
Womit wird geheizt?
Ganz ohne Heizung kommt derzeit freilich selbst ein Passivhaus nicht aus, und mag die Dämmung noch so gut sein. Zumindest das Badewasser muss ja irgendwie erwärmt werden. Womit, das entscheidet in erster Linie die jeweilige Philosophie, der die Bauherren folgen. Denn alle verfügbaren Technologien haben ihre Vor- und Nachteile. Eine Erdwärmepumpe zum Beispiel ist sehr effizient, aber auch sehr teuer. Und die Tiefenbohrung dafür ist auch recht aufwendig, wie Häuslbauer Martin Manhart festgestellt hat: "Das war sehr spannend bei uns in der Kleingartensiedlung." Eine Luftwärmepumpe wiederum hat bei deutlich weniger Kosten auch einen viel geringeren Wirkungsgrad - und manche Professionisten raten wegen der Lautstärke des Geräts davon ab. Interessant fürs Warmwasser ist eine Solaranlage auf dem Dach - allerdings gibt es auch hier Skeptiker, die ins Treffen führen, dass man dann unter Umständen im Winter zu wenig warmes Wasser hat, dafür im Sommer zu viel.
Wenn schon Solarzellen auf dem Dach ihres eigenhändig geplanten Ziegel-Massivhauses, dann lieber eine Photovoltaikanlage kombiniert mit einer Grundwasser-Wärmepumpe, hat sich wiederum Maria Krenek bei der Errichtung ihres Eigenheims gedacht: "Mit dem Strom, den sie erzeugt, können wir heizen oder ihn auch einfach ins Netz einspeisen." Da die Installation vom Land Niederösterreich mit 50 Prozent Direktförderung unterstützt wurde, hielt sich die finanzielle Belastung in Grenzen, und angeblich sollen sich die Investitionskosten nach zehn Jahren amortisiert haben. Trotzdem bleiben am Ende Zweifel, "ob es sich wirklich ausgezahlt hat". Oder ob doch die Nachbarn gegenüber recht hatten, die ihr neues Fertigteilhaus aus dem Katalog mit Solaranlage und Pelletsofen bestückt haben. "Obwohl uns ein Freund gewarnt hat, dass die Holzpellets nur jetzt so günstig wären, bis genügend Leute einen Ofen dafür haben und damit der Markt groß genug ist, um mit den Preisen raufzugehen." Ein weiterer Faktor, der manche von Holzöfen abhält, ist die Lagerung des Brennstoffs, für die genügend Platz vorhanden sein muss. Und immer noch gibt es auch Installateure, die von all den Innovationen im Niedrigenergiebereich nichts halten und selbst jetzt noch überzeugt sind: "So teuer können Gas und Öl gar nicht werden, dass Sie damit nicht billiger heizen als mit all dem Wärmepumpen- und Solar-Schnickschnack."
Möglichst wenig Wärmeverlust
So oder so lautet aber die wichtigste Grundregel beim Bauen: Die Dimension der Heizung muss den tatsächlichen Bedürfnisse angepasst sein, und das Gebäude selbst darf möglichst wenig Wärmeverlust haben. "Das ist auch eine Frage des Volumens und der Außenoberfläche", erklärt Josef Unger von der Energieberatung Niederösterreich. Die simple Rechnung lautet: Je kompakter und würfelförmiger das Gebäude, je weniger Ecken, Dach- und sonstige Vorsprünge und damit je geringer die Oberfläche, desto weniger Wärme geht verloren. Und auch sogenannte Kältebrücken sind ein wesentlicher Faktor, der bei der Außendämmung berücksichtigt werden sollte. Wer zum Beispiel Wohnräume über der Garage baut, sollte darauf achten, dass die beiden Gebäudeteile bauphysikalisch voneinander getrennt bleiben, weil eine Garage ja kaum denselben U-Wert erreichen kann. Auf die Spitze getrieben hat die Sache mit der optimalen Oberfläche Edwin Lipburger mit seiner kugelförmigen "Republik Kugelmugel", die im Wiener Prater neben dem Planetarium steht: "Aus mathematischer Sicht ist die Kugel die beste Gebäudeform", sagt er, "und mit gerade einmal einem Quadratmeter Grundfläche wäre sie auch ein Traum für Immobilienentwickler." Allerdings liegt er seit Jahren mit der Stadt Wien im Streit, was die Wohnfreude in Grenzen hält.
Was nun die Baustoffe betrifft, so ist es oft nicht zuletzt eine Frage des Preises, ob Ziegel, Holzriegel oder sogar Blockholz zum Einsatz kommen. Denn nach wie vor ist ein Massivhaus etwas billiger als ein Fertigteil-Holzhaus. Dafür dauert die Errichtung wesentlich länger, und es benötigt eine dickere Fassade, um eine gleichwertige Dämmung zu erreichen wie ein Holzhaus, bei dem die Dämmung in der Regel zwischen dem Holz liegt und nicht außen. Ideal, meinen Experten, wäre ja überhaupt eine gemischte Bauweise aus Baumstämmen mit Lehmwänden und Strohdämmung, weil die nicht nur die besten Dämmeigenschaften hätten, sondern noch dazu ökologischer wären als Styroporplatten & Co.

An der Technischen Universität (TU) Wien ist das Strohhaus Thema eines Projekts der Gruppe Angepasste Technologien. Dort wurde schon vor mehreren Jahren damit begonnen, die eigentlich uralte Dämmmethode für die kommerzielle Baubranche attraktiv zu machen. "Wir wollen einen Anstoß zur Weiterentwicklung geben", sagt TU-Experte Robert Wimmer, "die Branche ist nur generell eher innovationsscheu." Und doch bewegt sie sich: Laut der IG Passivhaus gibt es österreichweit mittlerweile rund 15.000 Wohneinheiten, die nach dem Passivhausstandard ausgeführt wurden, etwa 5000 sind derzeit in Bau. Mit mehr als 5 Millionen Quadratmetern Passivhausfläche werden den Berechnungen der Interessengemeinschaft in Österreich bereits 100.000 Tonnen CO2-Emissionen gegenüber konventionellen Gebäuden eingespart. Auch Fertigteilhäuser erfreuen sich steigender Beliebtheit: Fast 2700 Stück wurden laut Fertighausverband im Jahr 2011 in Österreich errichtet, Tendenz steigend. 89 Prozent wurden als Niedrigenergiehäuser produziert, aber überraschenderweise nur 3 Prozent als Passivhäuser (2010 betrug dieser Anteil noch 6 Prozent). "Ob es sich bei dieser Entwicklung um eine einmalige Verschiebung handelt oder um einen Trend, bleibt abzuwarten", sagt dazu Roland Suter, Vizepräsident des Fertighausverbands und Geschäftsleiteiter der Hartl Haus GmbH. Er könnte sich durchaus vorstellen, "dass Bauherrn auf die nach energetischen Gesichtspunkten ausgerichteten Wohnbauförderungen verzichten und lieber ein kostengünstigeres Eigenheim mit schlechteren Energiewerten schaffen".

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