• vom 11.05.2012, 00:00 Uhr

Freizeit

Update: 14.05.2012, 12:28 Uhr
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Baggern aus Leidenschaft





Seine Geradlinigkeit und Offenherzigkeit hat ihm in den vergangenen acht Jahren dabei geholfen, sich einen Haufen Kontakte zu erarbeiten, die ihm auch beim Sparen helfen. Und auch sonst hat er dank Baggerpark schon viele Aufträge bekommen, mit denen er wiederum den Baggerpark, dessen Erhaltung teurer ist, als man vielleicht glauben mag, finanzieren konnte. Ohne derartige Kontakte wäre sein Projekt in dieser Form sicher nicht möglich, meint Hofer. Denn er legt Wert darauf, "dass ich niemanden ausnehmen will - die Leute sollen sich den Baggerpark leisten können", vor allem Kinder aus finanziell schwächeren Familien. Und dass das, was überbleibt, wenn er die absolut notwendigsten Kosten für Betrieb und Wartung abgezogen hat, als Spende in Kinderheime und Ähnliches fließt - und zum Teil legt er sogar noch etwas drauf.

Freilich könnte Hofer das Ganze auch ganz anders aufziehen, dann müsste er allerdings viel höhere Preise verlangen und sich somit in ganz andere Kundenkreise begeben. Aber, und hier kommt eindeutig das Heimkind im "Bagger-Paul" durch, für ihn ist der Wert des fröhlichen Quietschen eines behinderten Kindes, das er kostenlos im Bagger sitzen lässt, mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

Bagger statt Bordell

Und das Projekt läuft auch so gut, meint Hofer. "Die ersten beiden Jahre hingegen waren eine finanzielle Katastrophe. Aber wir haben es geschafft." Nach und nach wurde der Baumaschinenbestand zusammengekauft, zum Teil in Deutschland, weil es dort günstiger war. Und so stehen jetzt ein Dutzend Bagger - vom kleinen Radlader über einen Friedhofsbagger mit Stelzen bis zum bereits erwähnten 27-Tonner - auf dem Areal beim Alberner Hafen, das eigentlich ein Bordell hätte werden sollen. Dieser Plan des Vorbesitzers scheiterte jedoch, und so verkaufte er das Grundstück an Hofer. Der hat viel Geld und noch mehr Schweiß, Tränen und Blut hineingesteckt und das verwirklicht, "wovon ich insgeheim mein Leben lang geträumt hatte".

Aber wie ist er überhaupt auf die Idee gekommen? "Ich war ja selbst lange Jahre Baggerfahrer, und vor allem in den Kleingärten haben die Kinder immer ganz große Augen gemacht, wenn ich dort gegraben habe. Und irgendwann habe ich sie dann auch selbst probieren lassen." Denn eigentlich, sagt Hofer, ist Baggerfahren kinderleicht: "Was ihnen Spaß macht, das lernen sie schnell." Das zeigt sich auch beim Besuch des "Wiener Journals" mit zwei kleinen Baggertestern: Der zwölfjährige Martin und der zehnjährige Peter haben nach wenigen Versuchen den Dreh raus und bedienen die Schalthebel der tonnenschweren Bagger wie selbstverständlich. Und nach einer knappen Stunde ist dann auch die Sache mit dem rohen Ei kein Problem. Erstaunlich gefühlvoll senkt sich die Schaufel hinab, umschließt das Ei und hebt es zur Pfanne. Diesmal weist allerdings nicht Paul Hofer selbst ein, sondern Stefan Preissner, einer seiner beiden engsten Mitarbeiter. Gemeinsam mit Martin Hofer bildet er den Kern des Baggerpark-Teams. "Ohne die beiden wäre ich aufgeschmissen", gesteht Paul Hofer. "Was die ehrenamtlich leisten, ist nicht zu bezahlen. Und sie sind mit einem solchen Herz dabei, das spüren auch die Kinder." Und die haben sichtlich ihre Gaudi, wenn sie mit schwerem Gerät den Park umgraben, während Preissner zwischen ihnen herumflitzt, immer mit den Armen wedelnd und die großen Maschinen dirigierend.

Und das Trio schmiedet auch große Zukunftspläne. Das Angebot im Baggerpark soll nämlich ausgebaut werden. Demnächst wird eine Party-Straßenbahn eingeweiht, die Hofer von den Wiener Linien bekommt. Und zusätzlich plant er - ganz nach seinem Motto "Spaß haben und lernen" - einen Verkehrsübungsparcours für Baumaschinen. Den Polizeipräsidenten hat er schon für Gespräche in den Baggerpark eingeladen. Und er ist zuversichtlich, dass er ihn überzeugen kann. Denn erfahrungsgemäß haben die großen Besucher mindestens genauso viel Spaß wie die kleinen.

Artikel erschienen am 11. Mai 2012 in: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 12-15




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-09 10:05:09
Letzte Änderung am 2012-05-14 12:28:36


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