• vom 16.07.2016, 12:17 Uhr

Bier

Update: 11.08.2016, 16:53 Uhr

Bier im Visier / Wiener Journal

"Not everybody drinks sweet tea"*


Jürgen Ladstätter mag Bier gut gehopft. - © Simon Rainsborough 



  • Sehenswert (2)




Von Edit Rainsborough

  • *Brad Paisly: Southern Comfort Zone

Wenn ein längerer Amerikaaufenthalt zwei junge Tiroler dazu inspiriert, in der alten Heimat Bier zu brauen, entsteht etwas Exotisches.


So wie Jürgen Ladstätter stellt man sich einen modernen Cowboy vor. Buntes Tattoo auf dem Unterarm. Perfektes Lächeln. Einzig der Hut fehlt. Ein wenig erinnert er sogar an Jack Gyllenhaal. Allerdings kommt Ladstätter aus den Tiroler Bergen und ist weder Schauspieler, noch Revolverheld. Obwohl seine Heimat eine schöne Kulisse für einen Western wäre. Und auch vom amerikanischen Lebensgefühl – Country Music inklusive – würden die schönen Berge ein wenig vertragen. Dieser Meinung war Jürgen Ladstätter als er 2014 mit einem Freund, Simon Wabnig, eine Brauerei in Hall in Tirol unter dem Namen "CraftCountry Brewery" eröffneten.

Auch wenn ihren englischen Namen daheim in Tirol nicht jeder aussprechen kann, versperren die hohen Berge nicht den Blick auf die weite Welt. Vor allem nicht, wenn man ein junger Softwareentwickler ist. Und so wanderte Ladstätter 2008 in die Vereinigten Staaten aus und lernte eine Offenheit, ein Lebensgefühl kennen, das ihn begeisterte.

Information

Craft Country Brewery
Alte Landstraße 50, 6060 Hall in Tirol
www.craftcountry.beer

Vom 28. Juli bis 3. August. ist CraftCountry zu Gast bei den Ottakringer Braukultur-Wochen in Wien.


Teil dieses Lebensgefühls sind auch Grillen und Feiern. Dazu schenken Amerikas Homebrewer ihr Daheimgebrautes gerne von der Ladefläche ihrer Trucks aus. Feiern muss auch gelernt sein. Ladstätter hat es jedenfalls gelernt und ein wenig von dem Lebensgefühl mitgebracht, als er 2012 in die Heimat zurückkehrte.

Er hat in den USA jedoch nicht nur gefeiert. Bei der Brauerei Dogfish Head in Milton im Bundesstaat Delaware lernte er professionell Bier brauen und machte das nach seiner Rückkehr zunächst nach amerikanischem Vorbild für seine Freunde. Bald stand fest, dass ein Leben in der IT-Branche weder für Ladstätter, noch für Wabnig nicht viel mit Leidenschaft zu tun hat. Vorteile beim Bauen einer Brauerei bringt es allerdings schon, wenn man die Steuerung für die Brauanlage selber programmieren und dabei einiges sparen kann.

Womit bei CraftCountry nicht gespart wird, ist der Hopfen. "Hopfen muss sein", sagt Ladstätter. Nach guter amerikanischer Craft-Bier-Tradition. Und trotzdem fiel ihr erstes Bier, das auf den Markt kam, eher sanft aus: Ein Helles. Leicht gehopft. Das ist "Da'hoam". "Wir sind ja schließlich Tiroler", sagt Jürgen Ladstätter zum "leichten Einstieg".

Das erste Bier, das Ladstätter noch als Heimbrauer gebraut hatte, war jenes Amber Ale, das durch zitrusfruchtige Noten, schönem Malzkörper, herbe Hopfennoten und eine wunderschöne Bernsteinfarbe besticht. Mittlerweile ist dieses Rezept fix im Programm und nennt sich "Smasher".

Und während andere um fruchtig-bittere IPA-Bomben wetteifern, ließ sich CraftCountry von dem japanischen Aromahopfen "Sorache Ace" inspirieren. Packte etwas Reis dazu und die Meereskoralle Sango, die mit einer Fülle an Mineralstoffen als "natürliche Wasseraufbereitung für einen seidigen Abgang sorgt", wie Ladstätter erzählt. Dieses dritte Geschmacksexperiment "Miyamato" wurde von Bierpapst Seidl als eine der Bier-Innovationen des Jahres ausgezeichnet.

Denn bei jedem neuen Bier hat man noch "die Freude des Geschmacksexperiments", sagt Ladstätter, "bei den alten ist man nur noch Qualitätskontrolle". Und im heißen Sudhaus singt während dessen der amerikanische Country-Star Brad Paisley: "All you really need this time of year / Is a pair of shades / And ice cold beer / And a place to sit somewhere near / Water".

Erschienen im Wiener Journal vom 29. Juli 2016.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-08-01 12:47:53
Letzte Änderung am 2016-08-11 16:53:46


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