Wenn man Menschen, egal ob Kinder oder Erwachsene, fragt, wie Drachen aussehen, bekommt man meist eine ziemlich klare Beschreibung eines Mischwesens, das sich aus mehreren real existierenden Tieren zusammensetzt: Schlangenkörper, Löwen- oder Pantherkopf, Adlerklauen oder Wolfstatzen an den vier Beinen und zwei große Flügel, mit denen sie sich elegant durch die Lüfte bewegen. Dieses Bild ist schließlich seit Jahrhunderten überliefert, wenn sich auch die Darstellungen in den verschiedenen Kulturkreisen von West nach Ost durchaus zumindest in Details unterscheiden. Fliegen können jedenfalls die meisten Drachen - oder sich zumindest mit schwimm-ähnlichen Bewegungen durch die Lüfte schlängeln. Oder sich durch Zauberkräfte in die Luft erheben, so wie das bei den fernöstlichen Drachen der Fall ist.
Geht es nach den ersten Belegen der Existenz von Drachen, so müssen sie uralt sein: Abbildungen dieser Wesen findet man bereits auf sumerischen Rollsiegeln aus der Uruk-Zeit - also etwa 3900 bis 3100 v. Chr. Aber auch Huáng Dì (der "Gelbe Kaiser"), der mythische Kaiser, der am Anfang der chinesischen Kultur gestanden und von 2696 bis 2598 v. Chr. regiert haben soll, trug eine Schlange im Wappen, der er mit jeder Unterjochung eines Stammes dessen Tieremblem beifügte, bis schließlich ein monströses Wesen daraus wurde - der Drache. Ältere chinesische Kulturen aus der Zeit von etwa 10.000 bis 8000 v. Chr. hinterließen Objekte aus Jade oder Muscheln, die Schlangen kombiniert mit Schweinen und anderen Tieren darstellen. Doch trotz ihres furchterregenden Aussehens galten und gelten Drachen im Fernen Osten bis auf wenige Ausnahmen als Heilsbringer und wohlwollende Helfer: So steht etwa der chinesische Drache Long für das Wasser, den Regen und den Frühling. Er hat magische Kräfte und braucht Jahrtausende, bis er seine endgültige Größe erreicht hat.

In Europa hatten die flugfähigen Geschöpfe weniger Glück - und weniger Fans: Drachen waren das Sinnbild des Bösen und mussten daher rigoros bekämpft werden. Schließlich spien sie Feuer, töteten Mensch und Tier mit ihrem giftigen Atem und verlangten Jungfrauen als Opfergaben. Außerdem bewachten sie Schätze ungeheuerlichen Ausmaßes - und wer konnte dem Glanz von Gold und Edelsteinen schon widerstehen... Drachen niederzuringen erforderte meist eine Menge Mut und Kraft, manchmal reichte aber auch lediglich eine List und gelegentlich konnte sogar ein Gebet einen Drachen in die Flucht schlagen. Aber selbst die christlich-biblische Tradition etwa in Gestalt des Hl. Georg sieht lieber den Recken mit Schwert das Böse besiegen...

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