Laut der Checkliste auf dem Monitor ist alles für den Start vorbereitet. Vor uns erstreckt sich die Landebahn 29 des Flughafens Wien Schwechat. Ganz deutlich sind die schwarzen Stellen zu sehen, der Abrieb der Reifen, den die landenden Maschinen hinterlassen haben. Drüben bei den Hangars manövriert sich gerade ein Jet zu seiner Startposition, doch darum kann ich mich nicht kümmern. Meine Hand liegt auf dem Gashebel, die Bremsen sind bereits gelöst. Ich schiebe den Hebel nach vorne, das sonore Brummen Triebwerke verstärkt sich und die Maschine beschleunigt energisch. Ein kurzer Blick auf die Instrumente, dann ist der Augenblick erreicht, in dem ich den Steuerknüppel nach hinten ziehen muss. Der Airbus A320 hebt ab und ich spüre die Bewegung sanft in meiner Magengrube.
Natürlich bin ich mit dem Flugzeug noch nicht vertraut und fliege die Linkskurve viel zu steil. "Wenn wir da hinten jetzt Passagiere hätten", sagt Gregor Czak, "dann wäre einigen jetzt ziemlich schlecht." Er arbeitet als Instruktor an einem der Simulatoren von "Vienna Flight", dem Airbus A320, neben dem es auch noch den Hubschrauber Bell 206 Jet Ranger gibt. Nach seinen Anweisungen bekomme ich die fiktive Maschine allmählich unter Kontrolle und bringe sie auf südöstlichen Kurs, in Richtung Ungarn. Wir fliegen nur eine Platzrunde, wie man dergleichen in der Fliegerei nennt. Nach dem Start drehen wir, sobald wir ausreichend Höhe erreicht haben, nach links, dann noch einmal nach links, parallel zur Landebahn, im Gegenanflug, ehe wir in weitem Bogen im Endanflug zur Piste, von der wir gestartet sind, zurückkehren. Keine alltägliche Prozedur mit einem Airbus A320. Das Standardprogramm der meisten Kunden, die Gregor Czak betreut, ist ein Flug von Wien nach Nizza.

Fixed Base
Das Cockpit, in dem wir fliegen, befindet sich in einem Bürohaus im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Es wurde in Kanada von der Firma Flightdeck Solutions hergestellt, von Spezialisten der deutschen Firma "EVS-Flighttraining" montiert und entspricht in fast allen Details dem realen A320. "Nur die Sitze stammen von einer Boeing", räumt Gerhard Lück, Geschäftsführer von "Vienna Flight", ein. Die Boeing-Sitze sind nämlich auf Schienen installiert und können deswegen leicht entfernt werden, sollte eine Kunde im Rollstuhl im Simulator Platz nehmen wollen. Ansonsten unterscheidet sich der Fixed-Base-Simulator von den Full-Flight-Simulatoren, an denen Fluggesellschaften ihre Piloten ausbilden, nur durch das Fehlen der Hydraulik, auch Motion-System genannt, die das Trainings-Cockpit in reale Bewegungen versetzt. Trotzdem erzeugen fünf Rechner außerhalb der schmalen Fenster des Cockpits ein täuschend echtes 180-Grad-Panaroma.
Mit "Vienna Flight" hat Gerhard Lück einen privaten Traum verwirklicht. "Ich war immer schon vom Fliegen begeistert", sagt er und erzählt, wie er, damals schon Inhaber einer Privatpilotenlizenz, es beim Bundesheer unter fünfhundert Bewerbern für eine Pilotenausbildung immerhin unter die letzten zehn geschafft hat. Drei wurden schließlich genommen, er war nicht darunter. Später arbeitete er als Lebens- und Sozialberater mit psychotherapeutischer Ausbildung, doch die Leidenschaft für die Fliegerei ließ ihn nie los und so befasste er sich schon mit den ersten Flugsimulatoren für Computer. "Inzwischen habe ich alle fliegerischen Ausbildungen bis zur Berufspilotenlizenz am Simulator absolviert."
Dazu muss man natürlich wissen, dass sich die Flugsimulation am Computer seit den ersten Programmen gewaltig entwickelt hat. 1982 brachte Bruce Artwick die erste einschlägige Software für Apple heraus, die damals die Steuerung eines Kleinflugzeugs der Marke Cessna in einer sehr einfachen Umgebungen ermöglichte. Mit wachsenden Rechnerleistungen entstanden in den darauffolgenden dreißig Jahren immer komplexere Programme, die eine erstaunliche Realitätstreue bieten, zahlreiche Flugzeugtypen und Flughäfen darstellen, die Verwendung von aktuellen Wetterdaten über das Internet vorsehen und die Simulation vor gefährlichen Extremsituationen ermöglichen.
Aber zwischen dem Flug am Computer auch mit den neusten Programmen und dem "Fixed-Base-Simulator" von "Vienna Flight" liegen natürlich Welten. Zum Full-Flight-Simulator fehlt ihm, wie gesagt, nur die Hydraulik, die das Cockpit in reale Bewegung versetzt. "Aber das brauchen wir nicht", sagt Michael Anzenberger, der bei "Vienna Flight" für den Helikopter Bell 206 Jet Ranger zuständig ist. "Das Auge täuscht den Körper so sehr, dass sich der Flug auch so ziemlich real anfühlt."
Nachdem wir also den Airbus ordnungsgemäß in Wien Schwechat geparkt haben und die Fluggastbrücken zum Aussteigen angeschlossen sind, gehen wir in den Nebenraum und zwängen uns in das kleine Cockpit des Bell 206, was eine beträchtliche Herausforderung beim Falten der Knie darstellt. Wir fliegen auch in diesem Fall von Wien-Schwechat ab, obwohl wir uns genauso gut einen Rundflug über Venedig oder über Manhattan vornehmen hätten können. Doch hat es natürlich seinen Reiz, sich Wien auch aus der langsameren Helikopter-Perspektive anzuschauen.
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