Gerne rümpfen wir in Europa die Nase über die nicht existente Esskultur in Amerika. Die Nationalspeise Burger ist zum Sinnbild für falsche Ernährung geworden. Andererseits: Verdrücken wir eine Portion Schweinsbraten mit Knödel, kommen wir auf rund 870 Kalorien - was in etwa einem großen Hamburger mit Pommes entspricht. Und wirklich gesünder ist der Schweinsbraten auch nicht gerade. Wie so oft im Leben kommt es also auch hier auf die richtige Dosis an. Gegen einen Burger, den man sich ab und zu in die Figur stellt, spricht an sich nichts. Umso weniger, wenn man einen hausgemachten Burger zwischen die Zähne bekommt, der seinem Fast-Food-Cousin um Geschmackswelten voraus ist.
Der Name Burger ist die Kurzform für Hamburger, als der das garnierte Brötchen mit dem faschierten Laibchen erfunden wurde. Der Name ist möglicherweise mit der Stadt Hamburg verbunden, wahrscheinlich leitet er sich aus dem dort geläufigen Imbiss "Rundstück warm" ab, das aus einem Weizenbrot mit einer Bratenscheibe plus Sauce besteht. Mehrere amerikanische Imbissbuden nehmen zudem für sich in Anspruch, den Hamburger in seiner heutigen Form - faschiertes Rindfleischlaibchen, Zwiebeln, Tomaten und Käse in einem Weizenbrötchen verpackt - erfunden zu haben. Etwa Louis Lunch in New Haven, dessen deutschstämmiger Inhaber angeblich 1895 einem eiligen Gast dieses Gericht kreiert hatte. Auf jeden Fall gilt es heute als uramerikanisch auch in den Varianten Fisch-, Hühner- oder Veggieburger.
Der einzige Schwachpunkt eines gut gemachten Burgers ist die Konsistenz des Brötchens - weich und labbrig, typisch für den angelsächsischen Raum. Doch speziell in New York mit seinen vielen Einwanderern hat sich auch eine feste Brotform durchgesetzt: der Bagel. Ein etwa handgroßer Ring aus Hefeteig, der zuvor gekocht und danach gebacken wird. Das kann man selbst als mit knusprigen Semmeln verwöhnter Wiener durchgehen lassen. Bagels gibt es nicht nur aus Weizen- sondern auch aus Vollkornmehl, sie können unterschiedlich belegt sein, etwa mit Mohn oder Sonnenblumenkernen und sie werden gerne für den schnellen Imbiss zwischendurch mit cremigem Frischkäse gefüllt. In der Tat ist der mit "cream cheese" bestrichene und mit Lachs und Kapern gefüllte Bagel so etwas wie der Inbegriff urbanen New Yorker Lebensstil.
Bevor Sie jetzt die Augen verdrehen ob der immer häufiger in Österreich auftauchenden Bagels: Mit ihnen ist es wie mit Halloween. Sie gelten als Synonym für Amerika, obwohl sie eigentlich in Europa ihr Wurzeln haben. Die Bagels sind bereits im 17. Jahrhundert in Polen belegt. Möglicherweise, so besagt eine Legende, wurden sie sogar in Wien erfunden: Nach dem Abzug der Türken 1683 soll zu Ehren des pferdeliebenden polnischen Königs Jan Sobieski der Bagel von einem jüdischen Bäcker in Form eines Steigbügels entworfen worden sein. Demnach würde sich der Name von (Steig-)Bügel ableiten.
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