• vom 30.09.2016, 21:07 Uhr

Bier

Update: 14.02.2017, 20:22 Uhr

Bier im Visier / Wiener Journal

Nicht die Bohne


Kaffee-Bier ist nicht einfach die Kombination von Kaffee und Bier. - © Fotos: Simon Rainsborough  Genauso wenig sind sind sie immer dunkel und röstaromatisch.  Biersommelier, Brauer und Bierfachhändler Johannes Grohs plant sein eigenes Kaffee-Bier. - © Simon Rainsborough 



  • Sehenswert (3)




Von Edit Rainsborough


Um herauszufinden, was Kaffee im Bier kann, waren wir gemeinsam mit Biersommelier, Brauer und Bierfachhändler Johannes Grohs, der gerade an seiner Interpretation eines Kaffee-Bieres tüftelt, zu Gast bei Sascha Iamkovy. Der Drittplatzierte der Österreichischen Barista Staatmeisterschaften 2016 betreibt seit zwei Jahren das "Kaffee von Sascha" in der Pilgramgasse 3 in Wien Margareten und wird in Kürze ein neues Lokal eröffnen, wo er neben Kaffeespezialitäten auch Kreativbiere anbieten wird.

Nicht immer ist die Erscheinungsform eines Kaffee-Bieres dunkel und röstaromatisch. Das "Bio-Kaffee-Bier" der Brauerei Gusswerk aus Hof bei Salzburg präsentiert sich in einem unerwarteten golden-orangenen Ton. Geschmacklich und olfaktorisch allerdings ist "Deodato" ein klassischer Kaffee. Die feine Espresso-Note wird hier durch durch die typisch fruchtigen Nuancen eines Arabica Kaffees ergänzt. Hier wurde der Bio-Kaffee "Brasilien IAPAR rot" von der Wiener Kaffee-Rösterei Alt Wien als Espresso ins Bier gebracht. Das Gebräu ist eine Hommage an den ersten verbrieften Wiener Cafetier Joannes Deodato. Eine runde Sache!

Information

www.brauhaus-gusswerk.at/
vonfreude.de/
pohjalabeer.com/en/
www.eule-bier.com/
blackmamma.hu/
hitachino.cc/en/
kaffeevonsascha.at/
www.nextlevelbrewing.at/

Die Biere wurden der Redaktion fallweise gratis von den Brauereien zur Verfügung gestellt.

Die Brauspezialität "Café Dinho" – denn Bier darf man dieses Gebräu aufgrund des Reinheitsgebots nicht nennen – aus der Hamburger Wanderbrauerei "Von Freude" bietet einen überraschend modernen Zugang zum Thema Kaffee im Bier. Hier wird kalt gebrühter Dinho Kaffee aus Brasilien mit einem fruchtigen Pale Ale vermählt. Der Cold Brew – so nennt man den Kaffee, der mit kaltem Wasser übergossen mindestens zwölf Stunden lang darin zieht – beinhaltet weniger Säure und Bitterstoffe und ist das neue Lieblingsgetränk der Kaffeeliebhaber. Doch Cold Brew ist kein kalter Kaffee und bietet in Verbindung mit dem fruchtigen Pale Ale überraschend intensive Aromen: orangenfruchtige, grasige Noten und pure Kaffeebohnenfrische. Ein sommerlich leichter Eiskaffee mit nur 4,9 Volumenprozent Alkohol.

Auch das "Crema", ein "Coffee IPA" der Estnischen Brauerei Põhjala, läßt beim ersten hineinriechen alles andere als Kaffee im Bier vermuten. Ihr 6,5 Volumenprozent starker India Pale Ale ist ein typischer Vertreter dieses Bierstils. Das IPA präsentiert einen großen tropischen Früchtekorb für die Nase und erfreut den Gaumen mit ebenso tropenfruchtigen Aromen. Der aus Äthiopien stammende Yirgacheffe Aricha Kaffee, der kräftige und fruchtige Aromen mitbringt, passt wunderbar zu diesem Bierstil ohne sich als Kaffee in den Vordergrund zu drängen. Die hier eingesetzten gemahlenen Bohnen gehen eine bezaubernde Beziehung mit den fruchtigen Hopfenaromen ein.

