• vom 07.04.2017, 14:42 Uhr

Gesellschaft

Update: 07.04.2017, 14:59 Uhr

Deutschland

Willkommenskultur unter Stress




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, AFP

  • Insgesamt ist die Gesellschaft offen für Flüchtlinge, aber es herrscht ein klares Ost-West-Gefälle in Deutschland.

Bröckelt die Willkommensbereitschaft in Deutschland? Kommt darauf an, zeigt eine Studie: Im Osten eher als im Westen. - © APAweb/dpa/Roland Weihrauch

Bröckelt die Willkommensbereitschaft in Deutschland? Kommt darauf an, zeigt eine Studie: Im Osten eher als im Westen. © APAweb/dpa/Roland Weihrauch



Gütersloh. Die Willkommenskultur bekommt Kratzer: Eine knappe Mehrheit von 54 Prozent der Deutschen sieht ihr Land einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung zufolge bei der Aufnahme weiterer Flüchtlinge an der "Belastungsgrenze" angekommen. Vor zwei Jahren hätten nur 40 Prozent der Deutschen diese Auffassung geteilt, berichtete die Stiftung am Freitag in Gütersloh.

Insbesondere in Ostdeutschland scheint die Skepsis gegen den Zuzug von Flüchtlingen und Einwanderung demnach allgemein zuzunehmen. Dort sind der Umfrage zufolge nur noch 33 Prozent der Bürger nach eigenen Angaben davon überzeugt, dass die Gesellschaft Flüchtlinge insgesamt "offen" aufnehme.

Information

Willkommenskultur im Stresstest (PDF) - Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung

Ost-West-Gefälle

Im Westen sind mit 65 Prozent etwa doppelt so viele Befragte dieser Meinung. Auch was die Einschätzung der Aufnahmebereitschaft für sämtliche Einwanderergruppen angeht, sieht die Stiftung ein klares Ost-West-Gefälle. Im Osten sind 53 Prozent der Meinung, die Gesellschaft heiße Einwanderer willkommen. Im Westen sind es 74 Prozent.

Generell präge das alles überlagernde Flüchtlingsthema inzwischen stark die Meinung der Bürger zur Einwanderung insgesamt, erklärten die Gütersloher Experten. Wie vor zwei Jahren gelte die Anwerbung qualifizierter Arbeitskräfte noch immer jedem Dritten als wichtiges Instrument gegen den Fachkräftemangel. Allerdings schrieben die Deutschen Zuwanderung längst nicht mehr so positive Effekte zu wie in der Vorgängerstudie 2015.

So stieg der Anteil derer, die zusätzliche Belastungen für den Sozialstaat erwarten, in der aktuellen Befragung deutlich auf 79 Prozent. Vor zwei Jahren waren es nur 64 Prozent der Befragten. Zugleich erwarteten jetzt 72 statt ebenfalls etwa 64 Prozent Konflikte zwischen Einheimischen und Zuwanderern. 65 Prozent waren zudem der Meinung, Einwanderung verschärfe die Wohnungsnot in Ballungszentren. 2015 waren es 52 Prozent.

"Die Stimmung verändert sich"

"Die Stimmung der Bevölkerung gegenüber weiterer Zuwanderung verändert sich", erklärte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Es komme nun unter anderem darauf an, die Kommunen stärker bei der Integration von bleibeberechtigten Flüchtlingen zu unterstützen. Wichtig seien etwa neue Investitionen in den sozialen Wohnungsbau. "Konkurrenzsituationen zwischen Einheimischen und Einwanderern sind zu vermeiden."

Dräger verwies zudem auf die laut Umfrage unter den Deutschen ebenfalls weit verbreitete Meinung, dass innerhalb der EU nun eine faire Verteilung von Flüchtlingen nach Kriterien wie Wirtschaftskraft und Bevölkerungszahl angesagt sei. "Die Menschen in Deutschland blicken selbstbewusst darauf zurück, so viele Flüchtlinge so freundlich empfangen zu haben. Sie sagen aber auch: Jetzt sind andere Länder ebenfalls an der Reihe."

Mit der Befragung beauftragt war das Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid. Es befragte im Jänner 2014 Menschen im Alter ab 14 Jahren. Bereits 2015 und 2012 hatte die Bertelsmann-Stiftung vergleichbare Studien zum Thema Willkommenskultur vorgestellt.

Werbung




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-07 14:23:37
Letzte nderung am 2017-04-07 14:59:37



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. EU-Kommissar: Zusagen für Aufnahme von 25.000 Flüchtlingen in EU

Werbung




Werbung


Werbung