• vom 05.12.2017, 07:55 Uhr

Gesellschaft

Update: 05.12.2017, 09:11 Uhr

Polizeisicherheitsverdienstpreis

Voneinander lernen




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexander Maurer

  • Das Projekt "Sicherheit und Polizei" will Vorbehalte von Asylwerbern gegenüber der Exekutive abbauen.

Polizisten und Flüchtlinge lernen im Zuge eines Präventionsprojekts, einander besser zu verstehen. - © apa/Neubauer

Polizisten und Flüchtlinge lernen im Zuge eines Präventionsprojekts, einander besser zu verstehen. © apa/Neubauer

Wien. "Löst Probleme erst mal selbst und geht nur im Notfall zur Polizei." Diese Ansicht ist unter Flüchtlingen, vor allem aus dem arabischen Raum, stärker verbreitet. Das Vertrauen in die Exekutive ist oft nicht groß, da die Beamten in den Herkunftsländern meist in Selbstjustiz agieren, wie Roland Fahrnberger aus der Abteilung Kriminalprävention der Polizei Wien im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt.

Seit zwei Jahren arbeitet er am Programm "Sicherheit und Polizei", wo er mit Aufklärungsarbeit und seit März auch mit Vorträgen versucht, das Vertrauen in die Polizei seitens der Flüchtlinge zu stärken und schlussendlich auch Vorurteile abzubauen und Verständnis zu schaffen - aber auf beiden Seiten. Mit seinem Team wurde er dafür gestern mit dem Polizeisicherheitsverdienstpreis ausgezeichnet, der außerordentliches Engagement im Polizeidienst würdigt. Der Preis wird heuer zum 40. Mal von der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien an fünf Einheiten vergeben.


Vorurteile wegen Selbstjustiz
Fahrnberger hat nicht erst seit den Fluchtbewegungen 2015 mangelnde Kommunikation und verhärtete Vorurteile zwischen Flüchtlingen, Migranten, der Bevölkerung und auch den Beamten festgestellt. Dass ihm Kollegen von Skepsis der Migranten ihnen gegenüber berichten, ist ebenso keine Seltenheit. Dabei sind die rechtsstaatlichen Gegebenheiten in den Herkunftsländern oft ähnlich wie in Österreich. "Wenn ich von der Gewaltentrennung erzähle, schlafen mir die Syrer während der Vorträge fast ein, weil das bei ihnen im Prinzip genauso ist", meint Fahrnberger scherzend. Wie sich die Beamten in den Herkunftsländern daran halten, ist aber eine andere Sache.

Fahrnberger und sein Team werden regelmäßig von Experten über das Vorgehen der Polizei in den Fluchtländern geschult, um einen Überblick zu bekommen. "Im Zuge dessen wurde uns beispielsweise gezeigt, wie syrische Beamte mittels Stromschlägen ein Geständnis von jemand erzwungen haben, der aus der Not heraus eine kleine Menge an Nahrungsmitteln gestohlen hat", erinnert er sich.

Flüchtlinge selbst halten sich sehr bedeckt, wenn sie von der Exekutive in ihren Heimatländern erzählen. Trotzdem wären sich die Asylwerber und Flüchtlinge im Großen und Ganzen bewusst, dass die heimische Polizei anders arbeitet und sich an die Gesetze hält. "Die stabile politische Lage ist auch ein Hauptgrund, wieso diese Menschen nach Österreich kommen", gibt Roland Fahrnberger zu bedenken.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-12-04 17:35:05
Letzte ─nderung am 2017-12-05 09:11:14



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. SPD beißt mit Wunsch nach Familiennachzug auf Granit
  2. Schwerpunkt Migration in Tiroler Landesmuseen
  3. Forderungen nach Abschiebestopp für Afghanen
  4. Voneinander lernen
  5. Präsident der UN-Vollversammlung wirbt für globalen Migrationsvertrag
Meistkommentiert
  1. SPD beißt mit Wunsch nach Familiennachzug auf Granit
  2. Forderungen nach Abschiebestopp für Afghanen
  3. Schwerpunkt Migration in Tiroler Landesmuseen
  4. Präsident der UN-Vollversammlung wirbt für globalen Migrationsvertrag

Werbung




Werbung


Werbung