Verstoffwechseln, kein Wort fällt häufiger als dieses im Parkschlösschen im Kurort Traben-Trarbach an der Mosel. Das 5-Sterne-Hotel im Stadtteil Bad Wildstein hat sich ganz dem Ayurveda verschrieben und wird seit 1993 als Ayurveda-Kurhotel geführt. Das Haus ist Mitglied der "Healing Hotels of the World", wie die Plakette am Eingang verrät und eines der wenigen First-Class-Hotels, das die "ayurvedische Philosophie ganzheitlich und ausschließlich umsetzt", wie im Prospekt nachzulesen ist. Was das bedeutet, wird dem Gast, sofern er nicht schon Stammgast ist, erst nach und nach klar.
Gesundheit definiert die ayurvedische Lehre folgendermaßen: "Ein Mensch ist dann gesund, wenn alle Regulationsvorgänge, die Verdauung, der Stoffwechsel und die Ausscheidungen im Gleichgewicht sind und wenn Seele, Geist und Sinne sich im Zustand des inneren Glücks befinden."
Der moderne Mensch, in komplexen Zusammenhängen lebend, auf das Wesentliche reduziert, den Stoffwechsel. Hier spricht man nicht davon, dass einem etwas im Magen liegt oder schwer verdaulich ist, nein, es ist schwierig zu verstoffwechseln. Alle machen sich ständig Gedanken darüber, wie sie verdauen können, was sie gegessen haben oder essen werden.
Viel ist das freilich ohnehin nicht. Denn das Parkschlösschen, ein ehemaliges Kurhotel in der typischen, schmucken Kurarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts errichtet, hat sich auf die Königsdisziplin des Ayurveda spezialisiert, die Panchakarma-Kur. Panchakarma bedeutet Entgiften des Körpers durch Ausleitung von Giftstoffen, was durch ableitende Maßnahmen, medizinische Einläufe sowie Fasten erreicht wird. Im klassischen Ayurveda dauern Panchakarma-Kuren streng genommen eigentlich 63 Tage - in der Praxis ist von zehn Tagen bis drei Wochen alles möglich - mit entsprechender Vorbereitung und Nachsorge daheim.
Wer sich zu einer Panchakarma-Kur entschlossen hat, muss sich zunächst der konsequenten Entgiftung unterziehen, die einem Jahrtausende alten Reinigungsritual gleicht. An drei Tagen steht statt Frühstück heißes,
geklärtes Butterfett, Ghee genannt, auf dem Speiseplan, am vierten Tag gar Rhizinusöl und am fünften Tag folgt der Einlauf, danach wird der Darm langsam wieder ans Essen gewöhnt. Sehr viel mehr als Suppe oder Reis ist allerdings nicht vorgesehen. Was schade ist, denn die vegetarische Kost, die Chefkoch Eckhard Fischer fantasievoll zubereitet für alle jene, die das Ayurveda-light-Programm bevorzugen, ist wirklich köstlich. Fischer geht die Materie entspannt an: "Ayurveda kennt keine Verbote", referiert er bei seinen regelmäßigen Vorträgen über die Ernährung.
Das gesellschaftliche Leben im wunderschönen Jugendstil-Ambiente des Parkschlösschens hält sich in Grenzen. An der stilvollen Bar gibt es nur heißes Wasser und Dosha-ausgleichende Kräutertees. Keinen Alkohol, keinen Kaffee, keinen schwarzen oder grünen Tee, keine Milchprodukte, aber auch keine Fruchtsäfte. Abgesehen davon, dass die Gäste, die eine Panchakarma-Kur gebucht haben, bestrebt sind, die Entfernung zum nächsten Klo möglichst gering zu halten, schwächt die Entgiftung den Körper. Manche Gäste klagen auch über Kopf- und Gliederschmerzen. "Alles ganz normal", beruhigt die freundliche Gästebetreuerin Renate und empfiehlt auch, nur ein leichtes Sportprogramm zu absolvieren. Ein bisschen Yoga, das täglich um 8 Uhr morgens und um 17 Uhr angeboten wird, Spaziergänge in die Umgebung oder im hoteleigenen Park, das würde schon genügen, meint sie.

Im Wartebereich vor den Therapieräumen treffe ich eine gut aussehende Mittvierzigerin. "Morgen beginne ich mit Panchakarma", erzählt sie. "Ich habe schon solche Angst. Das letzte Mal ist es mir gar nicht gut gegangen nach den Ghee-Tagen. Aber der Doktor meint, das ist das Richtige für mich und ich soll das unbedingt machen."
Woher kommt nur das Bedürfnis nach jemandem, der einem sagt, was man tun soll, überlege ich später bei der Massage.
Diese Ölmassagen, manche davon synchron von zwei Therapeutinnen ausgeführt, sind jener Aspekt, den man hierzulande hauptsächlich mit Ayurveda in Verbindung bringt. Dabei sind sie nur ein ganz kleiner Teil einer überaus komplexen und umfassenden, ganzheitlichen Lehre, die mit Wellness eigentlich gar nichts zu tun hat. Zutiefst entspannend und wohltuend sind diese Massagen allemal.
Diagnose mit Folgen
Am nächsten Tag lerne ich den geheimnisvollen Doktor kennen, von dem alle im Hotel mit höchstem Respekt sprechen. Aruna Bandara, ausgebildeter Arzt für Ayurvedische Medizin aus Sri Lanka, fühlt konzentriert meinen Puls und fragt nach einer Weile, ob ich denn schlafen könne. "Nein", gebe ich zu, "nicht besonders gut." Er dreht und wendet meine Hände, schaut mir tief in die Augen als ob er in mir lesen könnte wie in einem Buch. Das Formular mit meiner Krankengeschichte würdigt er keines Blickes und meinen Versuch, etwas über mich zu erzählen, erstickt er mit einer unwilligen Handbewegung. Fast ein wenig beleidigt, so als ob man einen Magier um seine Pointe bringen wollte. Dann konfrontiert er mich mit einigen verblüffenden Aussagen und Schlussfolgerungen. Als ich ihn frage, woher er das denn weiß, sagt er lachend: "Ich kenne Sie."

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