des Wiener Rathauses bekannt gegeben. Als Preis winkt ihnen eine Gruppenreise in eine europäische Stadt. Sechs der Gewinner des vergangenen Jahres stammten übrigens aus Wien. Sie sprechen neben Deutsch Pashto, Türkisch, Aserbaidschanisch, Chinesisch und Hebräisch.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-02-22 18:11:05
Letzte ─nderung am 2017-02-23 11:52:07



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