• vom 20.09.2017, 12:01 Uhr

Gesellschaft

Update: 20.09.2017, 13:50 Uhr

Veranstaltung

Seyran Ates im Gespräch über Frauenrechte und liberalen Islam




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Von WZ Online

  • ÖIF-Diskussion zum Islam in Europa und Integration von muslimischen Frauen.

Seyran Ateş, Imamin und Gründerin einer liberalen Berliner Moschee, betont: "Wir müssen uns für einen liberalen Islam einsetzen. Das bedeutet auch sich für Frauenrechte einzusetzen. - © APAweb/AFP, John MacDougall

Seyran Ateş, Imamin und Gründerin einer liberalen Berliner Moschee, betont: "Wir müssen uns für einen liberalen Islam einsetzen. Das bedeutet auch sich für Frauenrechte einzusetzen. © APAweb/AFP, John MacDougall

Wien. Unter dem Titel "Musliminnen in Österreich. Zwischen Tradition und Moderne" fand im Wiener Haus der Musik am 19. September eine vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) veranstaltete Expertinnen-Diskussion statt: Imamin und Rechtsanwältin Seyran Ateş, Politikwissenschaftlerin Nina Scholz, Nahostexpertin Karin Kneissl und Carla Amina Baghajati, Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, sprachen über Herausforderungen bei der Integration von muslimischen Frauen. Mit über 150 Besucher/innen diskutierten die Expertinnen auch über neue Rollenbilder und darüber, ob ein "Islam europäischer Prägung" für die Integration von Frauen notwendig ist.

Ateş: "Einsatz für liberalen Islam bedeutet auch Engagement für Frauenrechte"

Information

Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 26.09. zum Thema "Integration und Islam: Musliminnen zwischen Tradition und Moderne" mit Frauenrechtsaktivistin Zana Ramadani und Susanne Raab, Leiterin der Sektion Integration im Bundesministerium für Europa, Integration und
Äußeres (BMEIA), statt. Weitere Infos finden Sie unter
www.integrationsfonds.at/veranstaltungen

Seyran Ateş, Imamin und Gründerin einer liberalen Berliner Moschee, betont: "Wir müssen uns für einen liberalen Islam einsetzen. Das bedeutet auch sich für Frauenrechte einzusetzen. Mir ist es eben wichtig, dass Frauen und Männer gemeinsam frei beten können – mit oder ohne Kopftuch. Frauen müssen die gleichen Möglichkeiten haben wie Männer." Für die Rechtsanwältin mit über dreißig Jahren Erfahrung in der Frauenberatung ist eines klar: "Nicht alle muslimischen Familien leben nach veralteten, traditionellen Vorgaben. Aber dennoch müssen wir offen über all jene Fälle reden, in denen Frauen dadurch unterdrückt werden oder im Namen von Religion oder patriarchalen Vorstellungen Gewalt erfahren."

Nahostexpertin Karin Kneissl warnt ebenso vor einer Orientierung an überholten Traditionen: "Denke ich an das Afghanistan oder den Iran der 1970er-Jahre zurück, dann war das geprägt von Freiheit: Frauen in Vereinen, am Strand und auf der Universität – ohne Kopftuch. Heute ist das anders. Muslimische Frauen müssen sich plötzlich – auf Wunsch ihres männlichen Umfelds – verhüllen und treten gesellschaftlich in den Hintergrund. Das ist eine Rückentwicklung. Hier müssen wir – auch in Österreich – wachsam bleiben, denn: Sind Frauen nicht gleichberechtigt, ist das negativ für die gesamte Gesellschaft."

Problematische Konzepte von Ehre als Integrationshindernis für Frauen

Für Politikwissenschaftlern Nina Scholz liegt das größte Integrationshindernis bei der Integration muslimischer Frauen und Mädchen oftmals in überholten Ehrkonzepten, die über Generationen weitergegeben werden: "Oft wird in traditionellen, sehr muslimischen Familien ein ganz bestimmtes Ehrgefühl vermittelt. Ehre hängt hier am sexuellen und allgemeinen Wohlverhalten des Mädchens. Dieser Druck lastet auf zehntausenden Frauen in Europa. Diese sehr konservativen Vorstellungen sind das größte Integrationshindernis, denn sie verhindern ein selbstbestimmtes Leben von Mädchen und Frauen."

Carla Amina Baghajati, Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), betont wie wichtig es sei, die Stellung der Frau innerhalb der muslimischen Communities zu thematisieren: "Der Innendiskurs der Muslime wird stark davon geprägt, was von außen darüber gesagt wird. Man sollte sich nicht von Politik vorgeben lassen, was liberaler und europäischer Islam ist. Wir – die muslimischen Communities - sollten das im gegenseitigen Austausch tun. Dieser innerislamische Dialog betrifft natürlich auch die Rechte und die Situation der Frauen im Islam."

Weitere ÖIF-Veranstaltungen zu Integration, Islam und Zusammenhalt

Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) widmet sich im Herbst 2017 mit zahlreichen Veranstaltungen aktuellen Themen der Integrationsdebatte: Namhafte Expert/innen wie Mouhanad Khorchide, Hamed Abdel-Samad oder Zana Ramadani diskutieren über Herausforderungen der Integration muslimischer Flüchtlinge, über die Entwicklung eines Islams europäischer Prägung, die Integration von Frauen mit Migrationshintergrund und darüber, wie ein friedliches Zusammenleben in Zukunft gesichert werden kann.





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Dokument erstellt am 2017-09-20 12:08:48
Letzte nderung am 2017-09-20 13:50:39



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