Gänzlich ohne die Bohne kommt das "EULE Koffeinbier" aus Graz aus. Die belebenden Eigenschaften des Kaffees wurden dem Bier hier als pures Koffein zugesetzt. Als Reparaturbier konzipiert, ist dieses Bier der perfekte Koffeinkick für Biertrinker, denn es enthält fast so viel Koffein wie Energiedrinks. Das Bittere im Abgang erinnert zwar ein wenig an Aspirin, macht aber definitiv zur Nachteule. Eine bierige Alternative mit wachmachender Wirkung ganz ohne Kaffeegeschmack.

Fürgewöhnlich bringen Röstmalze die klassischen Kaffeearomen ins Bier. Seltener entsteht der an Kaffee erinnernde Geschmack durch die Zugabe von echtem Kaffee. Doch es gibt auch einige Beispiele, wo das schwarze Gold tatsächlich seinen Weg in die Flasche fand, um die Aromatik der Biere zu verstärken, abzurunden und zu verfeinern. Das Ergebnis: dunkle, schokoladig-samtige Röstaromen.

Die klassische Interpretation eines "Kaffee-Bieres" ist ein dunkles, röstaromatisches Porter oder als stärkere Variante ein Stout. Diese können mit verschiedenen Zutaten verfeinert werden: Mit Haferflocken für eine cremigere Textur werden sie zum Oatmeal Stout, durch den Zusatz von unvergärbarem Milchzucker zum Milk Stout, mit harmonischer Restsüße. Ebenso klassisch ist aber auch die tatsächlich mit Kaffee verfeinerte Variante als Coffee Stout oder Coffee Porter, bei denen sich Basisbier und Kaffee harmonisch ineinander fügen.

Wenn man die belebende Eigenschafte des Kaffees mit der entspannenden Wirkung des Alkohols verbindet, braucht man keine anderen Drogen, meinen die Macher von "Black Mamma". Die ungarische Version des Espresso Stout von Yeast Wörks & Hara’Punk bringt Bitternoten von Malz und Kaffee zusammen und besticht neben der tiefschwarzen Farbe durch feine Espresso-Noten und an Dörrobst erinnernde Aromen. Trocken, trinkbar mit zwei Tassen Espresso im halben Liter glänzt dieser Espresso im Glas mit fünf Volumenprozent Alkohol.

Nicht ganz so blickdicht, statt dessen mit schönem roten Schimmer ist das sieben Volumenprozent starke "Espresso Stout" aus Japan. Es schmeckt wie schokolatierte Dörrzwetschken und bringt neben Röstaromen feine fruchtige Noten mit. Die Kiuchi Brewery wurde 1823 als Sake-Brauerei gegründet und braut seit 1996 die Bierserie Hitachino Nest.

Den Namen "Must Kuld" – "schwarzes Gold" auf estnisch – gab die  Mikrobrauerei Põhjala aus Tallinn ihrem Porter. Bei dieser 7,8 Volumenprozent starken "Kenya Coffee Edition" wurden pro Liter 17 Gramm Bohnen des Kenyan Tegu AA Kaffee der lettischen Rocket Bean Roastery aus Riga verbraut. Die zugegebene Laktose verleiht diesem Bier mit intensiv, starken Röstbitternoten im Abgang eine cremige Textur. Bald bringt die Estnische Brauerei, die im November beim Craft Bier Fest Wien am Stand von den BeerLovers zu Gast sein wird, eine zweite Version, das "Must Kult Colombia" heraus. Auf den Geschmacksunterschied, der durch die Beigabe einer anderen Kaffeesorte entsteht, dürfen wir gespannt sein.

Kaffee-Bier ist also nicht einfach die Kombination von Kaffee und Bier. Unterschiedliche Kaffeesorten, verschiedene Zubereitungsarten und andere Ausgangsbiere ermöglichen ungeahnte und oft überraschende Kombinationen. Der Kreativität und der Handwerkskunst der Brauer und Kaffeeröster sind hierbei kaum Grenzen gesetzt.

Erschienen im Wiener Journal am 30. 9. 2016





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-09-30 21:33:51
Letzte Änderung am 2017-02-14 20:22:08


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