• vom 14.03.2017, 16:41 Uhr

Gesellschaft

Update: 14.03.2017, 16:53 Uhr

Schülerunion

"Mehr als nur Deutsch lernen"




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Von Alexander Maurer

  • Wiens Schüler wünschen sich laut Umfrage neben Vorbereitungsklassen Gemeinschaftsunterricht für Flüchtlinge.

Gemeinschaftsunterricht und Lernbuddys sollen helfen, jugendliche Flüchtlinge schneller in den Unterricht zu integrieren. - © Stanislav Jenis

Gemeinschaftsunterricht und Lernbuddys sollen helfen, jugendliche Flüchtlinge schneller in den Unterricht zu integrieren. © Stanislav Jenis

Wien. Die Wiener Schülerunion hat im Rahmen ihrer Kampagne "vie.lfalt" ein Stimmungsbild zum Umgang mit Flüchtlingen an Wiener Schulen erhoben. Ernüchternd: Von den mehr als 10.000 Befragten sind 87 Prozent der Ansicht, dass die Einbindung von Flüchtlingen in den Schulalltag derzeit nicht ausreichend umgesetzt wird. Haben vorrangig Schüler an der Studie teilgenommen, sind auch die Stimmen von über 500 Lehrern miteingeflossen. Bei diesen zeigt sich jeder zweite mit der aktuellen Situation überfordert, wünscht sich Fortbildungen und mehr Sozialarbeiter an den Schulen. "Das zeigt, dass die Lehrer die Leidtragenden der aktuellen Politik sind", erklärt der Wiener Schülerunions-Obmann Ebrahim Radwan bei der Ergebnispräsentation am Dienstag.

Für ein in der politischen Diskussion heißes Eisen, nämlich Vorbereitungsklassen für geflüchtete Schüler, sprechen sich 81 Prozent der Befragten aus. Flüchtlinge lernen dann, je nach Vorbildung, entweder in Basisklassen oder Internationalen Vorbereitungsklassen Deutsch. Ab Sprachniveau A2, das ihnen zumindest Grundlagen bescheinigt, sei der Wechsel in eine der Leistung entsprechende Regelklasse möglich. "Wir haben uns hierbei an der Hamburger Praxis orientiert, die seit 2012 im Einsatz ist und gut funktioniert", erklärt Raphael Suchomel von der Schülerunion.

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Nicht im Hamburger Modell inbegriffen ist der sogenannte Gemeinschaftsunterricht, der parallel zu den Vorbereitungsklassen stattfinden soll. In Fächern wie Turnen, Werken, Bildnerischer Erziehung und Englisch (sofern die Sprachkenntnisse vorhanden sind) sollen Flüchtlingskinder gemeinsam mit den Schülern unterrichtet werden. Dafür würden sich auch knapp 80 Prozent der Umfrageteilnehmer aussprechen. "Integration bedeutet viel mehr als nur Deutsch lernen", bekräftigt Ebrahim Radwan und betont, dass die soziale Komponente ebenfalls eine große Rolle spiele.

Früh Kontakte knüpfen
"Die Flüchtlinge sollen so auch schon Kontakte zu ihren Mitschülern knüpfen können und nicht komplett abgeschottet sein", erklärt Suchomel. "Auch kommunizieren die Schüler in diesen Fächern stärker untereinander statt der starren Frontalkommunikation mit dem Lehrer", sagt er.

Der grüne Bildungssprecher David Ellensohn zeigt sich vom Engagement der Schüler beeindruckt. "Auch ist das Ausmaß der Umfrage gewaltig. In der Politik oder den Medien arbeitet man oft nur mit 500 bis 1000 Befragten", meint er. Den Wunsch nach mehr Sozialarbeitern verstehe er. 100 zusätzliche Kräfte für Wien seien zwar bereits vereinbart, aber noch nicht im Dienst. Auch stehe Ellensohn prinzipiell hinter Lehrerfortbildungen und Vorbereitungsklassen mit gemeinsamem Unterricht. "Wichtig ist, die Schüler nicht in Ghettoklassen abzuschotten", betont er. Auch FPÖ-Bildungssprecher Maximilian Krauss befürwortet die Forderungen der Schülerunion grundsätzlich, pocht aber auch auf Deutschpflicht im Gemeinschaftsunterricht. "Es kommt jetzt schon in Klassen zu Gruppenbildungen, wenn der gemeinsame sprachliche Nenner fehlt", sagt er dazu.

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Dokument erstellt am 2017-03-14 16:45:07
Letzte ─nderung am 2017-03-14 16:53:51



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