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Freizeit

Update: 30.08.2013, 15:01 Uhr

Fauna

Gasthaus für gefiederte Besucher




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Von Christina Mondolfo

  • Über die Fütterung von Wildvögeln, egal ob nur im Winter oder ganzjährig, wurde und wird viel gestritten. Unbestreitbar allerdings ist die Freude der Menschen, die gefiederten Gäste beim Vogelhaus zu beobachten...

 - © Ingo Bartussek - Fotolia

© Ingo Bartussek - Fotolia

Seit Jahrzehnten kritisieren Naturschützer die Fütterung von Wildvögeln, meistens mit dem Argument, dass einheimische Vögel beziehungsweise solche, die in unseren Breiten überwintern, gut an die kalte Jahreszeit angepasst seien.

Außerdem fördere man durch die Fütterung an bestimmten Orten das gehäufte Auftreten von Vögeln auf beschränktem Raum und in weiterer Folge die Übertragung und Verschleppung von Krankheiten. Das sieht der bekannte deutsche Ornithologe Peter Berthold allerdings ganz anders und meint sogar, dass "Vögel füttern unsere moralische Pflicht" sei - und zwar das ganze Jahr über. Bedingt sei das durch die starke Veränderung der Landschaft durch den Mensch und durch die Landwirtschaft mit ihren Monokulturen, dadurch sei die Zahl der Wildpflanzen und der Insekten massiv zurückgegangen: "Die Fütterung der Vögel ist nur ein schwacher Ausgleich dessen, was wir den Vögeln durch die Perfektion unserer Landwirtschaft weggenommen haben. Deshalb haben wir eine moralische Verpflichtung zum Füttern", sagte er vor einigen Jahren in einem Interview mit der deutschen Zeitung "Die Welt".

Information

Buchtipps:
Peter Berthold, der bekannte deutsche Ornithologe, und Gabriele Mohr von der Vogelwarte Radolfzell haben jahrelang zum Thema Vogelfütterung geforscht und ihre Ergebnisse als Buch herausgebracht, das mittlerweile in der dritten, überarbeiteten Auflage erschienen ist. In diesem Klassiker erfährt der Vogelliebhaber alles über geeignete Futterstellen, gesundes Vogelfutter und Vogelschutz. Außerdem werden die wichtigsten Vogelarten porträtiert und die wissenschaftliche Entwicklung der Ganzjahresfütterung beleuchtet. Ein kleines, aber sehr feines Buch!
Peter Berthold/Gabriele Mohr: "Vögel füttern, aber richtig", Kosmos Verlag, 3. Auflage 2012, 10,30 Euro
Der Vogelkundler und Fachjournalist Hans Egidius gibt in seinem kleinen Buch "Vögel füttern rund ums Jahr" nicht nur Tipps zum idealen Futterhausstandort und zum richtigen Futter, sondern bietet auch Anleitungen zum Bau von Nistkästen und zur vogelgerechten Gartengestaltung. Ein Überblick über die wichtigsten gefiederten Gäste ist eine schöne Abrundung.
Hans Egidius: "Vögel füttern rund ums Jahr", Ulmer Verlag, 10,20 Euro

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Als Verfechter der Wildvogelfütterung konnte der umtriebige Wissenschafter schließlich nicht umhin, ein Buch zum Thema herauszubringen, das mittlerweile in der dritten Auflage erschienen ist und sich zum Klassiker entwickelt hat. Darin beschreibt er nicht nur, wie ein gutes Vogelhaus auszusehen hat ("große Grundfläche, ein Dach auf hohen Säulen, damit auch Spechte das Futterangebot nutzen können, oder aber ein Silo-System"), sondern geht auch auf das passende Futter ein. Für alle, die jetzt nicht unbedingt selbst zum Ornithologen werden wollen, also eine große Hilfe...

Immer richtig liegt man im Winter mit Fettfutter in Form von Körnerstreufutter, Meisenknödeln oder -ringen und Fettblöcken. Vögel verbrennen vor allem in ihren Flugmuskeln Fett, deshalb empfehlen sich etwa Meisenknödel auch im Sommer, weil die Vögel zu dieser Jahreszeit mehr fliegen, um ihren Nachwuchs zu versorgen.

Nüsse sind ebenfalls ein guter Fettlieferant, vor allem Erdnüsse oder Erdnussbruch werden gerne genommen. Weichfutterfresser wie Amseln freuen sich über frische, aufgeschnittene Äpfel oder Beeren, die auch getrocknet sein können. Ungeeignet sind Küchenabfälle, Essensreste oder altes Brot, das oft mit Schimmelpilzen belastet ist. Im Fachhandel findet man jedenfalls eine große Auswahl verschiedener Futtersorten - was allerdings niemanden davon abhalten soll, Fettfutter selbst herzustellen. Für Streufutter kann man dazu 200 ml Speiseöl (etwa Sonnenblumenöl) in einem Topf anwärmen und mit 500 g Haferflocken mischen, bis die Flocken das Öl vollständig aufgesaugt haben...

Wer einen Garten hat und dort ein Vogelhaus aufstellen möchte, sollte besser zwei oder mehr kleine Futterstellen anlegen: Das verhindert einerseits Streitereien und Konkurrenz und fördert andererseits das Erscheinen verschiedener Vogelarten, da unterschiedliche Futtervorlieben gefördert werden. Mit dem Einrichten von Futterstellen geht man allerdings auch eine Verpflichtung ein, da sich die Vögel rasch an die Versorgung gewöhnen - die Vogelhäuschen daher unbedingt regelmäßig nachfüllen! Und dann einfach die gefiederten Gäste beobachten...

Artikel erschienen am 16. November 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 36-37




Schlagwörter

Fauna, Wiener Journal

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2015
Dokument erstellt am 2012-11-15 10:47:04
Letzte Änderung am 2013-08-30 15:01:50



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