• vom 26.04.2017, 13:17 Uhr

Gesellschaft

Update: 26.04.2017, 14:32 Uhr

Umfrage

"Integration" für Österreicher Thema und Sorge Nummer eins




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Von WZ Online, APA

  • 1.000 Österreicher wurden zum Integrationsverständnis befragt. Die meisten fürchten eine Verbreitung des radikalen Islams.

Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Palästina besuchen im Rahmen des Projekts "Treffpunkt Österreich" des ÖIF ein Unternehmen in der Lobau, um sich über ihre Arbeitschancen zu informieren. - © ÖIF

Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Palästina besuchen im Rahmen des Projekts "Treffpunkt Österreich" des ÖIF ein Unternehmen in der Lobau, um sich über ihre Arbeitschancen zu informieren. © ÖIF

Wien. "Der Begriff der Integration ist trotz aller Definitionsangebote bis heute eher vage geblieben. Das macht ihn für eine Vielzahl von Debatten anschlussfähig, sorgt aber auch für eine babylonische Diskussionslage" Diese 2005 gestellte Diagnose aus dem und für den Wissenschaftsbereich, der sich mit Integration befasst, könnte eine Kurzcharakteristik der Ergebnisse darstellen, die bei der am Mittwoch veröffentlichten Bevölkerungsbefragung "Was denkt Österreich?" zutage traten.

Auf die (offene) Frage, was man denn im Zusammenhang mit Migranten und Flüchtlingen unter "Integration" verstehe, wusste zwar jede etwas zu antworten, aber die Antwortmuster, die teils auch Ängste (seltener Hoffnungen), teils Erwartungen (Anpassung) und zu treffende Maßnahmen beinhalten, erwiesen sich als außerordentlich vielfältig und sprechen die verschiedensten Themen wie Lebensbereiche, Gesetze, Werte, Kosten oder Religion.

Größte Sorge ist radikaler Islam

Die Integration von Flüchtlingen und Migranten ist für die Österreicher aktuell das wichtigste Thema vor Pensionen, Steuern und der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Österreicher erwarten von Flüchtlingen die Akzeptanz von Gesetzen und Werten sowie Deutschkenntnisse. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF).

Insgesamt wurden für die Studie zum Integrationsverständnis 1.000 Österreicher ab dem 16. Lebensjahr befragt. Sorgen bereiten knapp drei Viertel demnach die Angst vor der Verbreitung eines radikalen Islams (73 Prozent), die Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern in Schule und Arbeitswelt (73 Prozent) sowie der Zustrom von Flüchtlingen und Asylwerbern (72 Prozent). Zum Vergleich: die Sicherung ausreichender Pensionen bereitet 72 Prozent der Österreicher Sorgen, die hohe Steuerbelastung 69 Prozent, die Entwertung der Spareinlagen durch Inflation und niedrige Zinsen 65 Prozent, die Engpässe in Spitälern und Ambulanzen 64 Prozent und die hohe Staatsverschuldung 52 Prozent.

Akzeptanz der Gesetze und Deutschkenntnisse

Als wichtige Faktoren für gelungene Integration führten fast 100 Prozent der Befragten die Akzeptanz in Österreich geltender Gesetze sowie die Aneignung guter Deutschkenntnisse an. Für 9 von 10 Befragten ist es außerdem zentral, die in Österreich geltenden Werte zu übernehmen sowie selbsterhaltungsfähig zu sein. Was die Verantwortung für Integration betrifft, gaben mehr als drei Viertel der Befragten an, dass in erster Linie Migranten selbst für ihre Integration verantwortlich seien. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten meinte, eine Verantwortung für Integration auch beim Staat zu sehen.

Unter schlechter Integration verstehen 90 Prozent der Befragten, dass Vorschriften der eigenen Religion über staatliche Gesetze gestellt werden. Für mehr als 8 von 10 Befragten ist schlechte Integration auch durch die fehlende Anpassung an österreichische Lebensgewohnheiten sowie die Ablehnung der Gleichberechtigung von Mann und Frau und mangelnde Deutschkenntnisse gekennzeichnet.

Wertekurse als Basis

Die Ergebnisse der Studie zeigen die Erwartungshaltung der Österreicher gegenüber Zuwanderern und Flüchtlingen, erklärte Integrationsfonds-Geschäftsführer Franz Wolf am Mittwoch in einer Aussendung. "Deutschkenntnisse, der Einstieg in den Arbeitsmarkt, Rechtsstaat und Werte - diese Indikatoren wurden bereits 2010 im Nationalen Aktionsplan für Integration festgesetzt, der seither Leitfaden für Maßnahmen der Integrationspolitik ist", so Wolf.

Die Werte- und Orientierungskurse legten die Basis für das Zusammenleben in Österreich und vermittelten Werthaltungen der österreichischen Gesellschaft wie Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit. Seit dem Start der Wertekurse konnten laut Wolf über 20.000 Flüchtlinge erreicht werden.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-26 13:05:28
Letzte nderung am 2017-04-26 14:32:08



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