Er war ein Stück Teenager-Freiheit. Rein mit der "Kiss"-Kassette, die Kopfhörer übergestülpt, auf Play gedrückt und schon war der obligatorische Sonntagsspaziergang mit den Eltern erträglich geworden. Mit dem Walkman war es erstmals möglich, jederzeit und überall die eigene Lieblingsmusik zu hören, ohne die Umstehenden damit zwangszubeglücken. 1979 von Sony auf den Markt gebracht, war er für eine ganze Generation von Jugendlichen Kult - doch bereits eine Dekade später war sein Medium, das magnetische Tonband, von der Audio-CD abgelöst worden. Das war der erste Schritt zum digitalen Hören und die Begleittöne meiner Teenagerzeit, das charakteristische Leiern zu oft abgespielter Musikkassetten und das stumpfe Kratzen zerfurchter Platten, wichen erstaunlich rasch den reinen Klängen der Musik.
Der Walkman wurde zum Discman, seine Wachablöse als Must-have erlebte er spätestens 2001, als Apple die ersten iPods auf den Markt brachte. Ein spezielles Medium ist dabei gar nicht mehr notwendig: Die Musik wird als Datei auf einem Chip gespeichert, von wo sie heute nicht nur der iPod, sondern jedes 08/15-Handy, jeder Laptop und jede Supersoundanlage wiedergeben kann. Möglicherweise folgt also meine umfangreiche CD-Sammlung demnächst der einst so üppigen Schallplattenkollektion meines Vaters und findet sich ebenfalls beim Altwarentandler wieder.
Dort läge sie dann im Laden neben meinem Kassettenrekorder mit der roten Aufnahmetaste, zwischen Camcordern von der Größe eines Medizinballes, Röhrenfernsehern ohne Fernbedienung und sperrigen Diaprojektoren - in einer Art Arche Noah aus einer Zeit, die zwar erst zwanzig, dreißig Jahre her ist, die aber in vielen Belangen als "damals" im Sinne von endgültig vorbei gilt. Aus einer Zeit, als man für Fernseher mit halb so großem Bildschirm wie aktuelle Geräte zwei Möbelpacker zum Aufstellen brauchte und das Programm sowieso nur bis Mitternacht lief. Als man seine Uhren noch von Hand aufzog, seine Fahrkarte direkt am Schalter kaufte und einmal im Quartal seine Krankenscheine in der Personalabteilung bezog.
Als man, wenn man Fotos haben wollte, zunächst aus rein ökonomischen Überlegungen einen ganzen Film ausknipsen musste - mit 24 oder 36 Aufnahmen -, diesen dann zum Fotohändler trug und eine Woche später endlich die Bilder in Händen hielt. Da freute man sich mitunter zu Ostern über die Fotos vom letzten Silvester. Noch in den frühen 1990ern galt es als undenkbar, dass die damals in den Kinderschuhen steckende digitale Fotografie diesen jemals entwachsen würde. Die neue Technologie wurde sanft belächelt und als "eh ganz lieb" abgetan. Niemals, so war man sich einig, würde sie in punkto Qualität an die herkömmliche (analoge) Fotografie auch nur heranreichen. Das erwies sich als krasse Fehleinschätzung, die letztendlich sogar die Firma Kodak in Konkurs trieb. Heute gibts klassische Filme nur mehr im handverlesenen Spezialhandel, von Werbeplakaten lachen ausschließlich computer-retuschierte Gesichter und auf Facebook ist der Sonnenuntergang schon online, noch bevor sich die letzten Strahlen verabschiedet haben.
Ähnlich weit zurückgedacht, klopfe ich den Text nicht in die Tastatur, sondern tippe ihn auf der Schreibmaschine, auf der ich seinerzeit zahlreiche Bewerbungsschreiben verfasst habe. Damals war man gerade erst dem Stadium entwachsen, als Computer gigantische Ungetüme waren, die es nur in Rechenzentren gab, wo sie von Eingeweihten mit Lochkarten und Magnetbändern gefüttert wurden. Sie waren als PCs bereits kleiner und leistungsfähiger geworden und in den ersten Büros aufgetaucht. Eine ganze Generation von Sekretärinnen verzweifelte in der Anfangszeit vor dem schwarzen Bildschirm mit der leuchtgrünen Schrift. Daten wurden auf der Floppy-Disk gespeichert und wer seinem Computer einen Befehl geben wollte, musste das tun, ohne eine Maus zur Verfügung zu haben. Das kann man sich heute nicht einmal mehr vorstellen! Computersysteme, wie sie für uns jetzt selbstverständlich sind - mit grafischer Benutzeroberfläche, menü- und mausgesteuerter Bedienung und Plug-and-Play-Komponenten - kamen erst zur Jahrtausendwende zu leistbaren Preisen auf den Markt. Mittlerweile sind gut 70 Prozent aller österreichischen Haushalte mit einem Computer ausgestattet.
Auch sonst begleiten Computer unser Leben. Sie sind klein und billig genug geworden, dass man sie in alles Mögliche einbaut. In Heizungssteuerungen und Klimaanlagen, in Schlüssel und Waschmaschinen - oder in Telefone. Wer mag sich heute noch ein Leben ohne Handy ausmalen? Das moderne Smartphone ist Telefon, Büro- und Freizeitorganisation, Kamera und Entertainmentcenter in einem - und greift auf das uferlose Wissen des World-Wide-Web zu. Kaum zu glauben, dass es erst knapp 15 Jahre her ist, als ich mir im Trend der Zeit mein erstes Mobiltelefon zulegte. Das hatte die Dimensionen eines Turnschuhs, dafür war die Verbindung oft miserabel. Außer telefonieren, SMS ohne Wörterbuch schreiben und Nummern speichern konnte man damit nichts. Das war aber immerhin ein deutlicher Fortschritt zur öffentlichen Fernsprechzelle, die man bis dahin hatte aufsuchen müssen, wenn man unterwegs war und ein dringendes Gespräch zu führen hatte.

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