• vom 11.02.2011, 19:07 Uhr

Gesellschaft

Update: 11.02.2011, 19:08 Uhr

In Ägypten sind die Muslimbrüder wichtiger Faktor der Revolution - ihre Anhänger demonstrieren auch in Wien

Unterwegs auf dem "Weg der Mitte"




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Von Stefan Beig

  • Muslimbrüder auch in Österreich auf Besuch.
  • "Der ägyptische Staat wäre ohne Muslimbrüder zusammengebrochen."
  • Wien. Seit den Umwälzungen in Ägypten sind die Muslimbrüder als wichtige Oppositionsbewegung in aller Munde. "Muslimbrüder gibt es auch in Europa und Österreich", meint Elsayed Elshahed, Direktor des "Instituts für Interkulturelle Islamforschung" in Wien. Über ihre Mitgliedschaft müssten aber die Muslimbrüder selber reden.

Die Liga Kultur, die Kontakte zu Muslimbrüdern pflegt, beteiligt sich auch an heimischen Demos. Foto: apa

Die Liga Kultur, die Kontakte zu Muslimbrüdern pflegt, beteiligt sich auch an heimischen Demos. Foto: apa Die Liga Kultur, die Kontakte zu Muslimbrüdern pflegt, beteiligt sich auch an heimischen Demos. Foto: apa

Elshahed ist gebürtiger Ägypter und verfolgt die Ereignisse aufmerksam. Was hält er von den Warnungen arabischer Herrscher vor der Bewegung? "Die Muslimbrüder sind wie alle politischen Bewegungen sicher keine Engel; es gibt einen extremen Flügel, die Mehrheit sind komplett friedliche Mitglieder. Ihre Verteufelung dient der Legitimation eines korrupten Systems."

Offizielle Organisationen der Muslimbrüder gibt es in Österreich nicht. Spricht man heimische Muslime auf die Gruppierung an, werden meist die beiden Vereine Liga Kultur in Wien und in Graz genannt, die 1999 gegründet wurden. "Die Behauptung, zu den Muslimbrüdern zu gehören, betrachten wir nicht als Vorwurf", meint dazu Aiman Morad, ehemaliges Vorstandsmitglied der Wiener Liga Kultur. "Die Muslimbrüder sind weltweit eine Bewegung. Ihr Gedankengut wird von der Mehrheit der Muslime getragen. Wir sind keine Ausnahme. Organisatorisch haben wir mit den Muslimbrüdern nichts zu tun. Es gibt keine Organisation der Muslimbrüder in Europa."


Ebenso erklärt Kamel Mahmoud von der Liga Kultur in Graz: "Wir unterstützen nur das Gedankengut der Muslimbrüder. Wir nennen es den Weg der Mitte." Was das bedeutet, erläutert Morad: "Wir sind der moderateste Teil innerhalb der religiösen Muslime." Man sei zwischen den Extremen: auf der einen Seite extremistische, dschihadistische Richtungen, auf der anderen die areligösen Muslime. Die Vereine Liga Kultur seien religiös-soziale Einrichtungen. "Wir arbeiten eng zusammen."

Aiman Morad ist gebürtiger Syrer und floh 1981 nach Österreich. Damals wurden die Muslimbrüder vom syrischen Regime brutal verfolgt. "Ich war 18 Jahre alt und widerspenstig. Die konnten mich dort nicht mehr dulden", berichtet er. An Rückkehr ist seither nicht mehr zu denken. "Der syrische Geheimdienst hat ein langes Gedächtnis."

Schon bald war Morad in der heimischen Islamszene aktiv, Anfang der 80er Jahre etwa in der Moschee in der Wiener Lindengasse, die er aber bald verließ. "Die Moschee geriet damals in falsche Hände", erzählt Morad. Später wirkte in der Lindengasse der Vater von Mohammed M., der 2008 wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung zu vier Jahren Haft verurteilt worden ist.

Mit Beginn der 90er Jahre wurde Morad in der Hidaya-Moschee in Wien-Leopoldstadt tätig. Ihre Leitung hängt heute direkt mit der Liga Kultur zusammen. Manche Veranstaltungen der Liga Kultur, wie das Studium des Korans am Samstag, finden in der Hidaya-Moschee statt. Bis vor zehn Jahren wirkte in der Moschee der prominente Imam Adnan Ibrahim. Der aus Palästina stammende Vorbeter hat eine breite Anhängerschaft, bei der er als moderat und vielseitig belesen gilt. In der Öffentlichkeit litt sein Ruf merklich, als Ende 2006 Predigten von ihm bekannt wurden, in denen er die "Märtyrer" in Palästina und dem Irak verherrlichte. Später bezeichnete er Israel als "Bestie".

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Dokument erstellt am 2011-02-11 19:07:38
Letzte ─nderung am 2011-02-11 19:08:00



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