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Update: 03.02.2013, 17:09 Uhr

Kultur

Feindbild Islam




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Von Christa Hager

  • November 2012
  • Der deutsche Politologe Werner Ruf untersucht in "Schrecken des Abendlandes", wie der Westen das Bild vom "bösen Moslem" konstruiert

Statt von "Rasse" ist heutzutage von Kultur die Rede, wenn es darum geht, den "Anderen"  schlecht zu machen und zu diskriminieren.

In dem kurzen und übersichtlichen Büchlein "Der Islam - Schrecken des Abendlandes. Wie sich der Westen sein Feindbild konstruiert" beleuchtet  der deutsche Politologe Werner Ruf wie sich in den vergangenen zwanzig Jahren das Stereotyp vom Moslem als böse, gefährlich, fundamentalistisch und terroristisch durchsetzten konnte. Zum einen geht die Entwicklung auf das Ende der UdSSR zurück: der "Westen" und die NATO brauchten ein neues Feindbild, der amerikanische Politologe Samuel Huntington Rolle lieferte in seinem 20seitigen Aufsatz über den Zusammenprall der Kulturen den dafür. Damit verbunden: Sicherheitspolitik wurde zur neuen Legitimation der NATO.  Zum anderen liefert die Tatsache, dass sich das "Eigene" immer in Abgrenzung " zum Anderen" definiert, eine tiefenpsychologische Begründung  für diese irrationale Entwicklung.


In seinem aktuellen Buch zeichnet Ruf in zwölf Kapiteln den Kontext dieses alten Rassismus in neuem Gewand nach. Die Auseinandersetzung mit dem Thema gelingt kurz und bündig und übersichtlich mit einem breiten Themenspektrum: Ruf beginnt mit Psychologie und einem Abriss aus  Religionsgeschichte, er präzisiert unter anderem die geopolitischen Interessen im Nahen Osten, zeigt Kontinuitäten der Stereotype und die Konstruktion des Feindbildes durch NATO und Politiker. Die Wirkungsmacht der Islamophopie in unserer Gesellschaft ebenso behandelt, wie die Hintergründe zur rassistischen Propaganda von Henryk Broder oder Thilo Sarrazin.

Information

Werner Ruf, Der Islam - Schrecken des Abendlands: Wie sich der Westen sein Feindbild konstruiert (PapyRossa, 2012)

Siehe auch: Der Autor Werner Ruf im Interview

Weiters zeigt der Autor in einem historischen Überblick, inwieweit Antisemitismus und Antiislamismus verwandt sind.  Abschließend weist Ruf noch dezidiert auf den grundsätzlichen Weg aus der gefährlichen Einbahnstraße Rassismus hin: nämlich die Anerkennung der Gleichheit aller Menschen – egal welcher Religion, oder Kultur sie angehören oder aus welchem Land sie kommen, sowie die Anerkennung der Würde aller als Menschen.

Der Kürze und dem erst jungen Veröffentlichungsdatum ist es wohl auch geschuldet, dass aktuelle Ereignisse nicht mehr in die Analyse Eingang fanden. Hier wäre es zum Beispiel interessant gewesen, mehr über Missbrauch den Missbrauch religiöser Leidenschaft für politische Zwecke, wie seit den Arabischen Revolutionen im Nahen Osten oder in Nordafrika verstärkt zu beobachten ist, zu erfahren. Damit wäre auch verbunden, mehr über den Kampf aufgeklärter Kräfte Nordafrikas und im Nahen Osten gegen islamistische Tendenzen zu erfahren.

Etwas pauschalierend ist ferner das kurze Unterkapitel über die "diffuse Strömung" (p. 99) der "Antideutschen" als rassistische Akteure ausgefallen:  denn weder die im Buch vollzogene  mediale Zuordnung noch das Charakteristikum, sie hätten sich als ehemalige Linke der Kapitalismuskritik entledigt, sind so einfach auf diese Strömung anzuwenden.
Abgesehen davon bietet das Buch eine gute Einführung zum Thema Feindbild Islam, das sich vor allem durch ihre Kürze von den vielen anderen Büchern, die es dazu bereits gibt, abhebt.




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Dokument erstellt am 2012-11-26 15:15:01
Letzte ─nderung am 2013-02-03 17:09:31



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