Der stilecht renovierte Saal im altehrwürdigen Wirtshaus "Mayer Zu den fünf Starken" in Rekawinkel ist bummvoll. Zum Glück ist es Ende Juni warm draußen, man kann kurzfristig auf ein Bier ins Vorgartel flüchten. Ein altersmäßig seltsam durchmischtes Publikum erwartet gespannt eine ebenfalls stilecht renovierte Antiquität - Wilfried, Ur-Austrorocker, neu mit "neuer Band".

Da ist er. Applaus, Jubel. Ganz schön breit ist er geworden. Doch was ist das? Hinter ihm schnappen sich drei Jungspunde, die mindestens seine Söhne sein könnten, ihre Instrumente. Gerade der Piano-Orgler mit Hut passt halbwegs in die Generation des Sängers. Na ob die...? Wrumm!! Ein Höllengewitter bricht los. Gnadenlos. Die Burschen sind guuuut.
Der Gitarrist neben Wilfried, der aussieht wie der junge Fidel Castro mit Armeekappe und Rauschebart, entlockt seiner Klampfe Klänge, die Carlos Santana Lustschreie entlocken würden. Hinten der Schlagzeuger, Milchbubigesicht, wirbelt seine Stöcke auf die Becken, dass kein Gast mehr ruhig sitzt. Den Rest gibt uns der Bassist, Typ Latin Lover, der alles mit einem wahren Erdbeben an tiefen Klängen umhüllt. Dazu ein brillianter Organist.
Breit und rauh
Und in der Mitte er. Der in Breite ergraut Grinsende, ebenso kräftig wie rau Ohrwürmer intonierend: "Orange", "Highdelbeeren", "Lauf Hase, lauf". Zum Mitsingen "Und jetzt wahat wieda der Sühüdwind...". Und natürlich "Ziwuiziwui". Die Musik geht voll ins Blut, Zwanzigjährige johlen neben Fünfzigjährigen. Zwei heiße Stunden sind (zu) rasch vorbei und wir fühlen uns wie früher, als der Austro-Pop/Rock sich anschickte, die Welt zu erobern.
Filmschnitt. Der Autor und sein Fotograf erklimmen ein steiles Weglein zwischen Buchsbaumhecken, Apfelbäumen und anderem Gemüse. Hier, am Rand der Pfalzau, einem Pressbaumer Vorort, soll Herr Scheutz leben. "Do bin i", klingt es hinter viel Grün - und dann offenbart sich uns eine fast kitschige Idylle zwischen Wald, altem Haus, schattiger Terrasse, faul herumliegenden Katzen - und einem Äpfel schälenden Wilfried.
Idylle im Wald
Seit 28 Jahren lebt er hier, mit Frau Marina, einer Architektin, und jeder Menge Natur. Sohn Hanibal, 32, ist längst flügge und erfolgreich mit seiner eigenen Formation "5/8erl in Ehren". Dennoch verdanken wir ihm den geschilderten Abend mit Papa. Denn Wilfried, der 16 Jahre lang mit seinem "4Xang" erfolgreich zwischen Budapest und Berlin auftrat, hatte irgendwann "den Hut draufghaut. Es war einfach ausgereizt, keine Steigerung mehr möglich", so der 62-Jährige.
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