"Monster sind cool", sagt der fünfjährige Mathias auf die Frage, was er denn an dem hässlichen Ding auf seinem T-Shirt so toll findet. Psychologisch gesehen macht ihn die Verbrüderung mit dem Ungeheuer stark, lasse ich mir von einer Kinderpsychologin erklären. Das Monster auf dem T-Shirt hat somit Ähnlichkeit mit einem Amulett, von dem man sich - sofern man daran glaubt - Schutz vor was auch immer erhofft. Monster und Ungeheuer gibt es in allen Kulturen und seit Menschengedenken. In vielen Mythen führt erst der Sieg über ein Ungeheuer zur Erlösung oder zu einer nächsthöheren Entwicklungsstufe.
Tiefenpsychologisch besitzen Monster eine wichtige Funktion für die Seele: Sie sind ein Bild der Ängste und Hassgefühle in uns. Psychoanalytiker wie Carl Gustav Jung deuteten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Ausdruck der dunklen Seiten in uns selbst. Dieses Böse wird nach außen projiziert, gerne auf Ungeheuer und böse Geister. Das erklärt auch die Universalität der Monster - sie sind ein Abbild von Urerfahrungen und Ängsten, die Menschen über alle ethnischen und kulturellen Grenzen hinweg verbinden. "Es gehört zu den archaischen Mustern, tiefer Angst dadurch zu entfliehen, dass man sich konkrete Objekte sucht, die erlauben, die Stimmung diffuser Hilflosigkeit und Verzweiflung in gerichtete Furcht zu verwandeln", definierte der deutsche Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter.
Warum Kinder ab einem gewissen Alter so fasziniert von Monstern sind, erklärt die Entwicklungspsychologie mit der Angstbewältigung. Ab etwa vier Jahren entwickeln Kinder Fantasie und beginnen für diffuse Ängste Symbole zu finden. Kinder brauchen Märchen und Monster, war der Psychoanalytiker Bruno Bettelheim überzeugt, um solche Ängste beschreiben und benennen zu können und ihnen damit den Schrecken zu nehmen.
Mit der kindlichen Vorliebe für unheimliche Geschichten beschäftigt sich seit Februar eine Ausstellung mit dem Titel "Ungeheuerlich" im Museum der Moderne Rupertinum in Salzburg. Es ist bereits die vierte Kunstausstellung für Kinder, die das Museum aus seinem Sammlungsbestand zusammengestellt hat. Und eines kann man jetzt schon sagen: Mit dem Thema haben die Kuratorinnen Katharina Barth und Martina Berger-Klingler und Elisabeth Ihrenberger ins Schwarze getroffen. Es ist ein trüber Vormittag im April, als ich mich mit Katharina Barth und Martina Berger-Klingler im Salzburger Museum der Moderne Rupertinum treffe, um mir die Ausstellung anzusehen. Das Museum hat kaum fünf Minuten geöffnet und schon stürmt eine Volksschulklasse herein. Die meisten Kinder bleiben erst einmal hängen vor dem großflächigen Graffiti von Lukas Pfliegler im Eingangsbereich, aus dem die unheimlichen Gestalten herauszuwabern scheinen. Es ist eines der beliebtesten Bilder der Ausstellung, erzählen die Kuratorinnen. Dann schlendern die Kinder mit Blöcken und Stiften bewaffnet mit ihrer Ausstellungsführerin in den ersten Saal, der sich dem Thema "Draußen im Dunkeln" widmet. Sitzkissen liegen am Boden, die Bilder - Zeichnungen und Bilder von Walter Schmögner, Bertram Hasenauer und Alfred Kubin - sind in Augenhöhe der Kinder gehängt, damit das Erfassen der Bildinhalte erleichtert wird. Hier handelt es sich nicht um Kunst für Kinder, sondern um den kindgerechten Zugang zu Kunst. Zu Alfred Kubins Zeichnung "Verfallenes Schloss" etwa werden die Kinder aufgefordert, eine Gruselgeschichte zu erfinden und an das Museum zu schicken. Die "gruseligsten und lustigsten Geschichten" werden für eine Lesung am 10. Juni ausgewählt.
Den nächsten Raum dominiert eine Halde aus Gegenständen aus Papiermaché des Künstlers Martin Dickinger, die zu den Highlights der Ausstellung gehört. Die Kinder sind vor allem fasziniert von den Knochen und dem Totenkopf auf der Halde, erzählt Katharina Barth. Überhaupt hat das Totenkopfmotiv seinen Schrecken verloren und ziert von den Socken bis zur Unterhose beinahe jedes Kleidungsstück vor allem von Buben. Der Totenkopf als Zeichen der Rebellion? Natürlich, auch. Beide Kuratorinnen wissen wovon sie reden, denn sie haben selbst Kinder im Monsteralter.
Im gleichen Raum befindet sich auch das wertvollste Gemälde dieser Schau, ein großflächiges Bild des amerikanischen Künstlers Jean-Michel Basquiat, das zu den wenigen Kunstwerken gehört, die nicht berührt werden dürfen. Ansonsten ist Berühren bei dieser Ausstellung oft ausdrücklich erwünscht und es gibt einige interaktive Stationen, bei denen Kinder selbst tätig werden können, wie zum Beispiel das Rasselmonster zum Rasseln bringen. Es sei noch nie etwas beschädigt worden bei den Ausstellungen für Kinder, berichten die Ausstellungsmacherinnen unisono. Beide sind begeistert von dem unverfälschten Zugang der Kinder zu den Kunstwerken. "Da gibt es eine abstrakte Figur von Andreas Urteil, mit dem Namen Angst. Ich persönlich habe Schwierigkeiten, dieser Figur einen Inhalt zuzuordnen, aber die Kinder erfassen sofort, worum es dem Künstler ging", wundert sich Katharina Barth.

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